In Brandenburg macht ein kleines Dorf vor, wie lokale Energieversorgung funktionieren kann. Wolfshagen nutzt Wärme aus der nahen Biogasanlage und heizt damit ganze Straßenzüge.
Seit über zwölf Jahren prägt die Biogasanlage das Ortsbild von Wolfshagen. Bisher wurde der dort erzeugte Strom ins Netz eingespeist, während die entstehende Abwärme ungenutzt blieb. Das hat sich nun geändert: Der neue Betreiber, die Balance GmbH für erneuerbare Energien, nutzt die Wärme aus dem Gärprozess, um sie direkt an die Gemeinde weiterzugeben.
“Schon beim Bau waren ganz viele Anwohner interessiert: Was passiert hier eigentlich? Bei den Bauarbeiten sind sehr viele Anwohner auch an unserer Baustelle vorbeigefahren, haben sich das angeschaut und haben sich mal ein Bild gemacht, was dort eigentlich passiert”, sagt Tom Sielaff von der Balance GmbH.
Neue Leitungen müssen verlegt werden
Für Bürgermeister Marco Radloff ist das Projekt ein wichtiger Schritt hin zu mehr regionaler Energieunabhängigkeit: “Es ist natürlich ein Moment, in dem Synergien für Anwohner und Anlieger greifbar werden. Die Biogasanlage besteht ja schon seit zwölf Jahren, und jetzt wird eben tatsächlich für die Bewohner des ländlichen Raums die Sache haptisch. Sie können zu vernünftigen Preisen Wärme gewinnen.”
Die kommunale Kita wird bereits mit der neuen Wärme versorgt, bald sollen weitere Wohnhäuser folgen. Noch stehen dafür Bauarbeiten an – über den Fluss Stepenitz müssen neue Leitungen verlegt werden. “Das ist eine kleine Herausforderung mit allen Beteiligten, und da hoffe ich, dass wir demnächst eine Lösung finden,” erklärt Projektmanager Tom Sielaff. Noch hängt die Flussquerung der Wärmeleitungen an den Genehmigungen verschiedener Behörden.
Wirtschaft profitiert von lokaler Energie
Auch das Unternehmen WDM Deutenberg, das in Wolfshagen Stahlgitter herstellt, setzt inzwischen auf Wärme aus der Biogasanlage. Statt Gas heizt dort nun Biowärme aus der Region. Geschäftsführer Bernd Gemmel betont die Vorteile: “Ein regionaler Partner mit Versorgungssicherheit, mit einem naturnahen Erzeugungsprodukt, liefert die Sicherheit, stabil und unabhängig von irgendwelchen Weltmarktthemen agieren zu können.”
Projekte wie in Wolfshagen zeigen, wie kommunale Wärmeplanung konkret aussehen kann – und wie ländliche Regionen einen eigenen Beitrag zur Wärmewende leisten. Durch die Nutzung vorhandener Anlagen und lokaler Ressourcen entsteht nicht nur klimafreundliche Wärme, sondern auch mehr Unabhängigkeit von globalen Energiemärkten. Das Ziel in Wolfshagen ist klar: Irgendwann soll der ganze Ort CO2-neutral heizen.
