Wechsel bei den Wirtschaftsweisen: Kein guter Stil

Wechsel bei den Wirtschaftsweisen: Kein guter Stil

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.


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Stand: 04.03.2026 • 18:22 Uhr

Bei den sogenannten Wirtschaftsweisen gibt es einen Wechsel: Ulrike Malmendier scheidet aus, Gabriel Felbermayr kommt. An sich nichts Ungewöhnliches – doch stimmt die Art und Weise?

Markus Gürne

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist eines der wichtigsten Beratergremien der Bundesregierung. Und derzeit nötiger denn je. Denn die wirtschaftliche Lage Deutschlands ist seit Jahren bekanntlich mau – Wachstum wird dringend gesucht.

Angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und mit dem Blick auf unser exportlastiges Geschäftsmodell, das unter Druck geraten ist, sind Bewertungen, Ratschläge und Lösungswege aus der Misere von den auch als Wirtschaftsweisen bekannten Sachverständigen ausgesprochen wichtig.

Irritierender Umgang mit Malmendier

Umso irritierender ist der Umgang mit denen, die als Wirtschaftsweise beraten. Dass eine hoch angesehene Professorin wie Ulrike Malmendier am letzten Tag ihrer Amtszeit per Telefon aus dem Bundeswirtschaftsministerium erfährt, dass sie quasi ab sofort nicht mehr zum Sachverständigenrat gehört, zeugt weder von gutem Stil noch von politischer Weisheit.

Damit allerdings steht die Bundesregierung nicht allein da. Die andauernden Querelen im Gremium unter den Weisen werden seit Monaten öffentlich ausgetragen und zeichnen kein gutes Bild. Wer andere beraten will, sollte zumindest Geschlossenheit wahren.

Ein “Weiter so” reicht nicht

Wir haben massive Probleme bei einer der wichtigsten Fragen dieser Republik. Woher soll künftiges Wachstum kommen – und was ist zu tun, um es zu ermöglichen? In einer Zeit, in der Kriege, Zölle und eine alternde Gesellschaft ein Geschäftsmodell bedrohen, das jahrzehntelang Wohlstand brachte, aber nun so nicht mehr funktioniert.

Ein “Weiter so” reicht nicht. Daher brauchen wir gerade jetzt ein Gremium wie die Wirtschaftsweisen. Mehr Analyse, mehr radikale Ehrlichkeit, mehr Klarheit in der Beratung.

Mit Gabriel Felbermayr zieht nun ein neuer Weiser in den Sachverständigenrat ein. Das ist eine gute Nachricht, denn der Österreicher ist ein hoch renommierter Ökonom, mit internationaler Erfahrung – und er ist ein weiser Kommunikator. Jemanden wie ihn kann der Sachverständigenrat, die Bundesregierung und Deutschland in der aktuellen Lage ziemlich gut gebrauchen.

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