Wie stehen US-Bürger arabischer Herkunft zu Präsident Trump?

Wie stehen US-Bürger arabischer Herkunft zu Präsident Trump?

Frauen vor dem Café Jabal in Dearborn

Stand: 04.11.2025 19:42 Uhr

Vor allem weil Donald Trump im Wahlkampf ein Ende des Kriegs in Nahost versprochen hatte, bekam er die Stimme vieler Wähler arabischer Herkunft. Wie ist die Stimmung bei ihnen ein Jahr später?

Isabel Schayani

Es ist nicht einfach, im jemenitischen Café Jabal in Dearborn mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Kaum jemand möchte darüber sprechen, was sie oder er von der Trump-Regierung hält. Der eine schüttelt gleich mit dem Kopf, der andere sagt, er müsse noch sehr lange telefonieren, zwei junge Frauen bitten um Verständnis, sie können nichts sagen.

Zwei Männer aber lassen ihre Enttäuschung heraus über den US-Präsidenten, für den sie gestimmt hatten. Der Wirtschaft gehe es schlecht, die Lage im Nahen Osten sei mies, und Trump sei ein Rassist, weil er so viele Menschen abschieben lasse. Aber bitte, kein Foto, keine Kamera. Kurz danach stehen die beiden auf und verlassen eilig das Café. Diese Reaktion ist in Dearborn nicht ungewöhnlich.

Umschwung zu den Republikanern

Die Stadt und ihre Umgebung hat den höchsten Anteil arabischstämmiger Einwohner in den USA. Landesweit sind etwa 60 Prozent von ihnen christlich, doch in Dearborn ist die Mehrheit muslimisch. In den 1960er-Jahren kamen viele Menschen aus dem Nahen Osten in diese Gegend bei Detroit, um in den Autofabriken von Ford, GM und Chrysler zu arbeiten. Eigentlich stimmten die arabischstämmigen US-Bürger im Swingstate Michigan traditionell für die Demokraten. Doch bei der letzten Präsidentenwahl war es anders.

Der Krieg in Gaza wurde zum empfindlichen Punkt. Viele Familien plagten Sorgen um ihre Angehörigen im Libanon oder im Gazastreifen. Trump umwarb sie im Wahlkampf regelrecht. Er tauchte mehrfach in Dearborn auf und versprach Frieden. Von dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden und seinen Demokraten waren viele Wähler dort bitter enttäuscht. Manche nannten ihn gar “Genocide Joe”. Viele der Werte, für die Trump stand, wie die Bedeutung von Familie und die Haltung zu Homosexualität, gefielen den eher konservativ eingestellten Wählern.

Amer Zahr ist stolz auf den Einfluss arabischstämmiger Bürger auf die US-Politik.

“Mussten uns Gehör verschaffen”

Bei einer Spendengala für Gaza ist der dort auftretende Komiker und Jurist Amer Zahr der Einzige, der bereit ist, offen zu sprechen. Die meisten treibt die Angst um, sie könnten Hamas-nah wirken, was ihnen den Job und ihren Kindern den Studienplatz kosten könnte.

Zahr ist regelrecht stolz auf die Wahl Trumps durch die Menschen in Dearborn, auch wenn er selbst nicht für ihn gestimmt hatte. “Letzten November haben wir die Welt verändert. Unseretwegen wurde Trump gewählt. Viele haben versucht, uns dafür ein schlechtes Gewissen zu machen. Wir nehmen das auf uns, und es zeigt unseren Einfluss und unsere Macht.” Trump habe in Dearborn Wahlkampf gemacht und Babys geküsst. Seine Konkurrentin Kamala Harris sei dagegen nie in Dearborn gewesen. “Wir mussten unseren Stimmen Gehör verschaffen.”

Bishara Bahbah ist Gründer von Arab Americans for Trump. Mittlerweile verhandelt er zwischen dem Weißen Haus und der Hamas.

Zeigt sich Trump erkenntlich?

In Dearborn registriert man genau, wie Trump die arabischstämmige Community nach der Wahl behandelt und ob er sich erkenntlich für die Stimmen zeigt. Tatsächlich gab es Reaktionen aus Washington: So plante das Weiße Haus, den schiitischen Imam Husham al-Husainy aus Dearborn als Redner für Trumps Amtseinführung einzuladen. Kurz vor der Rede wurde er jedoch öffentlich als Iran- und Hisbollah-nah kritisiert und stand plötzlich nicht mehr auf dem Programm.

Zudem werden diplomatische Posten an Personen aus der Community vergeben: Ein Bürgermeister aus der Region Dearborn namens Bill Bazzi wird US-Botschafter in Tunesien. Ein weiterer, Amr Ghalib, soll die Vereinigten Staaten in Kuwait diplomatisch vertreten, jedoch fehlt noch die Zustimmung des Senats.

Von besonderer Relevanz ist eine weitere Personalie: Im Wahlkampf hatte der Geschäftsmann und Politikwissenschaftler Bishara Bahbah aus Arizona die Organisation Arab Americans for Trump gegründet. Seit März diesen Jahres verbringt er die meiste Zeit in Katar, wo er zwischen dem Weißen Haus und der Hamas verhandelt. Bahbah hält engen Kontakt nach Dearborn, er versteht sich als verlängerter Arm der Menschen dort. In seiner Vermittlerrolle im Nahen Osten sei er unabhängig, lobt aber durchgängig die Politik des US-Präsidenten. Auf die Frage, ob er Trump nach der Wahl noch einmal getroffen habe, wird Bahbah einsilbig: “Nein.” Und in Dearborn war Trump auch nicht mehr.

Faye Nemer kommt aus der Automobilbranche. Trotz der negativen Auswirkungen von Trumps Zollpolitik auf viele Betriebe hält sie die Wahl Trumps weiterhin für richtig.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Im US-Bundesstaat Michigan betreiben etwa 35.000 Menschen mit arabischen Wurzeln ein Unternehmen. Rund 100.000 Arbeitsplätze würden von ihnen geschaffen, sagt Faye Nemer, eine ehemalige Managerin in der Automobilindustrie. Sie hat die nahöstlich-amerikanische Handelskammer in Dearborn gegründet. Die Demokraten hatten versucht, sie für ihren Wahlkampf zu gewinnen, weil sie gut vernetzt ist. Doch sie war von der Gaza-Politik Bidens derart enttäuscht, dass sie zum ersten Mal für die Republikaner stimmte.

Nun sieht sie die ökonomischen Auswirkungen ihrer Wahl: “Eine Firma musste jetzt eine größere Zahl von Mitarbeitern entlassen.” Sie berichtet von einem anderen Start-up, das Elektroteile für die Automobilindustrie zuliefert und hohe Zölle zahlen müsse. Für eine einzige Bestellung aus Deutschland habe der kleine Betrieb 11.000 Dollar Zölle zahlen müssen. So etwas habe es früher nicht gegeben. Für den Betrieb sei das existenzbedrohend.

Trotzdem verteidigt Nemer die Zollpolitik: “Wenn man die kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen gegenüberstellt, dann sage ich: kurzfristige Schmerzen für langfristigen Nutzen.” Bedauert sie ihre Wahl? Ohne Zögern folgt ein klares Nein: “Denn die Alternative wäre schlimmer gewesen.” Zu der Gaza-Politik von Trump möchte Nemer vor der Kamera lieber nichts sagen.

Im Visier christlicher Nationalisten

Die Stadt, in der mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner arabischer Herkunft ist, ist im Visier von christlichen Nationalisten wie jenen von Turning Point USA. Es ist jene national-konservative Jugendorganisation, die der im September ermordete Charlie Kirk gegründet hatte und die für Trump und seine “Make America Great Again”-Politik wirbt.

Die christliche Kultur drohe in Dearborn unterzugehen, befürchtet etwa Pater Calvin Robinson, der extra 300 Kilometer weit angereist ist, um einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats zu folgen. Die Hälfte des Stadtrates besteht aus Menschen mit arabischer Herkunft. Robinson meint, es könne nicht angehen, dass Muslime öffentliche Ämter inne hätten.

Er und die anderen christlichen Nationalisten, die bei dieser Sitzung im Stadtrat zugegen sind, unterstützen Trump und befürchten eine Islamisierung durch Gemeinden wie Dearborn. “Lasst es nicht zu, dass die islamische Kultur unsere beherrscht. In dieser unseligen Lage sind wir längst. Ich möchte meine Landsleute vor dieser drohenden Gefahr warnen, die in der Stadt beginnt, in der ich geboren wurde – Dearborn”, sagt ein Vertreter von Turning Point USA vor dem Stadtrat.

Nach der Sitzung wirkt Leslie Herrick, die stellvertretende Vorsitzende, erschöpft. “Eigentlich leben wir in Dearborn friedlich zusammen. Und wir sind stolz, dass wir eine einladende Gemeinde sind. Diese Leute verstehen nicht, dass wir miteinander klarkommen.” Die anderen Mitglieder des Rates verlassen schnell und leise das Rathaus.

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