Friedensnobelpreis: Venezolanerin Machado in Abwesenheit geehrt

Friedensnobelpreis: Venezolanerin Machado in Abwesenheit geehrt

Ana Corina Sosa, Tochter von Maria Corina Machado, bei der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo.

Stand: 10.12.2025 14:44 Uhr

Der Friedensnobelpreis ist verliehen – doch die Preisträgerin Machado fehlte. Sie ist auf dem Weg nach Oslo, schaffte es aber nicht rechtzeitig. Stellvertretend nahm die Tochter der venezolanischen Oppositionellen den Preis entgegen.

In Oslo ist die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado nahm die prestigeträchtige Nobelmedaille und ein dazugehöriges Diplom auf einer feierlichen Preiszeremonie im Rathaus von Oslo in ihrem Namen entgegen.

Die Oppositionspolitikerin konnte nicht persönlich an der Zeremonie teilnehmen. Nach Angaben des Nobelinstituts wird Machado erst zu einem späteren Zeitpunkt in Oslo erwartet, vermutlich noch heute. Sie befinde sich gerade auf dem Weg nach Oslo, sagte sie selbst in einem Interview, das unmittelbar vor Beginn der Preisverleihung auf dem offiziellen Account der Nobelpreise auf der Plattform X veröffentlicht wurde.

An der Zeremonie nahmen mehrere Staatschefs lateinamerikanischer Länder teil, um ihre Solidarität mit Machado zu zeigen. Unter ihnen waren der argentinische Präsident Javier Milei, der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa, der panamaische Präsident José Raúl Mulino und der paraguayische Präsident Santiago Peña.

Teilnahme lange ungewiss

Bis zuletzt war angesichts der Drohungen der autoritären Führung ihres Landes offen, ob Machado zur Preisverleihung anreist – obwohl sie beteuert hatte, alles zu versuchen, um bei der größte Ehrung ihres Lebens dabei sein zu können. Eine Pressekonferenz mit ihr am Vortag der Preisverleihung, wie es sonst üblich ist, musste jedoch erst verschoben und dann abgesagt werden. Am Morgen hatte das Nobelinstitut letztlich bekanntgegeben, dass Machado nicht an der Preisübergabe teilnehmen werde. 

“Wir können bestätigen, dass sie in Sicherheit ist”, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jorgen Watne Frydnes, bei der Preisverleihung. Er betonte, dass Machado weiterhin zur Anreise entschlossen sei. “Meine Mutter bricht nie ein Versprechen”, ergänzte Ana Corina Sosa. “In nur ein paar Stunden werden wir sie hier in Oslo in die Arme nehmen können, nach 16 Monaten in der Hölle.”

Bereits am 10. Oktober wurde der 58-Jährigen der Friedensnobelpreis zuerkannt, der traditionell am 10. Dezember verliehen wird – für ihren Kampf für einen demokratischen Wandel in ihrem südamerikanischen Heimatland. Das Nobelkomitee nannte sie “eines der ungewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in Lateinamerika in der jüngsten Zeit”.

Machado drohen Konsequenzen bei Wiedereinreise

Die konservative venezolanische Opposition hatte Machado im vergangenen Jahr zu ihrer Präsidentschaftskandidatin gekürt. Sie galt als Favoritin gegen den Amtsinhaber Nicolás Maduro – bis die Behörden ihr die Kandidatur untersagten. Der seit 2013 autoritär herrschende Maduro wurde zum Sieger der Wahl ausgerufen. Die Opposition reklamierte den Wahlsieg aber für sich. Auch die USA und andere Länder betrachten die Wahl Maduros nicht als rechtmäßig. Machado tauchte unter und wurde seit dem 9. Januar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Mit der Reise riskiert Machado nun schwerwiegende Folgen bei ihrer Rückkehr nach Venezuela: Die dortige Staatsanwaltschaft hatte damit gedroht, sie als flüchtig zu betrachten, sollte sie das Land verlassen. Der Generalstaatsanwalt Tarek William Saab begründete dies damit, dass gegen die Oppositionelle zahlreiche strafrechtliche Ermittlungen wegen “Verschwörung, Aufstachelung zum Hass und Terrorismus” liefen.

Zudem werde gegen sie wegen ihrer Unterstützung für den Einsatz von US-Streitkräften in der Karibik ermittelt. Machado drohen damit möglicherweise die Festnahme oder ein Einreiseverbot, was wiederum weitreichende Folgen für die Opposition mit sich bringen könnte. 

Kritisiert wurde Machado zuletzt auch für ihre Hinwendung zu US-Präsident Donald Trump. Kurz nach der Bekanntgabe, dass sie den Nobelpreis erhält, schrieb Machado auf der Plattform X: Man zähle heute mehr denn je “auf Trump, das Volk der Vereinigten Staaten, die Völker Lateinamerikas sowie die demokratischen Nationen der Welt als unsere wichtigsten Verbündeten, um Freiheit und Demokratie zu erreichen”.

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