Zentralafrikanische Republik: Mit russischer Hilfe wieder Präsident?

Zentralafrikanische Republik: Mit russischer Hilfe wieder Präsident?

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadera, begrüßt Anhänger während des Afrikanischen Tages der Schulverpflegung in Bangui (Archiv)

Stand: 03.01.2026 15:44 Uhr

Die Zentralafrikanische Republik ist ein kleines Land, doch wie die Wahl dort ausgeht, dürfte auch in Russland verfolgt werden. Langzeitpräsident Touadéra setzt auf russische Söldner – und das Land ist reich an Bodenschätzen.

Karin Bensch

Ein Wahlbüro in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Die Wände sind mit bunten Stoffen verkleidet. Ein Mann in einem schlichten, weißen Hemd steckt seinen Stimmzettel in die Wahlurne. Es ist Faustin-Archange Touadéra, 68 Jahre alt und der derzeitige Präsident des Landes. Seit fast zehn Jahren ist er im Amt. Touadéra hat ein Ziel: Er will wiedergewählt werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, er gilt als Favorit.

Anfang nächster Woche soll das vorläufige Ergebnis veröffentlicht werden. Bis dahin gibt sich der Politiker demütig, aber siegessicher: “Ich möchte den Menschen der Zentralafrikanischen Republik für ihre Unterstützung danken, für alles, was sie getan haben, um mich zu ermutigen. Ich hoffe, dass all das sich an der Wahlurne widerspiegeln wird. Ich bin zuversichtlich.”

Begleitet von russischen Söldnern

Ortswechsel: Ein großes Stadion – voller Menschen. Touadéra schreitet durch die Menge, klatscht in die Hände, tanzt, winkt Leuten zu. Er scheint den großen Auftritt zu genießen.

Zu seinen Terminen wird der Präsident von Mitgliedern der Präsidentengarde begleitet, aber auch von Söldnern der russischen Gruppe Wagner. Eine private, paramilitärische Organisation aus ehemaligen Soldaten und Strafgefangenen. Gegründet und geführt von Jewgeni Prigoschin – bis zu seinem Tod Ende August 2023 durch einen Flugzeugabsturz.

Drei Monate nach Prigoschins Tod wurde die Gruppe Wagner umbenannt in “Afrikakorps” und erhielt eine neue Befehlshierarchie. Das “Afrikakorps” ist nun ein Teil der russischen Armee und untersteht formell dem russischen Verteidigungsministerium.

Wagner-Gruppe weiter aktiv

Doch in der Zentralafrikanischen Republik gibt es eine Besonderheit. Denn anders als in Mali, Burkina Faso und Niger, ist dort nicht das “Afrikakorps”, sondern noch immer die Wagner-Gruppe aktiv – mit schätzungsweise mehr als 1.000 Söldnern.

Das liege vor allem daran, dass Mitglieder der Wagner-Gruppe bis heute persönlich sehr eng vernetzt seien mit der politischen Führung und den Eliten in der Zentralafrikanischen Republik, sagt Ulf Laessing, Leiter des Regionalprogramms Sahel der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali: “Die haben ja auch den Rebellen besiegt und das Land zum Teil befriedet. Also da hat Wagner einfach sehr viel Einfluss. Es ist wie so ein Geschäftsmodell.”

Wagner-Mitglieder zu Söldnern geworden

2017 holte Präsident Touadéra die Wagner-Gruppe ins Land, um seine Armee gegen Rebellen zu unterstützen und seine Truppen ausbilden zu lassen. Vier Jahre zuvor hatte der Bürgerkrieg begonnen, der die Zentralafrikanische Republik an den Rand des Zerfalls brachte. Bewaffnete Gruppen kontrollierten zeitweise große Teile des Landes. Internationale Friedensmissionen, darunter die UN-Mission Minusca, sowie militärische Unterstützung aus Ruanda und Russland trugen in den vergangenen Jahren dazu bei, die Lage etwas zu stabilisieren. Doch die Lage ist bis heute zerbrechlich.

Hinzu kommt, dass Mitglieder der Wagner-Gruppe in der Afrikanischen Republik selbst zu Straftätern geworden sind. Ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Tötungen, Misshandlungen und Vergewaltigungen.

Ein Angehöriger der Wagner-Gruppe steht Wache in Bangui. Eine Aufgabe ist es, die Rohstoff-Minen im Land zu schützen. (Archiv)

Diamanten, Gold, Lithium und Uran

Dennoch setzt Präsident Touadéra weiterhin auf russische Söldner, um seine eigene Macht abzusichern. Und, um die begehrten Minen im Land bewachen zu lassen. In der Zentralafrikanischen Republik gibt es kostbare Rohstoffe wie Diamanten, Gold, Lithium und Uran. Für ihre Dienste wird die Wagner Gruppe mit Rohstoffen bezahlt.

Für die Organisation und für Russland habe sich das Geschäft bereits gelohnt, meint Laessing: “Rohstoffe – darunter auch wertvolles Holz – werden dann per Flugzeug nach Russland gebracht oder über den Hafen in Douala in Kamerun. Und ja, das war für Wagner immer ein wichtiges Geschäft.”

In der Zentralafrikanischen Republik profitiert vor allem die Elite, eine kleine Gruppe sehr mächtiger Menschen, von den Bodenschätzen. Bei den meisten der gut fünf Millionen Einwohnern kommt davon so gut wie nichts an.

Trotz der wertvollen Bodenschätze zählt die Zentralafrikanische Republik zu den ärmsten Ländern der Welt. Hinzu kommt: Nach vielen Jahren des Bürgerkriegs liegen Teile der Wirtschaft am Boden, die Strom- und Wasserversorgung ist marode, Nahrungsmittel sind teuer, Hunger ist ein Problem.

Ein Sieg würde auch Russlands Interessen stärken

Die schwierige Lage im Land berührt auch die Präsidentschaftswahl. Viele hoffen, dass es danach für sie besser wird. Einer von ihnen ist Hugues Yassemale. Er arbeitet als Fahrer in der Hauptstadt Bangui: “Für die Menschen hier ist es wichtig, die Ergebnisse zu sehen. Und wir warten auf die Ergebnisse, die von der nationalen Wahlbehörde bald veröffentlicht werden.”

Anfang nächster Woche soll bekannt gemacht werden, ob der alte Präsident auch der neue Präsident sein wird und ob Touadéra sich eine dritte Amtszeit gesichert hat. Ein erneuter Sieg Touadéras würde seine Machtposition als Dauer-Präsident stärken – und auch die Interessen Russlands in der Zentralafrikanischen Republik.

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