DAX unter Druck: Neue Zollsorgen belasten Börsen

DAX unter Druck: Neue Zollsorgen belasten Börsen

Börsenhändler an der Frankfurter Börse.


marktbericht

Stand: 23.02.2026 • 14:32 Uhr

Die neuen Wendungen rund um die US-Zölle setzen dem Aktienmarkt zu. Auch wenn die direkten wirtschaftlichen Folgen überschaubar bleiben – die neuen Unsicherheiten behagen den Investoren nicht.

Die Freude über den Gerichtsentscheid zu Donald Trumps unzulässigen Zöllen währte nur kurz. Hatte der DAX am Freitag noch 0,9 Prozent zugelegt, sehen sich die Marktteilnehmer nun mit einer neuen Lage konfrontiert. Noch am Freitag hatte der US-Präsident vorübergehende Zölle in Höhe von zunächst zehn Prozent auf Importe in die USA angekündigt. Am Samstag hob er den Satz auf 15 Prozent an, die ab Dienstag gelten sollen. Damit schöpft Trump die Höchstgrenze eines Handelsgesetzes, auf das er sich beruft, voll aus.

Solche unberechenbaren Wendungen schätzen die Anleger überhaupt nicht. Bis zum frühen Nachmittag verliert der DAX 0,55 Prozent auf 25.122 Punkte. Die Marke von 25.000 Punkten war aber bisher nicht in Gefahr.

Dollar bügelt Schwächeanfall aus

Am Devisenmarkt ist der Euro von seinen Höchstständen über 1,18 Dollar wieder deutlich zurückgekommen und notiert mit 1,1778 Dollar auf dem Niveau von Freitagabend. Die neue Unsicherheit über die US-Zölle hatte den Dollar übers Wochenende belastet.

Auch der Goldpreis hatte zunächst von der neuen Unsicherheit profitiert. Am frühen Nachmittag ist die Notierung aber wieder auf 5.162 Dollar pro Feinunze zurückgefallen, womit sie noch etwa 50 Dollar höher liegt als am Freitagabend.

Bitcoin weiter unter Druck

Auch am Kryptomarkt reagierten Marktteilnehmer mit Verkäufen auf die neue Lage. Der Bitcoin verbilligte sich in der Spitze um knapp fünf Prozent auf 64.338 Dollar. “Die Ungewissheit über die US-Handelspolitik hat den Risikoappetit der Investoren deutlich gedämpft”, sagte Analyst Timo Emden. Zugleich würden am Markt die Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran mit Argusaugen beobachtet.

Wirtschaftliche Folgen überschaubar

Insgesamt bleiben die wirtschaftlichen Folgen der neuen Ereignisse überschaubar. So ist die deutsche Autoindustrie, für die derzeit ein US-Importzoll von 15 Prozent gilt, von dem Urteil des Supreme Court gar nicht betroffen, weil es sich hierbei um eine spezifische Branchenabgabe, nicht um einen Länderzoll handelt.

Zudem ist zu beachten, dass die nun fälligen 15 Prozent auf manche anderen Güter nur für maximal 150 Tage verhängt werden dürfen, bevor Trump die Zustimmung des US-Kongresses einholen muss.

Unsicherheit bleibt

Bleibt die allgemeine Konfusion, nachdem dem Zollabkommen zwischen der EU und den USA die Geschäftsgrundlage entzogen wurde, wie Berndt Fernow von der LBBW bemerkte: “Allen Versicherungen der US-Regierung zum Trotz herrscht nun erstmal ein großes Chaos”, so der Ökonom. Neue Gespräche mit der Europäischen Union scheinen also unausweichlich. Medienberichten zufolge will die EU die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den Vereinigten Staaten erstmal aussetzen.

Überschattet werde die Entwicklung an den Kapitalmärkten aber von den Spannungen rund um den Iran, so Fernow. “Ein erster Militärschlag kann jederzeit erfolgen.”

ifo signalisiert Belebung

Auch wenn die US-Zollpolitik für deutsche Exporteure eine Belastung ist – ein Lichtblick für die Konjunktur kam heute vom ifo-Geschäftsklimaindex. Der wichtige Frühindikator stieg um einen Punkt auf 88,6 Punkte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 88,3 Punkte gerechnet.

Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit ihren Geschäften. Die Bewertung der Lage stieg um einen Punkt auf 86,7 Punkte. Auch die Erwartungen verbesserten sich. Hier stieg der Indikator um 0,9 Punkte auf 90,5 Punkte. “Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung”, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest.

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