Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist leicht gestiegen. Doch von einer Trendwende kann keine Rede sein. Immer noch scheitern viele Transplantationen an der fehlenden Zustimmung von Angehörigen.
Die Zahl der Organspender und der gespendeten Organe ist in diesem Jahr etwas höher als noch 2024. Bis Ende Oktober wurden in Deutschland 2.523 Organe gespendet und anschließend hierzulande oder im Ausland transplantiert, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte.
Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 2.391 gespendete Organe. Bundesweit spendeten zwischen Januar und Oktober bislang 836 Menschen nach ihrem Tod ein Organ, 2024 waren es im gleichen Zeitraum 789 Menschen.
Zugleich wurden in Deutschland 2.738 Spenderorgane transplantiert, die in Deutschland oder im Ausland entnommen und über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant vermittelt wurden – fast 200 mehr als im Vorjahreszeitraum: Zwischen Januar und Oktober wurden in Deutschland 2.557 Organe transplantiert.
“Keine fundamentale Wende”
“Die leichte Steigerung der Organspende gegenüber dem Vorjahr ist für die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten erfreulich”, teilte der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, mit. “Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass daraus keine fundamentale Wende bei der Organspende abzuleiten ist”.
Zudem gebe es erneut deutliche regionale Unterschiede. So wurden etwa in Nordrhein-Westfalen bis Ende Oktober mit 506 deutlich mehr Organe gespendet als noch im Vorjahreszeitraum, in den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland ging die Zahl im Vergleich dagegen deutlich zurück auf 291 gespendete Organe – 2024 waren es noch 347 Organe gewesen. Auch im Nordosten bemängele man einen Rückgang der Spenden.
Fehlende Zustimmung von Angehörigen ist häufiges Problem
DSO-Vorstand Rahmel wies darauf hin, dass Organspenden in vielen Fällen aufgrund einer fehlenden Zustimmung von Angehörigen nicht zustande kommen. Von 2.963 gemeldeten potenziellen Organspenden im Zeitraum von Januar bis Oktober konnten demnach 2.127 nicht realisiert werden.
In rund der Hälfte der Fälle habe das an einer fehlenden Einwilligung gelegen. Die fehlende Zustimmung zur Organspende lag damit noch vor medizinischen Gründen als Ursache für eine nicht stattgefundene Spende.
Schriftliche Willensbekundung noch immer selten
Er beobachte diese Entwicklung bereits seit einigen Jahren, sagte Rahmel. Wenn Angehörige eine Entscheidung zur Organspende treffen müssen – entweder nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen oder nach eigenen Wertvorstellungen – stimmen demnach weniger als 25 Prozent einer Organspende zu. Nur bei 15 Prozent aller möglichen Organspenden liege eine schriftliche Willensbekundung vor.
Alle Bürgerinnen und Bürger sollten sich zur Frage einer Organspende eine Meinung bilden und die getroffene Entscheidung zur Organspende dokumentieren, sagte der DSO-Vorstand. “Damit ihr Wille bezüglich der Organspende auch tatsächlich umgesetzt werden kann, wenn es darauf ankommt.”
