In Oman sind erste indirekte Gespräche zwischen den USA und Iran zu Ende gegangen. Über Details ist bislang wenig bekannt – doch zumindest eine der beiden Parteien kündigt eine Fortsetzung der Verhandlungen an.
Die Nervosität ist groß in der Region. Die Frage, ob es zu einem neuen Krieg zwischen Iran und den USA kommt, bestimmt die Schlagzeilen und Diskussionen in den Medien. Die Regierungen in den Golfstaaten seien sich einig, dass alles geschehen müsse, um eine Eskalation zu vermeiden, sagt Mahjoub al Zuweiry von der Universität Katar.
“Die Staaten der Region wollen einen anderen Weg einschlagen als den der ständigen Kriege”, so al Zuweiry im Sender Al Jazeera. “Es gibt Länder in der Region, die aufgrund der verschiedenen Konflikte geschwächt sind oder gescheitert. Daher besteht der Wunsch, militärische Handlungen so weit wie möglich zu begrenzen.”
Merz in betroffener Region
Die Nervosität erlebt auch Bundeskanzler Friedrich Merz auf seiner Golfreise. Nach Stationen in Saudi-Arabien und Katar kam Merz heute in Abu Dhabi mit Muhammad bin Zayid Al Nahyan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, zusammen.
Alle seine Gesprächspartner seien hoch besorgt über die Lage in Iran, so Merz. “Insbesondere mein heutiger Gesprächspartner, nicht zuletzt aufgrund der engen räumlichen Nähe zum Iran”, schilderte der Bundeskanzler.
Hoffnung vieler hängt an Gesprächen
Zunächst dringt über die Gespräche wenig nach draußen. Die Gastgeber sind aber bemüht zu zeigen, dass die Gespräche laufen: Indirekt in der Residenz des omanischen Außenministers Sayyid Badr bin Hamad bin Hamood Al Busaidi. Dieser übermittelt einen Verhandlungsplan der Iraner an die Delegation der USA, dann wieder deren Antwort an die Iraner. In erster Linie gehe es dabei um Rahmenbedingungen, so die Omaner.
Noch vor den Gesprächen kam es zu Irritationen wegen einer Personalie. Nach Angaben des Wall Street Journals wollten die USA, dass auch der Oberkommandierende des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos an den Verhandlungen teilnimmt. Der Iran fasste das als Provokation auf – dennoch stieß Charles Bradford “Brad” Cooper zu den Verhandlungen hinzu.
Politikwissenschaftler: “Brauchen klaren Fahrplan”
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte deutlich gemacht, man sei bereit, zu verhandeln – aber nur über das Atomprogramm. Die US-Regierung forderte ein deutlich größeres Themenspektrum. Auch das ballistische Raketenprogramm müsse Teil der Verhandlungen sein, ebenso die Unterstützung für bewaffnete Milizen in der Region, wie die Hisbollah im Libanon oder die Huthi im Jemen.
Diese Unklarheit über die Rahmenbedingungen sei nicht hilfreich, sagt der Politikwissenschaftler Samir Al Taqi im Sender Sky News Arabia: “Wenn der Iran in Verhandlungen geht, ohne dass es einen klaren Fahrplan gibt, dann besteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass es jederzeit wieder zum Krieg kommt.” Das sei ein reales Szenario, das jeden Moment eintreten könne. Die Spielräume für gegenseitige Zugeständnisse beider Seiten müssten klar definiert werden, so Al Taqi.
Iran spricht von Fortsetzung der Gespräche
Beim ersten Abtasten im Oman scheint man dem zumindest etwas näher gekommen zu sein. Am Nachmittag spricht Irans Außenminister Araghtschi mit staatlichen iranischen Medien: “Aus meiner Sicht war das ein guter Start.” Auch die Fortsetzung könne erfolgreich sein, sagt der Minister, “aber das hängt von der anderen Seite ab – und den Entscheidungen in Teheran.”
Verabredet worden sei, dass die Unterhändler in ihre Hauptstädte zurückkehren und die Gespräche demnächst fortgesetzt werden sollen. Ein Zeitpunkt dafür wurde noch nicht genannt.

