Laut Bundespolizei haben im vergangenen Jahr Sachbeschädigungen an Zügen und Anlagen im Bahnverkehr zugenommen. Allein die Schäden durch Graffiti summiert die Deutsche Bahn auf jährlich 12 Millionen Euro.
Laut Bundespolizei haben im vergangenen Jahr Sachbeschädigungen an Zügen und Anlagen im Bahnverkehr zugenommen. Allein die Schäden durch Graffiti summiert die Deutsche Bahn auf jährlich 12 Millionen Euro.
“Kein Halt am Bahnhof Wedding wegen Vandalismusschäden”. Eine Durchsage, die in Berliner S-Bahnen seit Jahresbeginn zu hören war. Wer zu diesem gesperrten S-Bahnhof wollte, musste auf die U-Bahn oder Busse ausweichen, Umwege und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Erst seit Anfang Februar läuft der Verkehr wieder wie gewohnt. Ein Feuer in der Silvesternacht, die Bundespolizei vermutet fahrlässige Brandstiftung durch Pyrotechnik, hatte das Aufsichtshäuschen sowie technische Anlagen zerstört und wochenlange Reparaturen nach sich gezogen. Die Bahn beziffert den Schaden auf rund 300.000 Euro.
Die Folgen der Tat sind auf alle Fälle gravierend – sowohl wirtschaftlich als auch für viele Fahrgäste, die täglich auf die S-Bahn angewiesen sind. Anders als ein gesperrter S-Bahnhof werden mit Farbe besprühte Gebäude und Züge oft nur noch als Randnotiz wahrgenommen, als alltägliches Ärgernis, obwohl auch hier die entstandenen Schäden hoch und die Folgen spürbar sind.
LKA: Keine Kunst, sondern Sachbeschädigung
Bundesweit am häufigsten werden Züge, Bahnhöfe und andere Anlagen in Berlin besprüht. 1.983 Graffiti-Delikte allein zwischen Januar und Oktober 2025 hat die Bundespolizei in der Hauptstadt registriert, Tendenz steigend. Zum Vergleich: in München und Hamburg waren es im gleichen Zeitraum 872 beziehungsweise 515. Die Zahlen beziehen sich laut Bundespolizei auf alle Bahnunternehmen. Die Täter bleiben zumeist unerkannt.
Silawi in sein Team kümmern sich um die schweren Fälle.
Das soll sich in Berlin ändern durch ein gemeinsames Fachkommissariat von Landeskriminalamt und Bundespolizei, die für die Sicherheit auf Bahnhöfen und Anlagen der Deutschen Bahn sowie der S-Bahn zuständig ist. “Gerade bei größeren Tätergruppierungen, Tatverdächtigen, sieht man, dass die schon immensen Aufwand reinstecken und auch entsprechend Planungen vorbereiten, um solche Graffiti-Taten zu begehen”, sagt Kriminalrat Sascha Silawi vom Berliner LKA. Sein Team und er kümmern sich um die schweren Fälle.
Die Täter seien meist männlich, zwischen 21 und 45 Jahre alt und kommen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen: Handwerker, Ärzte, Schüler seien darunter, so Silawi. Es gehe um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Videos, die in den sozialen Medien präsentiert werden, spielen dabei eine wichtige Rolle.
Einer dieser jungen Sprayer nennt sich Fiak. Erkannt werden will er lieber nicht. Seit Jahren besprüht er Züge und Bahnhöfe und ist auch schon erwischt worden. “Ich betreibe Kunst durch Sprühfarbe, und mache mir einen Kopf darum, diese Farbe schön irgendwo aussieht”, sagt Fiak. Als Krimineller sehe er sich nicht. “Wenn man mal hochgenommen wird, dann schreckt es einen erstmal für eine gewisse Zeit ab”, so der junge Mann weiter. “Aber viele verbinden das mit einer Art Sucht. Und man wird halt rückfällig.”
Als Kunst betrachtet Sascha Silawi das Sprayen nicht. “Aus polizeilicher Sicht unterscheiden wir hier nicht in künstlerischer Aktivität und Sachbeschädigung.” sagt der Kriminalrat. “Für uns bleibt eine Graffiti-Tat eine Sachbeschädigung.”
Reinigung kostet Zeit, Geld und Personal
Folgen der Sprayaktionen zu beseitigen, bleibt dann Aufgabe der Bahnunternehmen. In ihrem Internetauftritt hat die Deutsche Bahn dem Thema eine eigene Seite gewidmet. Neben der strafrechtlichen Verfolgung weist der Konzern auch auf die Gefahren für die Sprayer hin etwa durch fahrende Züge oder hohe elektrische Spannung an Stromschienen und auf die wirtschaftlichen Schäden durch die Schmierereien.
“Millionen Fahrgäste finden Graffiti überhaupt nicht cool, sondern fühlen sich davon belästigt und in ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl beeinträchtigt. Deshalb beseitigt die Bahn Graffiti so schnell wie möglich” steht da unter anderem geschrieben. Auf etwa 12 Millionen Euro pro Jahr hat das Unternehmen Schäden durch das Sprayen beziffert.
In der Werkstatt der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) muss sich deren Leiter Frank Galle zwei bis drei Mal im Monat mit beschmierten Zügen befassen. Die NEB ist vorrangig im Regionalverkehr nördlich und östlich von Berlin unterwegs. Gerade steht der Werkstattchef vor zwei großflächig, teilweise auch über Fenster und Türen besprühten Waggons. So um die 5.000 Euro werde es ungefähr kosten, diese zu reinigen, sagt Galle. Dazu kommen die Ausfallzeit des Fahrzeugs und die Werkstattkapazitäten, die vielleicht für andere Sachen hätten genutzt werden können.
Werkstattleiter Frank Galle muss sich mehrmals im Monat mit bemalten Zügen beschäftigen.
Und Ersatzzüge müssten erst einmal dahin gebracht werden, wo sie gebraucht werden, ergänzt Daniel Zawadsky. Er ist in der Leitstelle der Niederbarnimer Eisenbahn mitverantwortlich für die Bereitstellung von Zügen. “Wenn ich in Angermünde einen Zug habe, der komplett beschmiert ist, muss ich auch erstmal einen Zug nach Angermünde bekommen” beschreibt Zawadsky eine solche Situation. “Und den Zug, der beschmiert ist, aus Angermünde wieder nach Berlin-Lichtenberg zur Reparatur.” Das sei halt alles mit Kosten und mit Personal verbunden, so der Dispatcher.
Am Ende gehen diese zerstörerischen Taten Einzelner zu Lasten aller, ob Unternehmen, Polizei oder Fahrgäste. Und das gilt unabhängig davon, ob es sich um einen nach einem Brand über Wochen gesperrten S-Bahnhof oder besprühte Waggons handelt, die aus dem Verkehr gezogen werden müssen.
Mehr zum Thema sehen Sie in der rbb24 Reportage Zerstörungswut – Wie Vandalismus den Bahnverkehr stört in der ARD Mediathek.
