Ab 2026 sind in den Niederlanden private Feuerwerke verboten. Bevor es soweit ist, können sich die Niederländer ein letztes Mal für Silvester eindecken. Der Vorverkauf zeigt: Viele wollen es diesmal richtig krachen lassen.
Jedes Jahr im Dezember verwandelt sich die Autowerkstatt von Frits Boks in eine große Lagerhalle für Feuerwerkskörper. Seit 40 Jahren verkauft der Kfz-Mechaniker an den letzten drei Tagen des Jahres Raketen, Böller und Fontänen. Online habe der Verkauf sogar schon begonnen, so Boks: “Wir haben jetzt bereits ungefähr den kompletten Umsatz vom Vorjahr gemacht. Es läuft gigantisch.”
Offenbar wollen es viele Niederländer zum Jahreswechsel noch mal so richtig krachen lassen. Ein letztes Mal, denn 2026 soll das in diesem Frühjahr vom Parlament beschlossene Feuerwerksverbot landesweit in Kraft treten. In einigen Kommunen ist das Ballern schon seit Längerem nicht mehr erlaubt.
Silvester läuft regelmäßig aus dem Ruder
Angesichts der zunehmenden Gewalt rund um Silvester und der vielen Unfälle beim Abfeuern von Feuerwerkskörpern sei dieses Verbot längst überfällig, sagt Nine Kooiman von der Niederländischen Polizeigewerkschaft NPB:
Wenn wir uns allein die Zahlen aus dem vergangenem Jahr anschauen: 1.200 Verletzte, 16 Millionen Euro an Schäden, zwei Tote. Wie viel Elend brauchen wir denn noch? Ich hoffe, dass alle unsere Polizisten, die auch diesmal wieder unterwegs sind, unversehrt nach Hause kommen.
Schwere Böller sind in den Niederlanden schon seit fünf Jahren verboten, und trotzdem läuft Silvester regelmäßig aus dem Ruder. In Rotterdam kam vergangenes Jahr ein 14-jähriger Junge beim Anzünden von Kanonenschlägen ums Leben. In Tiel starb ein 47-Jähriger, ein Mann verlor beim Abfeuern von Raketen sein Auge. In Utrecht brannten 38 Autos ab, in Nijmegen wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude durch Flammen komplett zerstört. Die Feuerwehren waren landesweit 4.100-mal im Einsatz.
40 Prozent wollen extra viel Feuerwerk kaufen
Vor diesem Hintergrund findet es Sjors Fröhlich, der Bürgermeister der Gemeinde Vijfheerenlanden, unverständlich, dass das Feuerwerksverbot nicht schon in diesem Jahr in Kraft tritt: “Als das landesweite Verbot auf einmal Fakt war, was ich sehr begrüße, habe ich gleich gesagt: Lass uns das sofort durchsetzen. Denn jetzt laufen wir Gefahr, dass es viele noch mal so richtig knallen lassen – mit all diesen Verletzungen und der Randale als Folge.”
In einer Umfrage unter 28.000 Niederländern gaben tatsächlich 40 Prozent an, dieses Mal extra viele Knaller und Raketen einzukaufen. Und sechs von zehn Befragten wollen auch nächstes Jahr nicht aufs Feuerwerk verzichten. Möglichkeiten, sich mit Material einzudecken, gebe es durchaus, sagt Böllerverkäufer Boks: “Ich höre jede Menge Leute, die sagen: Dann fahren wir halt nach Belgien, Deutschland, Polen oder bringen uns das Zeug aus dem Urlaub in Spanien mit.” Das Angebot sei doch riesig.
Viele Niederländer fahren schon seit Jahren kurz vor Silvester über die Grenze, um sich in deutschen Geschäften mit Vulkanen, Kometen und Batterien einzudecken. Das wird auch im kommenden Jahr noch möglich sein. Aber das Entzünden solcher Feuerwerkskörper in den Niederlanden ist dann verboten.

