Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme.


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Stand: 02.03.2026 • 12:36 Uhr

Die Straße von Hormus ist nur rund 50 Kilometer breit – und dennoch eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Nun ist sie geschlossen, mit weitreichenden Folgen für die weltweite Wirtschaft.

Lilli Hiltscher

Nur rund 50 Kilometer breit ist die Straße von Hormus, an ihrer engsten Stelle sogar nur 33 Kilometer, die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind nur drei Kilometer breit. Nun ist die Schifffahrt in der Region nahezu stillgelegt: Reedereien wie Hapag-Lloyd und Maersk setzen zunächst alle Fahrten durch die Region aus, Hapag-Llyod teilte mit, es werde ein “Kriegsrisikozuschlag” von 1.500 Dollar pro Standardcontainer und 3.500 Dollar pro Kühlcontainer und Spezialausrüstung erhoben.

Am Sonntag begannen Hapag-Llyod und Maersk zudem, auch den Suezkanal und die Meerenge Bab al-Mandab zu meiden, sie leiten Schiffe nun wieder um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas um. Hintergrund ist eine Drohung der Huthi-Rebellen im Jemen. Diese hatten nach dem Start der israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran angekündigt, erneut Handelsschiffe zu attackieren.

Dies verknappt die Transportkapazitäten und schürt Erwartungen an steigende Frachtraten – die Preise für den Containertransport dürften also steigen. Die Annahme von Fracht für die Nahost-Region werde jedoch fortgesetzt, so die Reedereien.

Reedereien müssen höhere Versicherungen zahlen

Mehrere große Schiffsversicherer kündigten heute zudem an, dass sie den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken in der Region zurückziehen werden. Die Versicherer Gard, Skuld, NorthStandard, London P&I Club und American Club teilten mit, dass die Kündigungen des Versicherungsschutzes ab Donnerstag in Kraft treten.

Dies betreffe iranische Gewässer sowie den Persischen Golf und angrenzende Seegebiete. Der japanische Versicherungskonzern MS&AD Insurance erklärte, ebenfalls den Abschluss neuer Policen für Kriegsrisiken in den Gewässern um den Iran und Israel ausgesetzt zu haben.

Kein Öl durch die Straße von Hormus

Die aktuelle Lage führt neben steigenden Frachtraten auch dazu, dass derzeit kein einziger Tropfen Öl der wichtigen Förderländer in der Golfregion die Straße von Hormus passieren kann. Denn die Meerenge, die den Persischen Golf und das offene Meer verbindet, ist die einzige Seeverbindung der wichtigen Ölländer am Golf zum Welthandel: Die OPEC-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus.

2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge – fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg, insgesamt geht rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels durch die Meerenge.

Steigende Ölpreise

Das ließ die Ölpreise am Morgen bereits kräftig steigen, teils bis zu neun Prozent. Die führenden Produzenten der OPEC+ wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte in den vergangenen Tagen bereits erhöht. Beide Länder haben außerdem versucht, alternative Routen zu finden, um die Meerenge zu umgehen.

Stephan Kemper, Chefstratege bei der BNP Paribas betont im Interview auf tagesschau24: “Es gibt zwar Pipelines – über die kann ein Teil des Öls umgeleitet werden – aber das dürfte nicht reichen.” Denn nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über alternative Exportrouten, über Pipelines können maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag exportiert werden.

Zum Vergleich: Allein Deutschland verbraucht rund zwei Millionen Barrel pro Tag. Katar, Kuwait, der Irak und auch der Iran selbst sind komplett auf den Transport über die Golf-Häfen angewiesen.

Kurzfristig keine Knappheit

Experte Kemper betont, dass aktuell vor allem die Dauer der Sperrung von Bedeutung sei: “Aktuell haben wir relativ viel Öl auf Tankern auf See. Viele große Verbraucher haben hohe strategische Reserven, gerade auch die Chinesen haben ihre Reserven deutlich erhöht.”

Demnach entstehe kurzfristig zwar keine Knappheit, so Kemper. Für rund zwölf bis 15 Tage, die global an Öl verbraucht werden, reiche der Ölvorrat auf den Tankern auf See. Aber es gebe die Angst, dass eine Ölknappheit entstehen könnte. Dann wären laut Kemper perspektivisch auch Ölpreise von 100 bis 120 US-Dollar pro Fass realistisch.

Asiatische Länder bangen um Öllieferungen

Besonders betroffen von der Blockade dürften die asiatischen Länder sein. Denn 80 Prozent des durch die Meerenge transportierten Öls und Gases ist für die asiatischen Märkte bestimmt, China ist mit mehr als 90 Prozent der bei weitem wichtigste Abnehmer iranischen Öls. Dan Wang, China-Direktor in der Denkfabrik Eurasia sagte der F.A.Z.: “Die Ölversorgung ist nicht gefährdet” und betonte, China habe seit 2023 strategische Reserven für mehr als 120 Tage aufgebaut.

Max Zenglein, Ökonom für den Asien-Pazifik-Raum bei der Denkfabrik The Conference Board, sagte gegenüber der F.A.Z., dass der Abbruch der direkten Einfuhren aus dem Iran für China weniger relevant sei, als ein Anstieg der Ölpreise – dies könne sich durchaus in der chinesischen Volkswirtschaft niederschlagen.

“Der bisherige Anstieg der Ölpreise erscheint für Asien verkraftbar”, schrieben am Morgen Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley. Auch sie betonen aber: “Höhe und Dauer sind entscheidend.” Denn die Region sei aufgrund ihrer hohen Importabhängigkeit stärker Preisschwankungen beim Öl ausgesetzt. “Jeder anhaltende Anstieg der Ölpreise um zehn US-Dollar pro Barrel wird das BIP-Wachstum Asiens direkt um 20 bis 30 Basispunkte treffen”, heißt es von den Analysten von Morgan Stanley.

Nicht die erste Krise in der Region

Während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 war der Öltransport durch die Straße von Hormus schon einmal zum Erliegen gekommen: Im sogenannten Tanker-Krieg griffen beide Seiten Hunderte Tanker im Persischen Golf und der Straße von Hormus an. Als im April 1988 eine US-Fregatte durch eine iranische Mine schwer beschädigt wurde, starteten auch die USA Angriffe auf den Iran.

Bereits seit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran 2018 häuften sich Vorfälle, bei denen die iranischen Revolutionsgarden ausländische Schiffe festsetzten. Sie sind mit Marineeinheiten im Persischen Golf und in der Straße von Hormus aktiv.

2024 beschlagnahmten die Revolutionsgarden etwa das unter der Flagge Portugals fahrende Containerschiff “MSC Aries” wegen angeblicher Verbindungen zu Israel. 2019 machten die USA den Iran auch für mehrere Angriffe auf Schiffe in der Golf-Region verantwortlich. Der Abschuss einer US-Drohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus führte damals fast zu einer militärischen Konfrontation zwischen Washington und Teheran.

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