Kriege, Arbeit, Termine: Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst. Dies belegt eine repräsentative Befragung. Permanenter Stress ist ungesund – aber es gibt auch einfache Tipps dagegen.
Für viele Menschen gehört Stress inzwischen zum Leben dazu. Zwei Drittel (66 Prozent) der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder manchmal gestresst, wie aus einer repräsentativen Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht.
Damit nahm das Stressempfinden deutlich zu. Bei einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2013 hatte der Anteil derer, die sich gestresst fühlten, noch bei 57 Prozent gelegen. Nur acht Prozent empfinden eigenen Angaben zufolge gar keinen Stress.
Bei Frauen ist der Stresslevel deutlich höher als bei Männern: 71 Prozent fühlen sich häufig oder manchmal gestresst. Bei Männern sind es 60 Prozent.
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK 1.407 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren zu ihren Erfahrungen mit Stress befragt.
Top 3 der Stressfaktoren
Was löst den Stress aus? Am häufigsten gaben die Befragten hohe Ansprüche an sich selbst als Ursache an (61 Prozent). Auf Platz zwei liegen Schule, Studium oder Beruf (58 Prozent), gefolgt von Stress durch politische und gesellschaftliche Probleme (53 Prozent). Für 43 Prozent der Befragten spielen zu viele Termine und Verpflichtungen in der Freizeit eine Rolle.
“Bis zu einem gewissen Grad gehört Stress zum Leben dazu”, erklärt TK-Chef Jens Baas. “Chronischer Stress jedoch erhöht das Risiko für bestimmte psychische und physische Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme, Rückenschmerzen oder Depressionen.”
Um sich zu entspannen, trinken Männer im Vergleich zu Frauen häufiger alkoholische Getränke wie Bier oder Wein (36 Prozent gegenüber 22 Prozent). Frauen hingegen machen häufiger Yoga gegen Stress (28 Prozent gegenüber 11 Prozent).
Permanenter Stress ist ungesund
Psychologin Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport, erklärt, dass Menschen “evolutionspsychologisch nicht dafür gemacht” sind, sich “den ganzen Tag mit den Krisen des gesamten Planeten auseinanderzusetzen”. Es sei daher wichtig zu lernen, gezielt zu steuern, wann und wie oft man sich über die weltpolitische Lage informiere – um sich nicht zu überfordern. Sie rät zu digitalen Detox-Zeiten.
Wichtig sei auch, Resilienz aufzubauen, also seelische Widerstandskraft. Das gehe zum Beispiel durch wohltuende soziale Kontakte oder Bewegung und Zeit in der Natur.
Natur, Freunde und Hobbys helfen
Tatsächlich verbringt die überwiegende Mehrheit der Befragten (83 Prozent) Zeit in der Natur oder geht spazieren, um Stress abzubauen. 78 Prozent gehen einem Hobby nach, genauso viele treffen sich mit Familie oder Freunden, um sich zu entspannen. Auch Musik hören oder Kochen hilft vielen.
Für Stressgeplagte hat Psychologin Mangelsdorf noch einen Tipp: Für das eigene Wohlbefinden ist es ihren Angaben nach wichtig, positive Momente oder Erfahrungen bewusst herzustellen, die einem guttun: “Das kann ein gutes Gespräch mit einem netten Menschen, ein Kaffee in der Sonne sein.”
