Vor Verhandlungen in Abu Dhabi: Frust und Frieren in der Ukraine

Vor Verhandlungen in Abu Dhabi: Frust und Frieren in der Ukraine

Freiwillige servieren den Einwohnern Kiews während eines durch russische Angriffe verursachten Stromausfalls kostenlos warmes Essen.

Stand: 04.02.2026 03:21 Uhr

Vertreter Russlands, der Ukraine und der USA treffen sich heute zu neuen Gesprächen in Abu Dhabi. In der Ukraine selbst schauen die Menschen mit großer Skepsis auf die Verhandlungen. Bei vielen überwiegt Frust.

Rebecca Barth

Helfer geben warmes Essen aus – hier in einer Schule in Charkiw, wie das ukrainische Fernsehen zeigt. Mehr als 100 solcher Anlaufstellen gibt es in der ostukrainischen Millionenstadt aktuell. 33 mobile Heizpunkte wurden in der Stadt eingerichtet.

Bei zweistelligen Minusgraden auf den Straßen sind allein in Charkiw nach den jüngsten russischen Angriffen mehr als hunderttausend Haushalte ohne Wärmeversorgung.

“Ich habe keinen Strom, keine Heizung. Es ist sehr kalt”, sagt Liudmyla Lisunowa. “Ich bin gekommen, um meiner Familie eine Nachricht zu schicken. Der Empfang ist sehr schlecht, ich habe gar nichts. Kein Internet, keinen Strom.”

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew – ein ähnliches Bild. Auch hier geben Helfer warme Suppen aus, hat die Stadt Anlaufstellen eingerichtet, in denen sich die Menschen aufwärmen und Handys und Laptops aufladen können.

Eis auf den Fensterbänken

“Ich bin ja nicht die Einzige, der es so geht”, sagt Julia Dolotowa, eingemummelt in eine dicke Jacke, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Sie habe keine Möglichkeit, ihrem 18 Monate alten Baby etwas zu kochen, ihr Mann sei an der Front. “Selbst wenn unser Gebäude mit Wärme versorgt wird, sind es morgens 10 bis 12 Grad in der Wohnung. Auf den Fensterbänken ist Eis.”

Angesichts der massiven russischen Luftangriffe und ihrer schwerwiegenden Folgen für die Zivilbevölkerung blicken die Menschen im Land mit großer Skepsis auf die heute und morgen angesetzten Gespräche über mögliche Wege zum Ende des Krieges in Abu Dhabi.

Der Publizist Witalij Portnikow äußert Zweifel an der angeblich zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Machthaber Wladimir Putin vereinbarten Angriffspause auf Wärme- und Heizkraftwerke.

“Es könnte sich lediglich um die Absicht Russlands gehandelt haben, genügend Raketen und Drohnen für einen neuen massiven Angriff anzusammeln”, schätzt Portnikow. “Und Putin könnte das bei seinem Gespräch mit Trump als ‘Waffenruhe’ verkauft haben, um Bereitschaft zu zeigen, dem amerikanischen Präsidenten entgegenzukommen.”

Ukrainer bezweifeln Russlands Interesse an Frieden

Vielmehr zeigten die jüngsten russischen Angriffe, dass Russland kein Interesse an einem ernsthaften Friedensprozess habe, meint Portnikow und ist damit nicht allein. Die Skepsis im Land ist groß. Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt trotz Kälte und Dunkelheit eine Gebietsabtretung an Russland ab. Viele im Militär stellen sich auf weitere, schwere Kämpfe ein, berichtet Soldat Andrij.

“Die schwierigste Phase eines Krieges sind die Verhandlungen. Denn in dieser Zeit versucht jede Seite, noch Gelände zu erobern, um so eine möglichst starke Verhandlungsposition zu haben”, sagt Andrij. “Ich glaube, wir stehen jetzt erst am Anfang dieser Phase. Verhandlungen können sich über Jahre hinziehen. Deshalb müssen wir uns darauf einstellen, dass alles jetzt noch viel schlimmer wird.”

Positiv blickt die Ukraine lediglich auf die Zusammensetzung der russischen Verhandlungsdelegation. Mit den hochrangigen russischen Militärs und Geheimdienstlern seien zumindest professionelle Gespräche möglich, heißt es in Kiew. Welche Strategie die russische Delegation verfolgt, ist jedoch unklar.

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