Verzögerung bei “Stuttgart 21”: Das Projekt ist zur Lachnummer geworden

Verzögerung bei “Stuttgart 21”: Das Projekt ist zur Lachnummer geworden

Bauarbeiter arbeiten an den Schienen im Bahnhof Stuttgart 21


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Stand: 19.11.2025 21:54 Uhr

Das Bahnhofs-Megaprojekt “Stuttgart 21” sollte zum Symbol des Fortschritts in Deutschland werden. Inzwischen ist es in der ganzen Welt eine Lachnummer. Statt Versprechungen muss nun sorgfältig abgewogen werden.

Daniel Hechler

Viele haben sie belächelt, die schwäbischen Wutbürger, die schon vor 30 Jahren gegen einen Bahnhof zu Felde zogen. Als ewig gestrig galten sie, kleinkariert, schrullig. Sie sind alt geworden. Mit vielem aber haben sie Recht behalten.

Schon damals warnten sie davor, dass der unterirdische Bahnhof zu komplex, zu teuer wird – bei überschaubarem Nutzen. Die schlimmsten Befürchtungen, sie sind wahr geworden. Fast zwölf Milliarden Euro, mehr als 16 Jahre Bauzeit: Es ist absurd. Das Projekt, das für ein modernes, wettbewerbsfähiges Deutschland stehen sollte, ist zur Lachnummer in der ganzen Welt geworden.

Risiken hoffnungslos unterschätzt

Von Anfang an war es kompliziert und wurde immer komplizierter. Bahnverantwortliche und Politiker habe die Risiken hoffnungslos unterschätzt, vielleicht auch kleingeredet. Die Digitalisierung ausgerechnet am komplexesten Bahnknoten Deutschlands durchzuziehen: ein Himmelfahrtskommando.

Letztlich aber ging es bei dem Projekt auch nicht um eine vernünftige verkehrspolitische Lösung, sondern um grandiose Architektur, neue Flächen für mehr Wohnungen, ein Symbol des Fortschritts, um Prestige. Koste es, was es wolle.

Niemand will dafür heute die Verantwortung übernehmen. Die Ratlosigkeit ist groß. Der Frust in der Bevölkerung – längst nicht nur in Stuttgart – ebenso. Immerhin macht sich die neue Bahnchefin Evelyn Palla nun ehrlich. Keine Versprechungen mehr, die nicht gehalten werden können. Jetzt gilt es, das monströse Projekt mit Maß und Mitte zu Ende zu bringen. Und künftig besser zuzuhören, sorgfältiger abzuwägen – statt mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

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