Trotz eines durch die USA vermittelten Friedensabkommens sind wieder Kämpfe zwischen Thailand und Kambodscha ausgebrochen. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die erneute Eskalation verantwortlich.
Thailand hat nach der jüngsten Eskalation im Grenzgebiet zu Kambodscha Luftangriffe auf Ziele im Nachbarland geflogen. Zuvor hätten kambodschanische Soldaten das Feuer auf thailändische Truppen in der Provinz Ubon Ratchathani eröffnet, erklärte Thailands Armeesprecher Winthai Suvaree. Dabei seien ein Soldat getötet und vier weitere verletzt worden.
Die thailändische Luftwaffe habe daraufhin Angriffe auf “militärische Ziele in mehreren Regionen” ausgeführt, um die Attacken aus Kambodscha zu beenden. Mehr als 385.000 Zivilisten sollen aus vier Grenzbezirken in Thailand in Sicherheit gebracht werden. 35.000 von ihnen seien bereits in Notunterkünften untergebracht.
Kambodscha: Tagelange Provokationen
Gestern war es bereits zu einem Scharmützel an der Grenze gekommen. Im Laufe des Tages weiteten sich die Kämpfe stetig aus. Beide Seiten machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Laut dem thailändischen Militär waren Truppen in Ubon Ratchathani unter Beschuss geraten. Die eigenen Truppen hätten zurückgeschossen. Thailand wirft Kambodscha zudem vor, Raketen auf zivile thailändische Gebiete abgefeuert zu haben.
Kambodschas Verteidigungsministerium teilte hingegen mit, die thailändische Seite habe zuerst geschossen. Die eigenen Truppen hätten das Feuer nicht erwidert. Das thailändische Militär habe Kambodschas Streitkräfte an zwei Orten angegriffen. Dem seien tagelange Provokationen vorausgegangen.
Eine Sprecherin forderte Thailand auf, “alle feindlichen Aktivitäten sofort einzustellen, die den Frieden und die Stabilität in der Region bedrohen”. Nach Angaben von Kambodschas Informationsminister Neth Pheaktra werden die Bewohner mehrerer grenznaher Dörfer evakuiert.
Abkommen sollte Konflikt beenden
Zwischen Thailand und Kambodscha schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt um Territorien, die beide Seiten für sich beanspruchen. Hintergrund ist eine unklare Grenzziehung aus der Kolonialzeit. Der Streit war im Juli zu einem fünftägigen Grenzkonflikt eskaliert. Dabei wurden mindestens 48 Menschen getötet und schätzungsweise 300.000 vorübergehend vertrieben.
US-Präsident Donald Trump und der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim vermittelten daraufhin im Oktober ein Friedensabkommen. Thailand hatte jedoch Mitte November die Umsetzung des Abkommens ausgesetzt, nachdem ein Soldat durch eine Landmine verletzt worden war.
Malaysia mahnt zur Zurückhaltung
Malaysias Regierungschef Ibrahim rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Er hat momentan den Vorsitz des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN inne. Auch der einflussreiche frühere Premier Kambodschas, Hun Sen, mahnte die eigenen Streitkräfte zur Zurückhaltung gegenüber der “Aggression” des thailändischen Militärs. In einem Facebook-Beitrag schrieb der Vater des amtierenden Regierungschefs Hun Manet jedoch auch: “Die rote Linie für eine Reaktion ist bereits festgelegt worden.”
