Der Winter könnte für viele Haushalte wieder steigende Heizkosten bringen. Aber es gibt Unterschiede. Gas, Öl, Holzpellets, Fernwärme oder Wärmepumpe: Was lohnt sich?
Die Temperaturen sinken, der Winter hat in Deutschland gerade begonnen – und damit auch die Heizsaison. Rentnerin Elisabeth Bönner aus dem Frankfurter Süden hat deshalb noch schnell einen Termin mit ihrem Heizungsbauer gemacht. “Die Heizung gluckert öfter so komisch, und ich weiß nicht, ob ich sie vielleicht nicht richtig eingestellt habe”, schildert die Rentnerin das Problem.
Heizungsinstallateur Flavio Magliarisi hat das Problem schnell behoben: Ein gelöstes Kabel verursachte die Unregelmäßigkeiten. Doch weil das Gerät schon älter ist, rät er: “Bevor Sie im Winter noch im Kalten sitzen, sollten Sie sich vielleicht mal ein paar Gedanken über eine neue Heizung machen.” Doch was kann – aus finanzieller Sicht – eine sinnvolle Alternative sein?
Ein Blick in die Modellrechnung im aktuellen Heizspiegel von co2online zeigt: In diesem Jahr wird das Heizen mit Fernwärme am teuersten. In einem Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche kostet Fernwärme laut co2online dieses Jahr rund 2.300 Euro. Besonders teuer ist auch das Heizen mit Öl oder Gas, das beides ebenfalls um die 2.000 Euro kosten könnte. Deutlich billiger ist dagegen eine Wärmepumpe: Laut Prognose kostet das in diesem Jahr rund 1.000 Euro, in etwa wie Holzpellets.
Weniger Kunden lassen Nutzungsgebühren steigen
Damit wird das warme Wohnzimmer in diesem Jahr erneut teurer. Und ein Blick in die Abrechnung von Elisabeth Bönner zeigt: Das liegt vor allen an hohen Kosten fürs Gasnetz. “Bei den Netznutzungsentgelten haben wir die Situation, dass – dadurch, das sich schon jetzt sukzessive mehr und mehr Anschlussnehmer umstellen – Gasanschlüsse stillgelegt werden. Diese Kosten werden dann auf weniger Haushalte verteilt und dadurch steigen die Netznutzungsentgelte erheblich”, erklärt Peter Preisendörfer. Er ist Energieberater bei der Verbraucherzentrale Hessen.
Schon jetzt liegt der Anteil der Netznutzungsgebühren in Elisabeth Bönners Abrechnung bei mehr als 20 Prozent, Tendenz steigend. Denn noch heizen die meisten Menschen in Deutschland mit Gas: Laut Energiewirtschaftsverband wurden im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller Wohnungen mit Gas beheizt. Weitere 17 Prozent der Haushalte hierzulande heizten mit Öl, 15 Prozent mit Fernwärme. Strom und elektrische Wärmepumpen machten nur rund sieben Prozent aus, Holzheizungen sogar noch weniger.
Erste Erfolge bei der Wärmewende
Langfristig soll sich das ändern; Deutschland will weg vom Gas, um CO2 zu sparen. Denn fast die Hälfte aller CO2-Emissionen hierzulande stammen aus dem Wärmesektor. Das zeigen Zahlen des Energiewirtschaftsverbandes BDEW.
Die Stadt Mannheim ist beim CO2-Ausstieg im Wärmesektor Vorreiter: Dort steht bereits das Jahr 2035 als Ausstiegsdatum im Raum. Und auch in anderen Städten gibt es ähnliche Pläne: Laut aktueller Umfrage des Stadtwerkeverbands will mit 19 Prozent fast jedes fünfte Stadtwerk sein Gasnetz in den kommenden 20 Jahren stilllegen und stattdessen auf Fernwärme und Wärmepumpen setzen.
Eine erste Folge dieser Wärmewende zeigte sich nun bei den Verkaufszahlen von Wärmepumpen: Von Januar bis Juni dieses Jahres wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Das geht aus aktuellen Daten des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie hervor.
Kommunen arbeiten an Wärmeplänen
Obwohl es solche Erfolge bereits gibt: Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, fordert im plusminus-Interview, noch klarer zu kommunizieren, dass Wasserstoff beim Heizen wohl keine echte Alternative sein wird. “Die Bundesregierung macht das aktuell nicht besonders klar”, so Tenhagen: “Es gibt Teile in der Bundesregierung, sagen, dass wir andere Formen von Gas nutzen können. Ich glaube da nicht so richtig dran, wie viele andere Experten da auch nicht dran glauben. Aber es wird den Leuten erzählt, und das ist tatsächlich ein echtes Problem.”
Damit überall frühzeitig planbar ist, womit künftig geheizt wird, müssen nun kommunale Wärmepläne erarbeitet werden. Große Städte und Gemeinden wie Frankfurt am Main, die mehr als 100.000 Einwohner haben, müssen den bis 30. Juni 2026 vorlegen. Kleinere Kommunen haben zwei Jahre länger Zeit.
“Man kann sich daran schon ein bisschen orientieren, aber es ist nur eine Planung”, betont Experte Preisendörfer. Auch wenn aus seiner Sicht dann Fernwärme – besonders in den Innenstädten – ein großes Thema werden könnte, “für die nächsten zehn Jahre hilft einem das nicht. Wenn ich jetzt eine Heizungshavarie habe, muss ich jetzt handeln.” Das heißt auch: Wer in der Innenstadt wohnt und keinen Platz für Wärmepumpe oder Pelletheizung hat, dem bleibt erstmal nur der Eins-zu-Eins-Tausch gegen eine neue Gasheizung.
CO2-Preise steigen weiter
Die Gasheizungen werden – neben den steigenden Netzgebühren – noch aus einem zweiten Grund teurer. “Die CO2-Abgabe ist ein Versuch, mit einer Steuer dafür zu sorgen, dass weniger fossile Energien verbraucht werden. Und das bezieht sich auch auf Heizenergie im Haus”, so Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.
Dieser CO2-Preis wurde in Deutschland 2021 mit 25 Euro pro Tonne eingeführt. Seither ist er stetig gestiegen und beträgt aktuell 55 Euro pro Tonne. Ab 2026 ändert sich die Methode: Dann wird der CO2-Preis durch Versteigerungen ermittelt, wobei für 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro vorgegeben ist. Wie es dann weitergeht, lässt sich nur schwer vorhersagen: Schätzungen bis zum Jahr 2030 bewegen sich zwischen 100 und mehr als 200 Euro – also im Schnitt eine Verdreifachung.
Heizkosten steigen deutlich
Auf Elisabeth Bönners Gasrechnung bezogen heißt das: Statt 115 Euro, die sie aktuell für die Emissionszertifikate zahlt, könnte sie in fünf Jahren schon rund 300 Euro zahlen. Verbraucherschützer Preisendörfer betont aber auch: Diese Kosten müssen sich Mieter und Vermieter teilen. “Wenn Mieter eine Gasetagenheizung betreiben, wo sie die Gasrechnung selbst bezahlen, dann zahlen sie die CO2-Kosten komplett selbst. Aber der Vermieter muss sich daran beteiligen, je nach Zustand des Gebäudes.”
Heizen mit Öl und Gas wird also in den nächsten Jahren viel teurer. Wie teuer genau es werden könnte, zeigt die Modellrechnung von co2online: Für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmeter Wohnfläche könnten die Gaskosten in den nächsten zehn Jahren um mehr als 1.000 Euro steigen, auf bis zu 2.940 Euro pro Jahr. Bei Öl könnten die Kosten sogar auf rund 3.500 Euro pro Jahr steigen. Am günstigsten werden Wärmepumpe und Holzpellets mit rund 1.500 Euro beziehungsweise 1.600 Euro. Am teuersten ist und bleibt Fernwärme: Mehr als 3.800 Euro könnte es 2035 kosten.
“Monopolisten nehmen Kunden aus”
Das liegt auch daran, dass Fernwärme zum Großteil aus fossilen Brennstoffen stammt; CO2-Preise werden also auch hier fällig. Doch Experte Tenhagen betont auch noch einen zweiten Grund: “Fernwärme ist so teuer, weil die Monopolisten die Kunden ausnehmen können. Das kann man ganz hart so sagen.”
Ob auch Elisabeth Bönner irgendwann an Fernwärme angeschlossen wird, wird sie erst nächstes Jahr erfahren. Ein Heizungstausch wird aber wohl schon vorher fällig. Deshalb hat sie ein Beratungsgespräch beim Heizungsinstallateur. Denn mit einer neuen Anlage könnte sie dann immerhin beim Gasverbrauch sparen.

