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Vor neuen Quartalszahlen von KI-Platzhirsch Nvidia sowie Daten vom Arbeitsmarkt haben die US-Anleger Vorsicht walten lassen. Die Wall Street tendierte wie zuvor schon der DAX leichter.
Nach dem schwachen Wochenstart haben die Kurse an der New Yorker Wall Street heute weiter nachgegeben. Der Dow-Jones-Index lag am Ende bei 46.091 Punkten, ein Minus von 1,07 Prozent.
Der breiter gefasste S&P 500 notierte 0,83 Prozent niedriger bei 6.617 Zählern. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 1,21 Prozent, nachdem er am Montag bereits rund ein Prozent verloren hatte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab ebenfalls 1,2 Prozent nach.
Die US-Anleger treibt derzeit die Frage um, ob der Zinssenkungszyklus in den USA nach nur zwei Lockerungen schon wieder beendet sein könnte. “Legt die Fed wegen der unklaren Datenlage im Dezember nur eine Pause ein, oder aber ist alle Aufregung der vergangenen Tage umsonst und am 10. Dezember sinken die Leitzinsen weiter?”, brachte Maximilian Wienke, Analyst bei eToro, die Sorgen der Marktteilnehmer auf den Punkt.
Um Rückschlüsse auf den Kurs der US-Notenbank ziehen zu können, warten Anleger mit Spannung auf während des “Shutdowns” ausgefallene US-Wirtschaftsdaten. “Durch die lange Datenpause fehlt es Anlegern an Orientierung, um die wirtschaftliche Lage und die Zinsperspektive der Fed richtig einzuschätzen”, so der Experte weiter.
Auftragseingänge der Industrie für den August waren heute die ersten Daten nach dem Shutdown. Sie sollten ursprünglich schon am 2. Oktober veröffentlicht werden und fielen mit einem Anstieg zum Vormonat von 1,4 Prozent wie erwartet aus.
Marktteilnehmer warten nun auf den Arbeitsmarktbericht der US-Regierung für September, der am Donnerstag auf dem Programm steht. Die Jobdaten stehen stark im Fokus der Märkte, weil sie für die Geldpolitik der Notenbank eine wichtige Rolle spielen.
Neben den Zinssorgen stand auch der Tech-Sektor im Fokus der Anleger, denn KI-Platzhirsch Nvidia legt morgen nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Diese könnten Experten zufolge weltweite Kursturbulenzen auslösen.
“Als Eckpfeiler der Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) werden die Zahlen darüber entscheiden, ob die Expansion weitergeht, oder ob wir in eine Konsolidierungsphase eintreten”, sagt Chris Murphy, leitender Anlagestratege beim Vermögensverwalter Susquehanna – und damit wohl auch, ob die hohen Bewertungen der Tech-Branche gerechtfertigt sind. Nvidia-Aktien fielen heute um 2,8 Prozent.
In die Diskussion um eine mögliche Blasenbildung im Tech-Sektor platzte zudem die Nachricht, dass der deutsche Investor Peter Thiel seinen – allerdings nur geringen – Anteil an Nvidia zuletzt verkauft hat. Konkret waren es 537.742 Aktien, wie aus einer 13-F-Nachricht der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, über die der Spiegel berichtet.
Lange Gesichter an der Börse: Denn der DAX setzte heute im Sog der Wall Street seine jüngste Talfahrt mit dem Rutsch auf das tiefste Niveau seit Juni fort. Nach einem Minus von 1,2 Prozent zum Wochenstart verlor der deutsche Leitindex heute weitere 1,74 Prozent auf 23.180 Punkte. Im Tagestief war der Index bis 23.085 Punkte gefallen. Seit dem Zwischenhoch in der letzten Woche bei etwas über 24.400 Zählern hat der Index damit über 1.300 Punkte verloren. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte gab deutlich um gut 2,0 Prozent nach.
Damit steht der DAX erstmals seit April wieder unter seiner 200-Tage-Durchschnittslinie, die ein beliebter markttechnischer Indikator für den längerfristigen Trend ist. Ein Tagesschluss darunter würde die Lage aus Sicht der Experten von Index Radar weiter eintrüben und den Weg abwärts Richtung 23.000-Punkte-Marke freigeben – was heute teilweise schon passiert ist.
Auf der Verkaufsseite fielen vor allem die zinssensitiven DAX-Banken Deutsche Bank und Commerzbank negativ auf, die rund vier Prozent verloren. Noch stärker um über sechs Prozent gaben Siemens Energy nach, die am DAX-Ende standen, allerdings zuvor gut gelaufen waren.
