Ukraine: Ferne Hoffnung auf ein Kriegsende

Ukraine: Ferne Hoffnung auf ein Kriegsende

Ein Anwohner besucht eine provisorische Gedenkstätte für ukrainische und ausländische Soldaten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew.


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Stand: 24.02.2026 • 17:35 Uhr

Putins Luftterror gegen die Ukraine hat in diesem Winter sein eigentliches Ziel verfehlt, meint Florian Kellermann. Auch könnte Russland Probleme bei der Rekrutierung und der Finanzierung bekommen. Darauf sollte der Westen reagieren.

Florian Kellermann

Die russische Invasion in der Ukraine ist der größte Krieg in Europa seit 1945. Hunderttausende Menschenleben hat sie schon gefordert, das Leid, das Russland über die Ukraine gebracht hat, ist unermesslich. Doch zum Beginn des fünften Jahres der Invasion gibt es einige Entwicklungen, die zumindest leise Hoffnung auf einen Frieden machen, wenn auch nicht kurzfristig.

Der Hauptverantwortliche für den Krieg ist Kremlchef Wladimir Putin. Er wollte das Nachbarland mit einem raschen Feldzug unterjochen. Als das misslang, stellte er auf einen Abnutzungskrieg um. Putin ist sich wohl noch immer sicher, dass er ihn gewinnen wird. Bis heute ist er nicht von seinen Maximalforderungen abgerückt.

Und doch könnte er nach und nach feststellen, dass sein Kalkül nicht aufgeht. Denn der Abnutzungskrieg hilft zunehmend der Ukraine – wegen des massiven Einsatzes von Drohnen an der Front. Er macht Russlands Angriffe noch verlustreicher als früher. An wichtigen Abschnitten kann die Ukraine den ohnehin langsamen russischen Vormarsch noch einmal deutlich bremsen. So zuletzt in der südlichen Region Saporischschja, wo die Ukraine erfolgreiche Gegenstöße unternahm.

In Russland wird das Geld knapper

Russland müsste also 2026 wieder mindestens ebenso viele Soldaten rekrutieren wie im vergangenen Jahr, um weiter vorzurücken. Das wird schwerer werden, weil das Geld knapper wird. Rücklagen hat Russland aufgebraucht, so den staatlichen Wohlstandsfonds. Und die Einnahmen aus dem Ölexport sind niedriger als vor Jahresfrist – wegen niedriger Preise, wegen neuer US-Sanktionen – und durch die ukrainischen Angriffe mit Langstreckendrohnen.

Auch der Winter, der sich langsam verabschiedet, dürfte die Strategen im Kreml eher ernüchtert haben. Putin dachte, Luftterror, gnadenlose Angriffe auf die Energie-Infrastruktur, würden die Ukraine in die Knie zwingen. Ja, die Menschen froren und litten entsetzlich, weil Russland die Wärmekraftwerke zerstörte. Aber auf die Front zeigte das kaum Wirkung.

Putins Machterhalt – ein entscheidende Faktor

Die zentrale Frage lautet nun: Wann wird der Krieg für Russland so schmerzhaft, dass er Putins Macht gefährdet? Dann wird der Kremlchef zu echten Friedensverhandlungen bereit sein. Er scheint sich darauf zumindest schon vorzubereiten: Zu den Treffen mit Delegationen der Ukraine und der USA schickte Russland zuletzt auch Militärexperten, nicht mehr nur Strohmänner.

Der Westen kann weiterhin viel tun, um Putin das Leben schwerer zu machen und den Tag des Waffenstillstands näher zu bringen. Wenn er die Ukraine schon nicht mit neuen Waffensystemen stärken will, dann kann er wenigsten Russland weiter schwächen. Etwa endlich entschieden gegen die Schattenflotte vorgehen, mit der Russland sein Öl exportiert – damit das fünfte Kriegsjahr in der Ukraine hoffentlich das letzte wird.

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