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Eine neue Studie soll angeblich beweisen, dass das Treibhausgas CO2 nicht für die steigenden Temperaturen auf der Erde verantwortlich ist. Doch das ist falsch – und ein weiteres Beispiel für Klimawandelleugnung.
“Neue Studie stellt fest: CO2 als Hauptursache der Erderwärmung ‘physikalisch unmöglich'”, titelt das österreichische rechtsalternative Medienportal “Report24”. Demnach zeige die Studie, dass sich die “vermeintliche Erhitzung des Planeten” fast vollständig in den Ozeanen abspiele – verursacht von natürlichen Schwankungen beispielsweise der Sonneneinstrahlung. Allerdings ist das aus mehreren Gründen falsch.
CO2-Gehalt in der Atmosphäre stark gestiegen
Zunächst einmal ist es längst erwiesen, dass Treibhausgase wie CO2 hauptsächlich für die Erderwärmung verantwortlich sind. “Menschliche Aktivitäten haben eindeutig die globale Erwärmung verursacht, vor allem durch die Emission von Treibhausgasen”, heißt es beispielsweise im Bericht des Weltklimarats IPCC.
“Es ist eine physikalische Tatsache, dass die Treibhausgase zur Erwärmung der Atmosphäre beitragen”, sagt Rüdiger Glaser, Professor für Physische Geographie an der Universität Freiburg. Das Prinzip wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckt und nachgewiesen. So führt CO2 in der Atmosphäre dazu, dass Wärmestrahlung, die von der Erde abgestrahlt wird, absorbiert wird und nicht vollständig entweichen kann. Die Folge: Je mehr CO2 sich in der Atmosphäre befindet, desto wärmer wird es.
Und das ist auch messbar: Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre stieg von etwa 280 µmol/mol (ppm) aus vorindustrieller Zeit (vor 1800) auf mehr als 420 µmol/mol (ppm) an. Im selben Zeitraum stieg die globale Durchschnittstemperatur um etwas mehr als 1,5 Grad Celsius.
“Es ist einfach falsch, zu behaupten, dass die Treibhausgase nicht die Hauptursache der Erderwärmung sind. Und auch dass es physikalisch unmöglich sei, ist einfach Humbug”, sagt Glaser. “Es ist ungefähr so, als würde man sagen: Die Erdanziehungskraft gibt es nicht.” Seit der Freisetzung von CO2-Emissionen durch den Menschen habe sich die Erde sukzessive erwärmt und sei somit der entscheidende Faktor.
Rolle der Ozeane falsch dargestellt
Zwar gebe es auch andere Faktoren, die auf die Temperatur auf der Erde einwirkten – beispielsweise Vulkanausbrüche oder die Sonnenaktivität, so Glaser. Allerdings ändere das nichts an der Tatsache, dass der Großteil der Erderwärmung durch die Treibhausgase und da vor allem durch CO2 hervorgerufen werde.
Auch die Rolle der Ozeane werde in der eingangs erwähnten Studie dabei falsch dargestellt. “Dass die Ozeane den Großteil der CO2-Emissionen aufnehmen, stimmt nicht”, sagt Glaser. Nach Angaben des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel nehmen die Ozeane jährlich rund 30 Prozent des vom Menschen erzeugten CO2 auf und ziehen es aus der Atmosphäre. Das liegt vor allem am Phytoplankton: Wie auch Pflanzen am Land nimmt Phytoplankton CO2 mithilfe von Licht und Nährstoffen auf und gibt Sauerstoff wieder ab.
“Das heißt aber natürlich nicht, dass der Treibhauseffekt als solcher damit vom Tisch ist, sondern ganz im Gegenteil”, sagt Glaser. Zum Glück absorbierten die Ozeane sehr viel CO2. Allerdings führe das auch zu einer weiteren Versauerung der Ozeane. Denn mit der verstärkten Aufnahme von CO2 sinkt der pH-Wert des Meerwassers. Das führt dazu, dass viele Tiere und Pflanzen, die ihre Schalen oder Skelette aus Kalk aufbauen, im saureren Wasser mehr Kraft für ihr Wachstum aufbringen müssen und in ihrer Existenz bedroht sind.
“Die Ozeane fangen an, selbst zu kippen”, sagt Glaser. “Es ist nicht so, dass man da ein Reservoir hat, das man unendlich beschicken kann.” Dennoch wäre die Erderwärmung ohne die Ozeane noch deutlich dramatischer.
Klimawandel nicht durch natürliche Ursachen zu erklären
Immer wieder wird von Leugnern des menschengemachten Klimawandels behauptet, der Temperaturanstieg auf der Erde sei allein auf natürliche Ursachen zurückzuführen – beispielsweise den Sonnenzyklus oder die sogenannten Milanković-Zyklen. Die Milanković-Zyklen beziehen sich auf regelmäßige Veränderungen in den Erdbahnparametern, die für Klimaveränderungen sorgen.
Dabei geht es um periodische Schwankungen in der Art und Weise, wie die Erde um die Sonne wandert. Über sehr lange Zeiträume von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden Jahren gibt es Änderungen bei der Neigung der Erdachse, bei Drehachse und Umlaufbahn.
“Allerdings lässt sich durch diese Zyklen nicht die schnelle Erderwärmung in den vergangenen Jahrzehnten erklären”, sagt Glaser. Und auch die Sonnenaktivität erkläre den Temperaturanstieg nicht in der Höhe. “Da ist zwar definitiv eine Variation da, aber die ist kleinskaliger als das, was durch die Treibhausgase an Effekten erzielt wird.” Vor allem die exponentielle Zunahme der Erderwärmung seit den 1980er-Jahren sei nur durch die Treibhausgase erklärbar.
Folgen des Klimawandels “auch in Europa spürbar”
Für Laien sei auf den ersten Blick oftmals nicht zu erkennen, wann es sich bei einem Artikel oder einer vermeintlichen Studie um Klima-Desinformation handelt, sagt Glaser. “Die Mechanismen werden raffinierter. Deshalb ist es wichtig, dem immer wieder die Fakten entgegenzuhalten.”
Zudem würden die Folgen des Klimawandels auch in Europa immer spürbarer, so Glaser. “Wir haben in Freiburg zum Beispiel das Tigermücken-Problem. Es gibt immer mehr Algen in Deutschland. Es gibt Hitzetote. Wir haben mittlerweile Tropennächte in den Städten.”
In seinem Buch “Klimadämmerung – Klimawandel und Gesellschaft in Mitteleuropa seit 1800” hat Glaser unter anderem die Entwicklung des Klimawandels und seine Folgen von 1800 bis heute analysiert. In Stuttgart beispielsweise habe es in den Jahren von 1971 bis 2000 keine einzige Tropennacht gegeben. “Mittlerweile gibt es bis zu drei Tropennächte pro Jahr und bis Ende des Jahrhunderts werden es um die 14 sein, wobei die Schwankung 9 bis 24 beträgt.”
Auch die Anzahl der heißen Tage – dessen Temperatur mindestens die 30 Grad Celsius erreicht – steigt in Deutschland. So gab es in den Jahren von 1951 bis 1990 insgesamt nur ein Jahr, in dem gemittelt über die Fläche Deutschlands mehr als zehn heiße Tage verzeichnet worden sind. In den Jahrzehnten danach waren es hingegen 13 – neun davon alleine im Zeitraum von 2010 bis 2024. Das Rekordjahr mit insgesamt 20,4 heißen Tagen war 2018. Statistisch gesehen haben die heißen Tage in Deutschland damit stark zugenommen.

