Ukraine entwickelt Bodendrohnen für den Kampf an der Front

Ukraine entwickelt Bodendrohnen für den Kampf an der Front

Ein militärisches Kettenfahrzeug mit Geschütz steht in einer Ausstellung.

Stand: 14.01.2026 13:40 Uhr

Durch die große Anzahl von Flugdrohnen wird der Kampf an der Front für ukrainische Soldaten immer schwerer. Die Rüstungsindustrie setzt daher auf Bodendrohnen – und fordert mehr Unterstützung vom Staat.

Florian Kellermann

Eine Rüstungsmesse an einem geheimen Ort in der Ukraine. Über die Leinwand flimmert riesig die Aufnahme einer Überwachungsdrohne. Sie zeigt aus der Luft, wie sich unbemannte Fahrgestelle auf einer Straße bewegen. Sie haben Kanonen montiert. Dort, wo im Gebüsch verborgen ein Haus steht, bleiben die Fahrzeuge stehen und eröffnen das Feuer.

Es sind Kampfroboter, im Einsatz für das ukrainische Bataillon “Alter ego”, das direkt an der Front im Donezbecken kämpft. Der Kommandeur des Bataillons mit dem Kampfnamen “Der Elektriker” hofft, dass der Film Eindruck macht.

“Vor einigen Jahren haben sich im Internet alle Videos mit Flugdrohnen angesehen, wie sie russische Militärtechnik zerstören können.” Dann seien diese Drohnen massenhaft produziert worden, so der Kommandeur. Jetzt gebe es Videos von diesen Bodenrobotern, wie sie etwas transportieren. “2026 sollte das Jahr werden, in dem wir zig Mal mehr von solchen Robotern herstellen als im vergangenen Jahr. Der Bedarf ist da.”

Soldaten geben Erfahrungen weiter

Soldaten und Hersteller sprechen bei dieser Messe darüber, wie die Ukraine im Krieg bestehen kann, obwohl sie der russischen Armee zahlenmäßig unterlegen ist. Roboter – oder anders gesagt Bodendrohnen – sollen das möglich machen, entwickelt in der Ukraine.

“Die Bodendrohne allein kann nichts ausrichten. Dafür braucht es ein System, das wir und einige andere Brigaden geschaffen haben”, sagt der Kommandeur. Dazu gehörte, dass sie den Herstellern rückmeldeten, was sie verbessern müssen. “Wir bilden diejenigen aus, die diese Drohnen steuern. Wir wissen, wie wir sie reparieren können. Unsere Erfahrung geben wir jetzt weiter.”

Reichweite abhängig von der Batterieleistung

Auf einem Podest in der Messehalle sind einige dieser Roboter ausgestellt. Sie erinnern an überdimensionierte Kinderwagen mit großen Rädern, einer auch mit Raupenantrieb. Die meisten haben eine Art Korb montiert, in dem Gegenstände transportiert werden können.

Auch Verwundete werden mit solchen Robotern vom Schlachtfeld evakuiert, erklärt Andrij Fonta, Ingenieur und beim Bataillon “Alter ego” für Militärtechnik zuständig: “Es gab vor kurzem einen kleinen technologischen Durchbruch. Die Navigationssysteme wurden erheblich verbessert.”

Jetzt könne man mit den Robotern überall hinfahren, in jedem Gelände, sagt Fonta. “Die Reichweite hängt eigentlich nur von der Batterieleistung ab. Das beginnt bei manchen Herstellern mit 20 Kilometern und geht bei anderen bis zu 150 Kilometern.”

Die “Todeszone” wird immer größer

Roboter werden auch deshalb immer wichtiger, weil sich der Krieg an der Front in den vergangenen zwei Jahren stark verändert hat. Beide Seiten setzen dort massiv Luftdrohnen ein – also Drohnen, die von einem Piloten gesteuert werden. Von ihnen gibt es inzwischen so viele, dass sich Soldaten an der Front kaum unbemerkt bewegen können.

Eine sogenannte “Killzone” ist so entstanden, auf Deutsch “Todeszone”. Sie ist – je nach Frontabschnitt – bis zu 20 Kilometer breit und wächst ständig. Die Soldaten dort graben sich in die Erde ein, um ihre Stellungen halten zu können. Roboter versorgen sie dort mit Munition, Nahrung und Medikamenten. “Diese Roboter machen es möglich, dass Soldaten an der Frontlinie leben”, erklärt Fonta.

Russland zieht in der Produktion nach

Noch habe die Ukraine hier einen technischen Vorsprung, meint der Ingenieur. Aber Russland hole auf. “Man muss bedenken, dass die Produktion bei uns marktwirtschaftlich organisiert ist. Es gibt viele Hersteller, die konkurrieren.” In Russland gebe es nur einen Hersteller, der staatlich gefördert werde. Bei ihm liefen alle Informationen zusammen.

“Er kann die Entwicklung beschleunigen, weil er Informationen von allen Frontabschnitten bekommt.” Bei den Robotern sei das wichtig, weil die Böden überall unterschiedlich seien, so Andrij Fonta. “Im Gebiet Charkiw haben wir Sand, im Gebiet Donezk Lehm. Da braucht man unterschiedliche Bodendrohnen.” Ein Roboter könne, von der Funktion her, vier bis fünf Soldaten ersetzen, sagt Fonta.

Zu wenig Gummi, zu viele Stromausfälle

Ein großes Problem der Ukraine sind die Ressourcen. Darüber spricht, hinter vorgehaltener Hand, der Mitarbeiter eines Drohnenherstellers an einem der Messestände. Er stellt sich als Serhij vor, seinen Nachnamen möchte er nicht sagen.

“Es ist sehr schwer, die Produktion zu organisieren. Die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur führen dazu, dass häufig der Strom ausfällt.” Außerdem gebe es viel zu wenig Gummi in der Ukraine, den man für die Reifen brauche. “Die Hersteller kommen nicht nach. Wir fahren deshalb selbst mit Lkw an die Grenze, wo uns freiwillige Helfer den Gummi anliefern und durch den Zoll bringen.”

Unterstützung des Staats wächst langsam

Auch am Stand des Herstellers gibt es einen kleinen Film: Die Roboter überwinden mühelos die Hindernisse am Boden, mit ihren großen Rädern rollen sie auch über liegende Baumstämme.

Viele Teilnehmer der Messe fordern mehr Unterstützung des Staates. Die Verantwortlichen im Verteidigungsministerium verstünden nur allmählich, wie wichtig die Roboter für den Krieg werden, so der Mitarbeiter des Roboter-Herstellers: “Es ist etwas besser geworden. Noch vor kurzem hat die Rekrutierungsbehörde unsere Mitarbeiter unbedingt einziehen wollen.”

Manche seien sogar zur Fahndung ausgeschrieben worden, wenn sie einer Einberufung nicht nachgekommen sind. “Jetzt ist es leichter, Mitarbeiter vom Kriegsdienst zu befreien. Ich hoffe, dass uns das Ministerium noch weiter entgegenkommt – auch bei Dingen wie der Zollabwicklung der Einzelteile, die wir einführen.”

Die Ukraine hatte am Anfang des Kriegs vor allem sowjetische Militärtechnik und einige ganz wenige westlichen Waffen. Die Not hat sie gezwungen, nun in einigen Bereichen Rüstungsgüter der Zukunft herzustellen.

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