In den Karnevalsmetropolen ist monatelang daran gearbeitet worden, dass Jecken und Närinnen sicher und sorgenfrei feiern können. Zum Konzept gehören verschärfter Brandschutz in Kneipen sowie strenge Waffenverbotszonen.
Nun heißt es in Deutschland wieder Alaaf und Helau. Die Städte versuchen in dieser Zeit den schwierigen Spagat zwischen maximaler Sicherheit und rheinischer Lebensfreude.
Das Herzstück des Karnevals sind die Kneipen, doch gerade dort ist die Sensibilität in diesem Jahr massiv gestiegen. In der Kölner Kultkneipe “Oma Kleinmann” haben Maureen Wolf und ihr Team die Vorbereitungen intensiviert. Neben praktischen Maßnahmen wie dem Umstieg auf Plastikbecher steht vor allem Brandschutz nach der Schweizer Silvester-Katastrophe im Vordergrund. “Wir haben eine Brandschutzschulung gemacht”, erklärt Wolf. Eine wichtige Neuerung: “Dieses Jahr werden wir die Fenster nicht mit Brettern verschließen. Sie bleiben frei.” Fluchtwege sollen sofort und schnell erreichbar sein.
Auch in den großen Brauhäusern ist die Vorsicht groß. Martin Schlüter, Geschäftsführer des “Reisdorf am Hahnentor”, betont: “Wir haben alle Fluchtwege konsequent freigeräumt und achten penibel darauf, dass die Dekoration feuerfest ist.”
Düsseldorf: Scherbenfreie Altstadt und strenge Kontrollen
Nicht nur in Köln, auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf setzt man auf ein engmaschiges Sicherheitsnetz. Das Konzept der “Scherbenfreien Altstadt” hat sich dort längst etabliert. An insgesamt 16 Zugangspunkten zur Düsseldorfer Altstadt kontrollieren Sicherheitskräfte die Feiernden. Das Mitführen von Glasflaschen und Gläsern ist dort strikt untersagt. Wer mit Glas erwischt wird, muss dieses entweder entsorgen oder in bereitgestellte Plastikbecher umfüllen.
Zusätzlich verschärft Düsseldorf – wie auch Köln – die Kontrollen in Bezug auf Waffen. Die gesamte Altstadt gilt als Waffenverbotszone. Das bedeutet: Messer und andere gefährliche Gegenstände sind absolut tabu. Die Polizei führt stichprobenartige Kontrollen durch, um die Sicherheit in den engen Gassen zu gewährleisten.
Drohnen, Glas und Messer
Stadtdirektorin Andrea Blome unterstreicht für Köln die Strategie der Wachsamkeit: “Wir sind alle da. Sobald Ereignisse eintreten, können wir gezielt hinsteuern.” Hunderte Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt sind täglich im Einsatz, unterstützt durch moderne Kameratechnik an den Hotspots beider Städte.
Über den Veranstaltungsflächen gilt zudem ein absolutes Drohnenverbot, um die Menschenmassen nicht zu gefährden. In Köln wird zudem die Uniwiese erneut als Entlastungsfläche genutzt, um den Druck von der Zülpicher Straße, einem absoluten Partyhotspot, zu nehmen – allerdings ohne Musik und Alkoholausschank, rein als logistischer Pufferraum.
“Edelgard” und Jugendschutz
Damit der Karneval ein Fest für alle bleibt, wurde das Hilfsprojekt “Edelgard” in Köln weiter gefestigt, während ähnliche Konzepte auch in anderen Städten greifen. An festen Anlaufstellen finden Frauen und Mädchen bei Belästigung oder in Notlagen sofort geschulte Ansprechpartner. Auch in der Kultkneipe “Oma Kleinmann”. “Betroffene Frauen sollen wissen, dass sie nicht allein sind”, betont Inhaberin Wolf.
Parallel dazu fahren die Städte eine Nulltoleranz-Strategie beim Jugendschutz. Die Kampagne “Keine Kurzen für Kurze” ist omnipräsent. In Bonn, Köln und Düsseldorf sind mobile Teams des Jugendamtes unterwegs, um alkoholisierte Jugendliche aufzugreifen und in die Obhut der Eltern zu übergeben. Testkäufe in Kiosken im Vorfeld zeigten, dass diese Kontrollen bitter nötig sind: Einige Betriebe hielten sich nicht an die Abgabeverbote von hochprozentigem Alkohol an Minderjährige. Laut Jugendschutzgesetz kann in so einen Fall ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro erhoben werden.
Monatelange Vorbereitungen
Alles in allem bleibt aber die Hoffnung der Behörden und der Wirte wie Maureen Wolf gleich: dass die aufwendigen Vorkehrungen dazu beitragen, dass alle jecken Karnevalisten, sicher und sorgenfrei feiern können. Denn am Ende steht vor allem das im Vordergrund: Sechs jecke, närrische Tage, um den Alltag mal vergessen zu können.

