Betriebsrenten sind ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge. Auch kleinere Unternehmen können sie ihren Beschäftigten anbieten. Doch für die Firmen sind sie nicht ohne Risiko.
“Die gesetzliche Rentenversicherung ist im jetzigen Stadium nicht finanzierbar.” Wenn Unternehmensberater wie Wolfgang Murmann von “Fidelity International” sozialpolitisch hochumstrittene Fragen in Zahlen überführen, können drastische Ergebnisse herauskommen.
Schon jetzt, so hat es Fidelity zusammen mit der Frankfurt School of Finance ausgerechnet, flössen dreißig Prozent des Bundeshaushalts in die staatliche Rentenversicherung. Wenn es so weitergehe, würden “auf Dauer mehr als fünfzig Prozent” des Bundesbudgets für Zuschüsse zur Rentenversicherung fällig. Das erscheint nicht bezahlbar. Umso wichtiger sind privates Sparen fürs Alter und Betriebsrenten.
Betriebsrenten werden gefördert
Nach Angaben der Bundesregierung erwarten etwas mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Betriebsrenten. Je größer das Unternehmen, in dem sie arbeiten, desto eher gibt es eigene Renten.
Seit Jahresanfang sorgt ein neues Gesetz für leichteren Zugang. Für kleine Unternehmen ist es einfacher geworden, und der Staat schießt bei geringen Einkommen mehr zu. Die Chance auf langfristig gute Verzinsung ist gestiegen, weil Investitionen am Kapitalmarkt leichter geworden sind. Betriebsrenten sind für die Versicherten regelmäßig eine profitable Sache.
Fast 500 Milliarden auf der hohen Kante
Für Unternehmen sind Betriebsrenten allerdings nicht ohne ein gewisses Risiko, wie die Studie von Fidelity und der privaten Frankfurter Fachhochschule zeigt. In den Bilanzen der 200 an der Frankfurter Börse gehandelten Unternehmen ruhen 481 Milliarden Euro Pensionsansprüche der Belegschaften.
Im Durchschnitt fließen knapp zwei Prozent der Gehälter in Beiträge zu Betriebsrenten. Wie funktioniert das praktisch? Es gibt zwei Wege.
Selber sparen – oder auslagern
Unternehmen sparen die Beiträge von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und staatliche Zuschüsse selbst an. Sie bilden sogenannte “Pensionsrückstellungen”, aus denen pensionierte Mitarbeitende nach und nach bezahlt werden. Einstweilen kann diese große Sparbüchse auch genutzt werden, um Investitionen des Unternehmens zu finanzieren. Die sollten allemal mehr einbringen als Geld, das auf der Bank oder bei Fonds liegt. Das ist zumindest der Idealzustand.
Den gibt es aber nicht immer. “Wenn Sie in Zukunft Pensionen aus dem operativen Geschäft bezahlen wollen”, sagt Olaf Stotz von der Frankfurt School, “kann das zu einem Zeitpunkt passieren, wo das operative Geschäft nicht gut läuft.” Gerade in sogenannten “reifen Branchen”, die kein großes Wachstum zu erwarten haben, sei “es schwieriger, die Pensionszusagen einzuhalten”, bestätigt Berater Murmann.
Der zweite Weg des Umgangs mit Betriebsrenten umschifft dieses Problem: Unternehmen geben das Geld fortlaufend an spezialisierte Dienstleister weiter. Das Geld ist dann zwar weg, Risiken aber auch.
Betriebsrenten werden immer länger bezogen
“Die Menschen leben zum Glück immer länger,” sagt Berater Murmann, “aus Sicht der betrieblichen Altersvorsorge ist das natürlich ein Problem.” Denn mit längerem Leben steigt auch die Bezugsdauer von Pensionen. Zudem haben Unternehmen das allgemeine Zinsniveau nicht im Griff, das für ihre Rückstellungen wichtig ist.
Arbeitnehmer müssen Sorgfalt üben
Wer in eine außenstehende Pensionskasse einzahlt, hat es beim Wechsel des Arbeitgebers leichter. Im Grunde müsse man dem neuen Unternehmen nur seine Kontonummer bei der Pensionskasse mitteilen, sagt Murmann.
“Sie haben aber ein praktisches Problem” warnt Finanzexperte Stotz. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen ihre Versicherungsunterlagen von Anfang an sorgsam aufheben und dem Versicherer stets neue Adressen melden. Was passiert, wenn man das vergisst, illustrierte Stotz mit Daten aus Großbritannien: Dort gingen jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge verloren, weil Versicherer nicht wüssten, wo ihre Versicherten abgeblieben sind und die nicht mehr wüssten, wo sie vor vierzig Jahren mal versichert waren.

