Wie SpaceX xAI vor dem Milliardenloch bewahren soll

Wie SpaceX xAI vor dem Milliardenloch bewahren soll

Elon Musk


analyse

Stand: 04.02.2026 15:39 Uhr

Rechenzentren im Weltraum? Tech-Milliardär Elon Musk stellt so die technologische Zukunft dar. Dafür hat er nun zwei seiner Konzerne zusammengelegt. Kritiker sehen das als Versuch eines riskanten Befreiungsschlags.

Anne-Catherine Beck

Diese Nachricht aus der US-Techindustrie ließ aufhorchen: Das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk hat dessen KI-Firma xAI für 250 Milliarden Dollar übernommen. Damit bündelt Musk zwei seiner wichtigsten Zukunftsgeschäfte unter einem Dach. Zusammen sind die Konzerne rund 1,25 Billionen Dollar wert.

Wettrennen um vordere Plätze

Für Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner und Reuschel, erreichen diese Summen ganz neue Dimension, die er mit einem harten Wettbewerb begründet: “Zwischen den einzelnen US-amerikanischen Tech-Firmen findet ein regelrechtes Wettrennen um die vorderen Plätze statt.” Im Fokus stehe dabei die Frage, welche Unternehmen in der Lage sein werden, diese Milliarden-Investitionen wieder zu refinanzieren.

Es sind große Summen für mindestens genauso große Ziele. Satelliten im All, so der Plan von Elon Musk, sollen künftig als Datenzentren dienen. Sie sollen Anwendungen der Künstlichen Intelligenz direkt im Weltraum verarbeiten und ihre Energie durch Solarzellen selbst erzeugen. So will Musk den steigenden Strombedarf der KI-Industrie auf der Erde abfedern.

“Hört sich fast unglaublich an”

Musk bezeichnet das Projekt als “den ehrgeizigsten Innovationsmotor auf und über der Erde”. Auch Mumm hält das Projekt für ambitioniert: “Das hört sich fast unglaublich an. Aber wir kennen das ja von Elon Musk, dass er durchaus ambitionierte Ziele in Angriff nimmt und vieles davon auch umsetzt.”

Tatsächlich steigt weltweit der Energieverbrauch von Rechenzentren. KI-Modelle brauchen enorme Rechenleistung und die wiederum viel Strom. Weltraum-basierte Datenzentren könnten theoretisch rund um die Uhr Solarenergie nutzen. Doch funktioniert das auch in der Realität?

Andreas Walter, Co-Managing Partner in der Anwaltssozietät Schalast, zeigt sich skeptisch: “Die Verbindung zwischen den Satelliten und den Erdstationen ist nicht so ganz einfach. Wir haben riesige Datenmengen, die permanent hin- und hergeschoben werden müssen.”

Musk plant größten Börsengang der Geschichte

Musk hat jedoch große Visionen für sein frisch fusioniertes Unternehmen SpaceX. Er plant, das Unternehmen im Juni an die Börse zu bringen und damit eine Rekordsumme von 50 Milliarden Dollar einzusammeln bei einer Bewertung bis zu 1,5 Billionen Dollar, über die spekuliert wird. Es könnte der größte Börsengang in der Geschichte werden.

“Einen ähnlichen Schritt ist Musk mit Tesla gegangen. Er wird mit Sicherheit nur einen Teil an die Börse bringen, damit er frisches Kapital bekommt, auch um Investitionen zu stemmen, aber die Mehrheit behält”, so Mumm.

Riskanter Befreiungschlag

Kritiker werten sowohl die Fusion als auch den geplanten Börsengang von SpaceX in erster Linie als riskanten Befreiungsschlag, mit dem die strukturellen Probleme bei xAI überdeckt werden sollen. Das Unternehmen verbrennt Berichten zufolge jeden Monat rund eine Milliarde Dollar – eine Summe, die selbst im KI-Sektor ungewöhnlich hoch ist.

Künstliche Intelligenz gilt als kapitalintensiv, doch ein tragfähiges Geschäftsmodell ist bei xAI bislang nicht erkennbar. Gleichzeitig scheint der technologische Vorsprung von Platzhirschen wie Google und Microsoft kaum aufholbar.

Auf die Kapitalkraft kommt es an

Andreas Walter bewertet Musks Vorgehen, xAI und SpaceX zusammenzulegen, angesichts dieser Herausforderungen als sinnvollen Schritt: “Ein großes, profitables und kapitalmarktorientiertes Unternehmen, wie beispielsweise das aus SpaceX und xAI fusionierte, kann solche erheblichen Kosten viel leichter finanzieren als es xAI alleine könnte.”

Auch Mumm ist der Ansicht, dass ohne die Nutzung der Kapitalstärke von SpaceX die Weiterverfolgung der ambitionierten Pläne von xAI ansonsten nur möglich wäre, wenn Musk die Aufnahme von Fremdkapital in größerem Ausmaß in Betracht ziehen würde: “Die Alternative wäre wohl früher oder später das Einstellen der weiteren Entwicklung.”

Börsengang mit Risiken

Für Musk ist möglicherweise die interessantere Variante, über einen SpaceX-Börsengang externes Eigenkapital zu mobilisieren, ohne dabei die Mehrheit aus der Hand zu geben. Der Börsengang könnte durch die Fusion der Konzern allerdings mehr Risiken bedeuten, so Walter.

“Die Unternehmensbereiche des fusionierten Unternehmens sind allesamt hoch reguliert und Gegenstand von – teils nationalen – Sicherheitsinteressen”, sagt der Experte. “Das birgt gewisse Risiken. Hierfür wird man bei der Unternehmensbewertung sicherlich Abschläge hinnehmen müssen.”

Viele Fragezeichen

Ob sich das Betreiben von Datencentern im Weltall letztlich lohnt, werde sich erst zeigen, sagt Carsten Mumm. Musk habe allerdings schon andere von vielen Experten kritisch betrachtete Vorhaben umgesetzt.

Es gibt noch viele Zweifel an dem Projekt. Bau, Start und Betrieb solcher Satelliten sind extrem teuer. Zudem stellen sich ökologische Fragen – und rechtliche: Wem gehören eigentlich Datenzentren im All? Trotz offener Fragen zeigt Musk vor allem eines: Er will die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz nicht nur auf der Erde vorantreiben – sondern auch darüber hinaus.

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