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Fast zwei Stunden lang hat Trump vor dem Kongress gesprochen – und dabei einige falsche und irreführende Behauptungen aufgestellt. So übertrieb er unter anderem bei seinen Wirtschaftserfolgen.
Bei seiner Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Donald Trump vor allem auf seinen vermeintlichen ökonomischen Erfolg verwiesen. Dabei verunglimpfte er seinen Vorgänger Joe Biden und stellte sich selbst eine makellose Bilanz aus. Doch mehrere seiner Aussagen sind faktisch falsch oder es fehlt ihnen Kontext.
Wirtschaftswachstum schwächer als im Vorjahr
Trump behauptete, er habe bei seinem Amtsantritt ein “Land in der Krise” übernommen. So habe er von der Biden-Regierung eine “stagnierende Wirtschaft” geerbt, die nun “wie nie zuvor” brumme. Doch das lässt sich anhand von Statistiken nicht eindeutig belegen.
So wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr zwar um 2,2 Prozent – das sind jedoch 0,6 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, dem letzten Jahr der Biden-Regierung. Allerdings muss für das Jahr 2025 auch der Shutdown im Herbst berücksichtigt werden, der das Wirtschaftswachstum möglicherweise gebremst hat. Wegen des Haushaltsstreits hatten die Regierungsgeschäfte für 43 Tage weitgehend geruht. Laut der US-Notenbank Fed dürfte der Shutdown schätzungsweise einen Prozentpunkt Wachstum gekostet haben.
Dennoch lassen sich anhand der Zahlen die Behauptungen von Trump nicht bestätigen. Auch andere Faktoren wie die Arbeitslosenquote sprechen dagegen: So stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zu seinem Amtsantritt leicht von 4,0 im Januar 2025 auf 4,3 Prozent im Januar dieses Jahres.
Falschbehauptungen über Inflation
Zudem behauptete Trump, er habe zu seinem Amtsantritt “eine Inflation auf Rekordniveau geerbt” und fügte etwas später in der Rede noch hinzu, dass Biden dem Land die “schlimmste Inflation in der Geschichte der USA” beschert habe. Doch das ist beides nicht korrekt.
Die Inflationsrate der USA lag im Januar 2026 bei 2,4 Prozent, im Januar 2025 zu Trumps zweiten Amtsantritt lag sie bei 3,0 Prozent. Zum Vergleich: Im letzten Monat der Biden-Regierung lag sie bei 2,9 Prozent und befand sich seit Mitte 2023 zwischen 3,7 und 2,4 Prozent.
Die größte Inflation der US-amerikanischen Geschichte trat nach dem Ersten Weltkrieg auf, als der Preisanstieg innerhalb von zwölf Monaten zwischen Juni 1919 und Juni 1920 23,7 Prozent betrug. Außerdem stieg die Gesamtinflation zwischen März 1979 und März 1980 um 14,8 Prozent. Zwischen Januar 1974 und Juli 1975 sowie zwischen Januar 1979 und November 1981 lag die Inflation jeden Monat über 9,0 Prozent.
Es stimmt, dass die jährliche Inflationsrate in den USA während der Biden-Regierung im Juni 2022 mit 9,1 Prozent einen 40-Jahres-Höchststand erreichte. Allerdings war dies mehr als zwei Jahre vor Trumps Rückkehr und die Inflation war bereits vor Trumps Amtseinführung stark gesunken.
Mehr Menschen arbeiten wegen Bevölkerungswachstum
Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sagte Trump, dass in den USA mehr Menschen arbeiten würden als je zuvor. Hier ist jedoch auch der Kontext wichtig. Zwar stimmt es, dass in den USA mehr Menschen beschäftigt sind als je zuvor – im Januar waren es etwa 159 Millionen. Allerdings ist auch die Bevölkerung in den USA mit 342,36 Millionen Menschen so groß wie nie zuvor. Daher ist der reine Blick auf die absoluten Zahlen irreführend.
Die Beschäftigungsquote – also der Prozentsatz der erwerbstätigen Bevölkerung – ist während Trumps Amtszeit leicht zurückgegangen. Im Januar 2025 lag sie bei 60,1 Prozent, im Januar 2026 bei 59,8 Prozent. Der Anteil derjenigen, die beschäftigt waren oder aktiv nach einem Arbeitsplatz suchten (Erwerbstätigenquote), lag unter Trump im Januar 2026 mit 62,5 Prozent genauso hoch wie unter Biden im Januar 2024.
Höhe der Investitionszusagen fraglich
Trump sagte zudem, er habe seit seiner Rückkehr ins Amt innerhalb von zwölf Monaten Investitionszusagen “für mehr als 18 Billionen Dollar aus aller Welt erhalten”. Es ist unklar, woher Trump die Zahl von 18 Billionen US-Dollar nimmt. Das Weiße Haus gibt auf seiner Website an, von 9,6 Billionen Dollar an in- und ausländischen Investitionen auszugehen. Ein Regierungsbeamter bestätigte ABC News, dass diese Zahl “realisierte oder zugesagte Investitionen” umfasst, beantwortete jedoch nicht die Frage, woher die Zahl von 18 Billionen Dollar stammt.
Auch die Zahl von 9,6 Billionen Dollar halten Experten laut einer Analyse für unrealistisch. Mehr als die Hälfte dieses Betrags stammt demnach aus informellen Zusagen ausländischer Staaten, in den USA zu investieren, die Experten als unrealistisch einschätzen. So haben beispielsweise Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate jeweils Investitionen in Höhe von mehr als einer Billion Dollar zugesagt, was mehr ist als ihr Bruttoinlandsprodukt.
Nicht die größten Steuersenkungen der US-Geschichte
Trump behauptete weiter, dass er die größten Steuersenkungen in der US-amerikanischen Geschichte verabschiedet habe. Das ist jedoch nicht richtig. Trump bezieht sich auf das im Juli 2025 unterzeichnete Gesetzespaket, bekannt als One Big Beautiful Bill Act (OBBB), das verschiedene Steuersenkungen und -änderungen enthält und bestehende Steuersätze verlängert. Diese sind zwar erheblich, aber nicht die größten Steuersenkungen der Geschichte der USA.
Die US-amerikanische Faktencheckseite PolitiFact kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass es seit 1980 das drittgrößte Steuersenkungsgesetz ist. An Platz eins stehen Reformen aus dem Jahr 1981 unter Ronald Reagan, gefolgt von Steuererleichterungen, die 2012 unter Barack Obama eingeführt wurden.
Bei dieser Rechnung werden Steuersenkungen hinzugezählt, die bereits 2017 eingeführt wurden und in diesem Jahr verlängert wurden. Das bedeutet: Der tatsächliche Effekt auf die individuelle Steuerlast vieler US-Amerikaner ab dem Steuerjahr 2026 dürfte vergleichsweise gering ausfallen, weil viele der niedrigen Sätze bereits durch die vorherigen Gesetze gelten.
Betrachtet man nur die neuen Steuersenkungen des OBBB ohne die Verlängerung der 2017er-Maßnahmen, fällt es sogar weiter zurück und läge etwa gleichauf mit dem sechstgrößten Steuersenkungsgesetz seit 1980.
Trump hat keine acht Kriege beendet
Trump wärmte in seiner Rede auch ältere Falschbehauptungen wieder auf. So sagte er erneut, dass er in den ersten zehn Monaten seiner Amtszeit acht Kriege beendet habe. Doch das ist übertrieben. Denn viele der von ihm aufgeführten Konflikte sind nach wie vor ungelöst oder weiterhin instabil, seine Rolle in anderen Konflikten ist umstritten.
So ist beispielsweise die Lage zwischen Kambodscha und Thailand weiterhin instabil. Im Juli 2025 hatte Trump mit der Aussetzung von Handelsabkommen gedroht, sollte keine Einigung über den langjährigen Grenzkonflikt erzielt werden. Die Staatschefs einigten sich auf ein Friedensabkommen ab dem 28. Juli. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht. Nach tödlichen Zusammenstößen im Dezember wurde das Abkommen durch einen weiteren Waffenstillstand ersetzt, an dem Trump nicht beteiligt war.
Ägypten und Äthiopien befanden sich während Trumps Präsidentschaft nie im Krieg. In einem Streit um den Grand-Renaissance-Staudamm, von dem Kairo und Khartum befürchten, dass er ihren Anteil am Nilwasser verringern wird, schaltete sich Trump ein, doch die Gespräche scheiterten im Juni 2025. Trump stellte sich öffentlich auf die Seite Ägyptens. Der Streit dauert an.
Verschwörungserzählung über Wahlen
In seiner Rede wiederholte Trump zudem die Verschwörungserzählung von den gestohlenen Wahlen im Jahr 2020, als er gegen seinen Konkurrenten Biden verlor. So sagte Trump, dass die Amtszeit eigentlich seine dritte und nicht seine zweite sein müsste. Dabei gibt es weder Beweise für die angeblich gestohlenen Wahlen noch ist es in den USA derzeit möglich, als Präsident mehr als zwei Amtszeiten zu absolvieren.
Trump behauptete zudem, dass Betrug bei den Wahlen in den USA weit verbreitet sei. Doch auch dafür gibt es keine Beweise. So ergab beispielsweise eine Auswertung der New York Times von offiziellen Angaben des Ministeriums für Innere Sicherheit, dass von 49,5 Millionen überprüften Wählerregistrierungen nur etwa 10.000 Fälle zur weiteren Untersuchung der Nichtstaatsbürgerschaft weitergeleitet wurden. Das entspricht etwa 0,02 Prozent.
Auch aus den Daten einzelner Bundesstaaten geht nicht hervor, dass Betrug bei den Wahlen oft vorkommt. So waren in Georgia beispielsweise nur 20 der 8,2 Millionen registrierten Wähler keine US-Staatsbürger. Von ihnen hatten insgesamt neun bei früheren Wahlen ihre Stimme abgegeben. Im Bundesstaat Iowa waren es bei 2,3 Millionen registrierten Wählern 87 solcher Fälle. In Michigan wurden 15 Fälle identifiziert bei gut 5,7 Millionen abgegebenen Stimmen.
Hinweis: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation der ARD Faktenchecker von ARD-faktenfinder und DW Fact check.


