Die Zahl der Masernfälle in Europa ist deutlich gesunken. Dennoch sieht die Weltgesundheitsorganisation Anlass zur Sorge. In Nordamerika alarmieren steigende Infektionszahlen mit Blick auf die anstehende Fußball-WM.
Die Masernfälle in Europa sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in den 53 Länder der europäischen Region rund 34.000 Erkrankungen gemeldet, etwa 75 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch in Deutschland sank die Zahl der gemeldeten Fälle im Vergleich zu 2024.
Die WHO führt den Rückgang unter anderem auf verstärkte Bekämpfungsmaßnahmen zurück. Zugleich habe sich das Virus in ungeimpften Bevölkerungsgruppen ausgebreitet, wodurch mehr Menschen immun geworden seien. Entwarnung gibt die Organisation jedoch nicht.
Masern können schwere Komplikationen verursachen
Die WHO warnt davor, dass größere Ausbrüche weiterhin möglich seien. Ziel bleibe eine Impfquote von 95 Prozent mit zwei Impfdosen. Nur so lasse sich die Ausbreitung des hochansteckenden Virus dauerhaft eindämmen. Denn eine infizierte Person steckt im Durchschnitt 18 ungeimpfte Menschen an.
Masern können schwere Komplikationen verursachen, darunter Hirnhautentzündungen mit bleibenden Schäden. In seltenen Fällen verläuft die Krankheit sogar tödlich.
Mehrere Länder, die in der Vergangenheit als masernfrei galten, verloren diesen Status nach größeren Ausbrüchen wieder, darunter Spanien, Großbritannien und Österreich. Deutschland gilt weiterhin nicht als masernfrei.
Impfquote in Deutschland bleibt unter Zielwert
In Deutschland unterliegen die Infektionszahlen seit Jahren deutlichen Schwankungen. Während der Corona-Pandemie waren sie wegen der Kontaktbeschränkungen sehr niedrig. 2024 wurden jedoch 645 Fälle gemeldet und damit ein Wert auf dem Niveau der Vor-Pandemie-Jahre erreicht. 2025 registrierte das Robert Koch-Institut lediglich 232 Fälle.
Dennoch ist die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 95 Prozent für die zweimalige Impfung nicht erreicht. Besonders für die zweite Impfdosis wird die Quote verfehlt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt zwei Kombi-Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln im Alter von elf und 15 Monaten.
Deutlicher Anstieg in Nordamerika
Besorgt blickt die WHO insbesondere nach Nordamerika. In Mexiko wurden von Anfang 2025 bis Mitte Januar 2026 mehr als 7.000 Masernfälle erfasst. 24 Menschen starben.
Auch in Kanada und den USA steigen die Zahlen. In Kanada wurden bislang mehr als 5.500 Infektionen und zwei Todesfälle gemeldet. In den USA erkrankten mehr als 2.400 Menschen, drei von ihnen starben.
Angesichts der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft rückt die Entwicklung zusätzlich in den Fokus. Die WHO betont, dass hohe Impfquoten der wirksamste Schutz gegen eine erneute Ausbreitung bleiben.
