Weniger Geld für Moskaus Kriegskasse: Russlands Einnahmen aus Öl- und Gasexporten sind binnen eines Jahres um 19 Prozent gesunken. Laut Forschern zeigen die EU- und US-Sanktionen Wirkung.
Russlands Einnahmen aus dem Export fossiler Brennstoffe sind im vierten Jahr seit der Invasion der Ukraine deutlich gesunken. Nach Angaben des finnischen Thinktanks CREA beliefen sich die Erlöse aus dem Export von Öl, Gas, Kohle und Raffinerieprodukten in den zwölf Monaten bis zum 24. Februar 2026 auf rund 193 Milliarden Euro.
EU-, Indien- und China-Importe gehen zurück
Dies entspricht einem Rückgang von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gegenüber der Zeit vor Kriegsbeginn liegt das Minus sogar bei 27 Prozent. Besonders stark sanken in den vergangenen zwölf Monaten die EU-Importe von russischen Energieträgern – um 36 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro.
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung bei den beiden größten Ölabnehmern Russlands: Indiens Importe von russischem Rohöl sanken in den vergangenen zwölf Monaten um neun Prozent auf 31,6 Milliarden Euro, während Chinas Einfuhren um 14 Prozent zurückgingen auf 43 Milliarden Euro.
Russland Rohölexporte sinken – Preisabschläge steigen
Insgesamt lagen die russischen Rohölexportmengen laut dem finnischen Thinktank mit 215 Millionen Tonnen rund sechs Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Deutlich stärker gingen jedoch die Einnahmen aus dem Ölverkauf zurück: Sie fielen um 18 Prozent auf rund 85,5 Milliarden Euro. Russland wird sein Öl offenbar immer häufiger nur mit deutlichen Preisabschlägen los.
EU- und US-Sanktionen zeigen Wirkung
Als Hauptgrund nennt CREA die EU-Sanktionen gegen aus russischem Rohöl hergestellte Raffinerieprodukte sowie Maßnahmen der US-Behörde OFAC gegen die beiden russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil. Diese hätten insbesondere die Lieferungen nach Indien spürbar gedrückt.
Drohungen der USA in Form von Handelszöllen und diplomatischen Spannungen hätten dagegen nur begrenzten Einfluss auf die Reduzierung des russischen Ölverbrauchs in Ländern wie Indien, China und der Türkei gehabt, betonen die Forscher des CREA. “Sanktionen zeigten Wirkung, wo Drohungen scheiterten.”
Ungarn und Slowakei importieren weiter russisches Öl
Warum das wichtig ist: Russland ist für die Finanzierung seines Krieges in der Ukraine stark auf Energieeinnahmen angewiesen. Sanktionen gegen russische fossile Brennstoffe haben damit ein großes Potenzial, Russlands militärische Anstrengungen zu schwächen.
Erst vor einem Jahr hatte CREA darauf hingewiesen, dass die EU zu diesem Zeitpunkt mehr für russische fossile Brennstoffe ausgegeben hatte als für Entwicklungshilfe an die Ukraine.
Schattenflotte Russlands etwas geschrumpft
Vor allem mit Blick auf die Schattenflotte Russlands sehen die Forscher weiter Handlungsbedarf: Russland exportiert über ein Drittel seines Öls auch mit Hilfe westlicher Reedereien in alten, unversicherten Tankern unter falscher Flagge. Die Lieferungen gehen meist nach Indien und China. Dabei ist die Zahl dieser Schiffe von ihrem Höchststand von 109 im Oktober zuletzt merklich gesunken: Im Januar waren es noch 81.
Die EU-Kommission hatte Anfang Februar ein 20. Sanktionspaket gegen Russland vorgeschlagen, das unter anderem ein “umfassendes Verbot maritimer Dienstleistungen” für Tanker mit russischem Rohöl an Bord vorsieht. Ein solches Verbot würde weit über die bisherigen Sanktionen hinausgehen – und die russische Schattenflotte empfindlich treffen.
Ungarn blockiert neue EU-Sanktionen
Ursprünglich wollte die EU bereits am Montag den Weg für diese neue Sanktion gegen Moskau sowie für milliardenschwere Finanzhilfen für Kiew freimachen. Sie scheiterte damit jedoch am Veto Ungarns.
Die EU-Mitgliedstaaten Ungarn und Slowakei haben ihre Importe von russischem Öl seit Beginn des Ukraine-Krieges unbeirrt fortgesetzt. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres steigerten sie sogar ihre Importmenge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent.

