Umstrittene Pläne für Suchthilfezentren in Köln und Düsseldorf

Umstrittene Pläne für Suchthilfezentren in Köln und Düsseldorf

Transparente hängen an einem Wohnhaus im Pantaleonsviertel in Köln.

Stand: 15.02.2026 08:34 Uhr

Die offene Drogenszene ist in vielen Innenstädten ein Problem. Die Städte Köln und Düsseldorf wollen deswegen Suchthilfezentren errichten. Anwohner sorgen sich um die Sicherheit. Doch es gibt auch Fürsprecher.

An einer Haltestelle mitten in Köln zündet sich ein Mann eine Crackpfeife an. Wenige Meter weiter tauschen drei Männer kleine Päckchen mit Drogen untereinander aus. Nebenan hockt eine Frau schlafend an die Fassade eines Geschäftes gelehnt. Alltägliche Szenen am Neumarkt, dem Hotspot der offenen Drogenszene in Köln. Passanten und Geschäftsleute fühlen sich in der Gegend schon lange nicht mehr wohl.

Die Stadt Köln plant deswegen mehrere Suchthilfezentren in der Innenstadt. Ein erstes soll nur wenige hundert Meter vom Neumarkt entfernt auf einer Fläche entstehen, die auf der einen Seite an eine Hauptstraße grenzt und auf der anderen Seite an die Häuser des Pantaleonsviertels.

Drogenszene soll von der Straße geholt werden

Eva-Maria Grommes und Jan Wiedemann stehen dort, wo gerade noch Gras und Bäume wachsen und bald die Container für das Suchtzentrum aufgestellt werden sollen. Sie wohnen ganz in der Nähe. Beide sehen die Pläne der Stadt als Chance. “Unsere Hoffnung ist, dass sich die Drogenszene von der Straße in das Zentrum verlagert, weil es dort ein ganzheitliches Hilfsangebot geben wird”, sagt Eva-Maria Grommes.

Die Pläne für das Zentrum orientieren sich am sogenannten Zürcher Modell. Abhängige dürfen in solchen Zentren ihre Drogen konsumieren und in kleinen Mengen auch untereinander verkaufen. Außerdem werden sie dort mit Essen und Kleidung versorgt. Sie bekommen Beratung. Auch Aufenthalts- und Schlafplätze gibt es. Ein Konzept, das von Suchtexperten durchaus als sinnvoller Baustein gesehen wird, um die offene Drogenszene in den Griff zu bekommen.

Nulltoleranz für Drogen außerhalb der Zentren

“In dem Zentrum gibt es dann eine hohe Toleranz für die Drogen, aber außerhalb wird es eine Nulltoleranz geben”, erklärt Harald Rau, Sozialdezernent der Stadt Köln. Es solle verstärkte Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt in der Umgebung des Zentrums geben. “Drogenhandel und Drogenkonsum im öffentlichen Raum sollen unterbunden werden.”

Sorge um Sicherheit in betroffenen Wohnvierteln

Andreas Zittlau hält das für wenig realistisch und fürchtet, dass sich in der Nachbarschaft eine Dealer-Infrastruktur bilden wird: “Die Drogen müssen ja auch irgendwie in das Zentrum reinkommen.” Zittlau ist Sprecher der Interessengemeinschaft Pantaleonsviertel. Als kurz vor Weihnachten die Pläne der Stadt bekannt wurden, haben sich einige Anwohner aus dem Viertel zusammengeschlossen.

Sie seien nicht gegen das Konzept des Suchthilfezentrums. Nur habe die Stadt nicht transparent gemacht, warum es ausgerechnet in ihrem Viertel, nah an Wohngebäuden sowie mehreren Kitas und Schulen entstehen soll. “Viele Menschen machen sich Gedanken, was das für das Lebensumfeld bedeutet, für die Kinder auf dem Schulweg, für die Sicherheit von Senioren”, berichtet Andreas Zittlau.

Auf dieser Grünfläche im Kölner Pantaleonsviertel soll das Suchthilfezentrum entstehen.

Auch in Düsseldorf soll ein Suchthilfezentrum mitten in einem Wohnviertel direkt neben zwei Schulen entstehen. “Crack-Süchtige gelten als hochaggressiv, unberechenbar”, sagt Wilhelm Josephs, Schulleiter des Lessing-Gymnasiums. Er habe Sorge, dass sich Süchtige auch auf dem Schulhof aufhalten und Spritzen oder andere Utensilien zurücklassen.

Sorgen macht sich auch Isabella Carra. Ihre Tochter geht in die erste Klasse der Grundschule. “Kinder werden einfach damit konfrontiert”, beklagt sie, “und ich persönlich weiß nicht, wie ich mein Kind dafür sensibilisieren soll.” Trotzdem hält die Stadt Düsseldorf bisher an den Plänen fest, hier ein Suchthilfezentrum einzurichten. Zwei weitere Standorte sollen noch folgen.

Nähe zur Drogenszene entscheidend für Standortwahl

Der Kölner Sozialdezernent Harald Rau kann die Frage verstehen, warum nicht andere Lagen abseits von Wohnvierteln und Schulen in Betracht gezogen werden. “Aber so ein Suchthilfezentrum muss nah dran sein an den Szene-Hotspots”, erläutert Rau. “Wenn sie weit weg sind, werden die Abhängigen das nicht annehmen.”

Der Rat der Stadt Köln hat nun einen ersten Planungsbeschluss gefasst. In einigen Wochen soll dann der Baubeschluss folgen. Die Interessengemeinschaft Pantaleonsviertel will bis dahin noch einmal Druck machen. Sie hoffen, bei der Standortfrage vielleicht doch noch Einfluss nehmen zu können.

Einig sind sich die verschiedenen Akteure, dass es Angebote für Abhängige in der Stadt braucht. Zustände wie am Neumarkt in Köln wollen sie alle schnellstmöglich beenden.

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