In Norwegen zieht der Epstein-Skandal immer weitere Kreise: Neben Kronprinzessin Mette-Marit ist auch Ex-Ministerpräsident Jagland betroffen. Die Polizei in Oslo ermittelt nun wegen Korruptionsverdachts.
Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die norwegische Polizei Ermittlungen gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der schweren Korruption, teilte die für Wirtschaftskriminalität zuständige Strafverfolgungsbehörde Ökokrim mit.
Eine Anklage wurde bislang nicht erhoben. Bei den Ermittlungen gehe es darum, ob Jagland Vorteile in Form von Geschenken, Reisen und Darlehen erhalten habe. Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats. Von 2009 bis 2015 war er zudem Vorsitzender des norwegischen Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet.
Norwegische Medien hatten nach der Veröffentlichung der neuen Epstein-Dokumente berichtet, Jagland habe engen Kontakt zu dem US-Sexualstraftäter gehabt. Das norwegische Außenministerium kündigte an, beim Europarat die Aufhebung von Jaglands Immunität zu beantragen, die er als ehemaliger Leiter einer internationalen Organisation hat. Sein Anwalt teilte mit, man werde mit den Behörden kooperieren.
Millionen neue Epstein-Dokumente
Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Der 2019 verstorbene US-Multimillionär Epstein soll zahlreiche Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben.
Epstein war weltweit in höchsten Kreisen vernetzt. In den Dokumenten erscheinen daher immer wieder die Namen zahlreicher Persönlichkeiten. Jagland ist nicht der einzige Prominente in Norwegen, dessen Verbindungen zu Epstein erneut geprüft werden. Auch Kronprinzessin Mette-Marit steht deswegen in der Kritik. Sie hatte eingeräumt, den Kontakt zu Epstein auch nach dessen Verurteilung gehalten zu haben, was sie als Fehleinschätzung bezeichnete.
Mit Informationen von Jana Sinram, ARD Stockholm
