Wenn KI-Agenten Menschen brauchen | tagesschau.de

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Hand auf einer Laptop-Tastatur

Stand: 25.02.2026 • 19:06 Uhr

KI-Agenten sollen selbst Entscheidungen treffen – zum Beispiel Geschäftsreisen buchen oder Maschinen überwachen. Wenn sie alleine nicht weiterkommen, wird der Mensch wichtig. Eine neue Plattform bringt Mensch und KI zusammen.

Pascal Kiss

Wer heute KI-Chatbots nutzt, stellt eine Frage und bekommt darauf eine möglichst passende Antwort. KI-Agenten sollen dagegen zum Beispiel selbstständig Lagerbestände managen und Reisen buchen können – also viel komplexere Aufgaben mit Verantwortung erledigen. Dabei treffen sie selbst Entscheidungen.

So ist jedenfalls die Vorstellung vieler Tech-Unternehmen. Doch was passiert, wenn die Systeme Fehler machen? Und wie können KI-Agenten in Zukunft mit Menschen zusammenarbeiten?

Wenn KI-Agenten nach Menschen fragen

“Miete einen Menschen” – damit werben neue Plattformen wie rentahuman.ai. Die Plattform soll also KI-Agenten weiterhelfen, wenn diese ohne den Menschen nicht weiterkommen, soweit die Theorie einer Plattform, die im Februar gestartet ist.

KI-Agenten sollen hier auf menschliche Hilfe zugreifen können und vergeben Aufgaben wie “Ich benötige eine engagierte Person, die unter der Woche zwischen 12 und 13 Uhr im Washington Square Park Tauben zählt.” Die Untersuchung sei angeblich für eine wissenschaftliche Studie eines KI-Teams. Viele der Einträge klingen noch nach Spielerei, wenig klingt seriös.

“Ich glaube, es ist noch ein Marketing-Gag”, sagt Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen an der TU Darmstadt. “Aber das ist eben das, was sich gerade ändert. Die Entwicklung ist so rasant, dass aus dem Gag vielleicht übermorgen oder meinetwegen auch schon morgen sehr schnell Realität werden kann”, fügt KI-Experte Kristian Kersting an.

KI-Agenten in Zukunft fester Teil der Arbeitswelt?

Auf den Plattformen für Zusammenarbeit von KI-Agenten und Menschen gibt es auch immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Expertise zu Verfügung stellen. Auch Personen aus der Unternehmensführung, Marketing oder Design bieten ihre Hilfe an. Alles Branchen, die in Zukunft mit KI-Agenten zusammenarbeiten könnten.

In der Arbeitswelt von morgen wird die Arbeit mit KI-Agenten in vielen Branchen selbstverständlich sein, ist Kersting überzeugt. Er betont dabei das Wort Zusammenarbeit: “Ich glaube nicht, dass wir so weit sind, dass wir KI-Agenten komplett in die freie Welt setzen können.” Noch kann er sich nicht vorstellen, dass KI-Agenten selbstständig über finanzielle Fragen entscheiden können.

Fehler und Risiken: Wer trägt die Verantwortung?

Tatsächlich scheitern viele KI-Agenten heute schon an einfachen Alltagsaufgaben. Probleme entstehen vor allem, wenn Aufgaben mehrstufig oder unvollständig sind oder sich Bedingungen ständig ändern. Ein einzelner Fehler kann teuer werden – etwa wenn die KI einen falschen Reisetag bucht oder eine Maschine falsch bedient: “Wer übernimmt dafür die Verantwortung? Ich glaube, das sind Sachen, wo es noch sehr viel mehr Forschung und Entwicklung brauchen wird”, sagt Kersting.

Es gibt nicht nur ein Haftungsproblem, sondern auch eines mit der Sicherheit: KI-Agenten können gehackt und manipuliert werden – wenn Menschen nicht mehr beteiligt sind, könnte ein Schaden lange unentdeckt bleiben.

Unter Fachleuten gibt es deshalb auch skeptische Stimmen. Die Zuverlässigkeit einer menschlichen Arbeitskraft könnten KI‑Agenten nie erreichen, so die Kritik. “Ich hatte gerade neulich eine Diskussion, wo es darum ging, ob man einer KI Personalverantwortung geben sollte”, berichtet Heiner Stuckenschmidt, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Mannheim.

Für ihn geht die Diskussion an der Stelle in eine falsche Richtung: “Nicht die KI sollte entscheiden, was wir machen. Ich glaube, den größten Nutzen kann man erzielen, wenn wir uns von den KI-Systeme helfen lassen.”

KI wird immer Fehler machen – genau wie Menschen

Der indische Unternehmer Vishal Sikka, früher SAP‑Vorstand, ist überzeugt, dass auch KI-Agenten bei komplexen Aufgaben rein rechnerisch nie dauerhaft zuverlässige Antworten liefern können. “Wir können mathematisch beweisen, dass es nicht das perfekte System gibt”, sagt auch KI-Experte Kersting von der TU Darmstadt.

KI-Modelle verlieren bei komplexen Aufgaben schnell mal den Überblick und deuten Kontexte falsch. Im September 2025 haben Wissenschaftler von OpenAI in einer Studie gezeigt, dass Halluzinationen nie vollständig vermieden werden können – selbst einfache Fakten, wie der Titel einer Dissertation, wurden falsch wiedergegeben.

KI-Agenten müssen in der digitalen Welt häufig mit Schnittstellen arbeiten, Infos an andere Programme übergeben und auf Ergebnisse warten. Dieses Zusammenspiel war auch bei früheren Agenten-Versuchen laut dem KI-Experten Stuckenschmidt das Problem.

Die Zukunft: Mensch und KI in Kooperation

Die Erwartungen sind sehr hoch, schon 2025 ist das Jahr der KI-Agenten ausgerufen worden. Den großen Durchbruch gab es aber bislang noch nicht. “Ihr Einsatz in Unternehmen ist neu und noch begrenzt”, heißt es in einer neuen Studie zweier Fraunhofer-Institute. Es gäbe viele Möglichkeiten für erfolgreiche Projekte, aber auch “viel Potenzial für übertriebene Erwartungen”.

Vor allem wiederkehrende, eher monotone Aufgaben können KI-Agenten sicherlich am einfachsten übernehmen, etwa Dokumente archivieren. Viele weitere, rein digitale Arbeitsprozesse lassen sich durch KI-Agenten realisieren, glaubt auch Stuckenschmidt: “Solange man es wirklich bei dieser Unterstützungsfunktion belässt.” KI sei schon bald fester Bestandteil der Arbeitswelt: “Es gibt den Spruch: Nicht die KI ist es, die dir deinen Job wegnehmen wird, sondern der Kollege, der KI benutzt.”

Viel spricht dafür, dass Menschen bei wichtigen Entscheidungen der KI-Agenten miteingebunden werden müssen, sagt Kersting. “Bei einer Reise muss er ja nicht buchen, aber er kann zusammenstellen. Und dann kann ich es mir abends anschauen und sagen: Das finde ich gut.”

Klar ist: Vieles wird sich technisch noch verbessern, und KI-Agenten werden Teile der Arbeitswelt verändern. Ob sich unser Leben dadurch wirklich spürbar verbessert, ist aber noch offen.

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