Venezuelas Jugend demonstriert für mehr Freiheit

Venezuelas Jugend demonstriert für mehr Freiheit

"Die Jugend gibt nicht auf" steht auf Spanisch auf einem Protestplakat in Venezuela.

Stand: 13.02.2026 09:21 Uhr

In Venezuela sitzt das alte Regime fest im Sattel. Aber es gibt Zeichen einer Veränderung. Am “Tag der Jugend” demonstrierten junge Menschen für einen Aufbruch – mutig und ängstlich gleichzeitig.

Michael Castritius

Venezuela taumelt in unsicherer Zeit. Der Diktator sitzt zwar in einem Gefängnis in den USA, aber seine Stellvertreterin Delcy Rodríguez ist nahtlos aufgerückt – das Regime bleibt. Die alten Führer sitzen an den Schalthebeln in der Armee, befehligen paramilitärische Einheiten, kontrollieren die Ölproduktion sowie illegale Aktivitäten im Bergbau und im Drogengeschäft.

Jugendliche in Venezuela schwanken zwischen Mut und Skepsis, zwischen Hoffnung und Angst. Sie haben Angst vor Repressionen, Hunderte politische Gefangene sitzen noch im Gefängnis.

Die Paramilitärs halten sich derzeit zurück

Die “Colectivos” – also bewaffnete Banden im Dienste der Regierung – halten sich zwar derzeit im Hintergrund, aber jahrelang kontrollierten und terrorisierten sie die Menschen, jeder Anflug von Regime-Kritik wurde unterdrückt.

Die 21-jährige Studentin Fernanda ging trotz Angst auf eine Demonstration: “Viel Angst sogar. Aber die muss man manchmal zur Seite schieben”, sagt sie. “Sieh dir die Amnestie an: Manche politische Gefangene wurden freigelassen, aber wie durch eine Drehtür kommen andere zugleich hinter Gitter. Wir wollen nicht mehr untätig auf Garantien warten.”

“Die Jugend ist da – mutig im Widerstand”, hallte es über einen Unicampus in Caracas. ARD-Journalisten bekommen derzeit keine Einreiseerlaubnis nach Venezuela, eine erfahrene lokale Journalistin belieferte aber das ARD-Studio mit Interviews. Ihr fiel bei den Aufnahmen auf, dass viele der Demonstrierenden bereit sind, ihre Namen zu nennen – ohne Angst.

Freiheit – nur eine ferne Erinnerung

Auch in den Medien gebe es erste Veränderungen, erzählt sie. Themen und Positionen würden vorsichtig vielfältiger. Noch fühle es sich aber seltsam an, auf der Straße offen zu sprechen – und lauthals Gerechtigkeit und Freiheit einzufordern.

Die allermeisten Demonstranten kennen ein freies Land nur aus Erzählungen ihrer Eltern. Vor 27 Jahren begann der damals demokratisch gewählte Hugo Chávez seine “bolivarische Revolution” zum “Sozialismus des 21. Jahrhunderts”. Über die Jahre, vor allem unter seinem Nachfolger Maduro, blieb von den linken Ideen nichts übrig, es wurde eine kleptokratische Herrschaft mit Wahlfälschungen und Unterdrückung.

Der Bauleiter Juan Maldonado erlebte diese Zeit. Am Rand der Demonstration erzählt der 60-Jährige von seinen vorsichtigen Hoffnungen: “Wenn man mit den Leuten spricht, auf der Arbeit, im Supermarkt oder mit Nachbarn, dann spürt man eine innerliche Freude. Sie zeigt sich nicht, ist aber da”, sagt Maldonado. “Noch herrscht Angst vor. Ich glaube, das ist eine Art posttraumatisches Stress-Syndrom. Aber wir sind klar in einem Veränderungsprozess – das zeigt sich auf den Straßen.”

Anhänger fordern Maduros Freilassung

Auf denen marschierten auch die Anhänger der Regierung, formierten sich zur Gegendemonstration. Sie forderten Freiheit, aber nur für zwei Gefangene: “Wir fordern hier die Freilassung unseres Präsidenten Nicolás Maduro und unserer obersten Kämpferin Cecilia Flores, der First Lady”, sagt Kommunalpolitikerin Mónica Gelves. “Wir verteidigen unsere Ideale und unsere Unabhängigkeit. Wir Chavisten sind Liebe, reine Liebe, das ist die Realität in Venezuela.”

US-Präsident Donald Trump hat bislang keine Andeutungen gemacht, diese Realität für die Menschen verändern zu wollen. Er will US-Firmen an den Ölquellen sehen. Gestern wurde der US-Energieminister in Caracas herzlich empfangen.

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