Wie sich die Deutsche Bank um Epstein kümmerte 

Wie sich die Deutsche Bank um Epstein kümmerte 

Das Logo der Deutschen Bank ist auf dem Gebäude am Hauptsitz der Bank in Frankfurt am Main zu sehen

Stand: 13.02.2026 18:04 Uhr

Die Epstein-Akten geben Einblick ins Innere der Deutschen Bank. Dokumente zeigen, wie die Bank den verurteilten Sexualstraftäter offenbar als Kontakt zu Superreichen nutzte und Alarmzeichen wohl ignorierte.

Von Verena von Ondarza, NDR und Petra Blum, WDR

Im September 2015 trafen sich mehrere Vermögensberater der Privatkundenabteilung der Deutschen Bank in den USA zu einem ganz besonderen Gespräch mit dem damals schon verurteilten Sexualstraftäter: Man suchte Rat bei Jeffrey Epstein im Umgang mit Superreichen. So ist es in einem Protokoll der Deutschen Bank in den Epstein-Akten zu lesen, die NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung gemeinsam ausgewertet haben.

Mit sehr großem Interesse notierten sich die Banker, dass Epstein nach eigener Erzählung in den Wochen zuvor mit mehr als 20 Milliardären Kontakt gehabt habe. Man besprach ausführlich, mit welchen Dienstleistungen ein Finanzinstitut wie die Deutsche Bank bei den Superreichen Anklang finden könnte. Einen persönlichen Wunsch hatte Epstein ebenfalls: Er benötigte eine Absicherung gegen schwankende Kerosinpreise, damit die Kosten für das bevorzugte Reisemittel Privatjet planbar blieben.

Zugang zu lukrativen Kunden

War der Zugang zu Milliardären und die Suche nach weiteren reichen Privatkunden ein Grund, warum die Deutsche Bank Epstein als Kunden aufnahm und so lange an ihm festhielt? Und dass, obwohl er schon Jahre zuvor bei der US-Großbank JP Morgan aufgrund der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn gekündigt wurde. Ein ehemaliger Mitarbeiter erweckte in einer mündlichen Aussage genau diesen Eindruck. Er tätigte sie 2023 in einem Zivilprozess, bei dem die Klage eines Opfers Epsteins gegen die Deutsche Bank verhandelt wurde.

Ziel bei der Deutschen Bank sei es gewesen, Epstein auch als Mittel zum Zweck zu nutzen, um Zugang zu anderen lukrativen Kunden zu gewinnen. Auch diese Aussage ist nun in den Epstein-Akten nachzulesen.

Derweil bekam Epstein Vorzugsbehandlungen. Etwa, als 2013 der Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter anstand (jetzt “X”). Man wollte 2.000 bis 3.000 der begehrten Aktien zusammenkriegen, damit er sie kaufen konnte, wie interne Unterlagen nun zeigen. Ob es zu dem Kauf kam, ist unklar. Die Deutsche Bank wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Wie andere Medien berichten, gab es Ende 2014 bankinterne Diskussionen, ob Epstein als Kunde noch zu halten war. Auslöser waren Missbrauchsvorwürfe gegen ihn von mehr als 40 Frauen. Dennoch, so zeigt die Auswertung der Epstein-Akten durch NDR, WDR und SZ, versuchten Banker der Deutschen Bank noch im Januar ihn in ein Programm aufzunehmen, das nur für Premiumkunden gedacht war – Superreiche, mehr als eine halbe Milliarde US Dollar schwer. Und dass, obwohl er zeitweise nicht einmal die Hälfte der Summe flüssig auf Bank- und Handelskonten bei der Deutschen Bank liegen hatte. Letztlich erfolgte die Aufnahme nicht.

Kunde mit “hohem Reputationsrisiko”

Im Februar 2015 kam schließlich eine Risikoprüfung der Deutschen Bank zu dem Ergebnis, dass Epstein zwar als Kunde mit hohem Reputationsrisiko einzuschätzen sei, die Geschäfte mit ihm aber dennoch fortgesetzt werden sollten. Es sollte lediglich genauer auf auffällige Transaktionen geachtet werden.

Auch ein heutiger Spitzenmanager der Deutschen Bank wusste offenbar von den Geschäftsbeziehungen zu Epstein. Seit 2015 war er für Wealth Management des Geldinstituts verantwortlich, also auch für die Superreichen. Im Jahr 2017, als Epstein noch auf der Top-Kundenliste der Deutschen Bank stand, war es für ihn ein Grund zum Jubeln, dass Epstein seine Einlagen um 50 Mio. US-Dollar erhöhte. Am 4. April 2017 kommentierte Fabrizio Campelli, der inzwischen bei der Deutschen Bank Medienberichten zufolge als Vize-Chef gehandelt wird, laut der veröffentlichten Unterlagen eine Mail, die neue Einlagen – unter anderem auch Epsteins – auflistet, mit den Worten “Excellent well done”.

Die Deutsche Bank teilte auf Anfrage mit, Herr Campelli habe bis Ende 2018 keine Kenntnis von Epsteins Straftaten und den Anschuldigungen gegen ihn gehabt, diese seien bis dahin auch nicht an ihn eskaliert worden. Die Deutsche Bank habe Epstein im Dezember 2018 darüber informiert, dass sie die Kundenbeziehung beenden wolle.

Nach umfassenden Untersuchungen, die 2019 in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden durchgeführt wurden, gebe es keine Hinweise darauf, dass sich Mitglieder des Vorstands der Deutschen Bank – einschließlich Herrn Campelli – im Zusammenhang mit den Geschäftsbeziehungen der Bank zu Epstein unangemessen verhalten hätten, teilte die Bank weiterhin mit. Zu den einzelnen Vorgängen wollte sich die Bank nicht äußern.

Bedenken von Compliance-Mitarbeitern

Aus den Epstein-Akten geht auch hervor, welche Bedenken Compliance-Mitarbeiter gegenüber Epsteins Geschäften und der weiterer Kunden hatten. Die New York Times hatte im Jahr 2019 bereits mit Whistleblowern gesprochen. Nun zeigen die Dokumente, dass die zuständige Compliance-Mitarbeiterin gegenüber der FBI zu Protokoll gab, dass “das gesamte Team in Jacksonville [das Compliance-Team] die Geschäftsbeziehung beenden wolle”. Sie beklagt insgesamt einen laxen Umgang mit Geldwäschevorgaben.

Insgesamt habe die Bank, so die ehemalige Mitarbeiterin gegenüber dem FBI, die Prüfung reicher und mächtiger Kunden zu der Zeit nicht besonders ernsthaft verfolgt. Die Kundenprofile von mehr als 100 sogenannter PEPs, also politisch exponierter Personen, die nach Geldwäschevorgaben einer besonderen Durchleuchtung bei der Bank bedürfen, seien damals sogar in einen sogenannten “deferred status” versetzt worden, was umfangreiche Prüfungen erschwerte. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Dieselbe Compliance-Mitarbeiterin war auch für die Untersuchung von Mitgliedern der Trump Familie verantwortlich. Gegenüber FBI-Ermittlern erklärte sie im Jahr 2019, man habe damals Schwierigkeiten gehabt, den Ursprung von Trumps Vermögen festzustellen – eine Schlüsselinformation, die Banken bei ihren Kunden einsammeln müssen, um Geldwäscherisiken ausschließen zu können.

Trump als “covered client”

Es sei aber nicht weiter verfolgt worden, Trump sei sogar ein sogenannter “covered client” geworden, genoss also einen besonderer Schutz der Privatsphäre – nur ausgewählte Mitarbeiter mit speziellen Zugangsrechten konnten sein Kundenprofil anschauen. Die Compliance Abteilung konnte somit nicht mehr alle Informationen einsehen, wodurch ihre Untersuchungen erschwert wurden.

Die Epstein-Akten zeigen zudem erstmals, wie viel Geld Trump bei der Deutschen Bank deponiert hatte. Im Jahr 2014 seien es mehr als 200 Mio. Dollar ausweislich einer Top 50 Kundenliste der Bank. Sie rechnete damals damit, dass ihr die Geschäfte mit ihm im Jahr eine Mio. Dollar Gewinn bringen könnten.

Einzelne Kundenbeziehungen wollte die Deutsche Bank auf Anfrage gegenüber WDR, NDR und SZ nicht kommentieren, wies aber bezüglich der Kundenbeziehung zu Epstein darauf hin, dass sie die damalige Geschäftsbeziehung zu ihm “zutiefst bedauern”. Weiter heißt es: “Die Deutsche Bank hat aus diesem Fehler gelernt”. Der Fall Epstein sei bei der Deutschen Bank transparent und in Absprache mit den Aufsichtsbehörden aufgearbeitet worden. Zudem sei man die Probleme systematisch angegangen: “Die Bank hat erhebliche Summen in Schulungen, Kontrollen und operative Prozesse investiert und ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität erheblich verstärkt.”

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