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Mit der voraussichtlichen Übernahme von Warner durch Paramount konzentriert sich immer mehr Medienmacht bei der Trump-nahen Unternehmerfamilie Ellison. Ist der regierungskritische Sender CNN in Gefahr?
Paramount Skydance will den Warner-Konzern für rund 110 Milliarden Dollar übernehmen. Mit dem vereinbarten Deal würden sowohl die Studios als auch Fernsehsender wie CNN unter die Kontrolle von Paramount-Skydance-Chef David Ellison kommen. Beim Fernsehsender CNN machen sich deshalb Sorgen breit – wegen etwaiger Entlassungen aus Kostengründen, aber auch um die journalistische Unabhängigkeit.
Details zu eventuellen Plänen sind bisher Mangelware. Doch viele dürften zurückblicken in die jüngere Vergangenheit: Beim Sender CBS war man vor einigen Monaten in einer ähnlichen Situation – denn da hatte Ellisons Firma Skydance die Paramount-Filmstudios inklusive CBS übernommen.
Erinnerungen an CBS-Übernahme
Schon im Vorfeld gab es einen Millionenvergleich zugunsten von Präsident Donald Trump in einem Rechtsstreit um eine CBS-Sendung. Zusätzlich hatte CBS angekündigt, die Trump-kritische Late Show von Stephen Colbert nur noch bis kommenden Mai auszustrahlen.
Die offizielle Begründung, finanzielle Erwägungen seien dafür ausschlaggebend, halten viele für vorgeschoben. Es sei darum gegangen, die Medienbehörde FCC und Trump zur Genehmigung zu bewegen. Die gab es dann jedenfalls, und Trump freute sich – CBS habe einen großartigen neuen Eigentümer, sagte er.
Sorge vor politischer Einflussnahme
Seither hat sich bei CBS auch personell einiges geändert – Mitarbeitende verließen den Sender, und die Führungsetage wurde neu besetzt. Ellison holte etwa Bari Weiss zu CBS, sie ist dort jetzt Nachrichtenchefin. Bari Weiss hatte bei der New York Times angefangen – ein im politischen US-Spektrum eher linksliberal verordnetes Blatt. Dort hörte sie 2020 auf, warf der Times Einseitigkeit vor, und gründete das eher rechts der Mitte positionierte Medien-Start-up The Free Press.
Bei CBS sorgte sie für Schlagzeilen, als sie beispielsweise eine regierungskritische Ausgabe der populären Sendung 60 Minutes kurz vor Ausstrahlung stoppte – mit dem Argument, sie sei nicht ausgewogen und brauche Nachbearbeitung. Nach wie vor stehen die laufenden Umstrukturierungen beim Sender unter kritischer Beobachtung. Ob CNN und CBS nach einer Übernahme beispielsweise fusioniert werden könnten, ist bisher unklar.
Bestandteil des jetzt geplanten Zusammenschlusses wäre auch der Streamingservice HBO – dort läuft die populäre Show “Last Week Tonight” von John Oliver. Auch der nimmt häufig Präsident Trump aufs Korn, und in einer Sendung im vergangenen Oktober auch Bari Weiß. Für seine Show hat er schon zahlreiche Emmys bekommen. Seine Fans sind jetzt besorgt um seine Zukunft.
Paramount musste sich vergrößern
Paramount hatte im Bieterwettstreit um Warner Brothers monatelang nicht locker gelassen, eine feindliche Übernahme versucht und mehrfach das Angebot nachgebessert – bis Netflix sich zurückzog. Für Paramount sei der Warner-Deal notwendig, sagte Analyst David Joyce beim Sender CNBC. “Das war ein must-have-Deal für Paramount. Sie sind nicht besonders groß, wenn man sie mit Disney, Netflix oder Warner selbst vergleicht – sie mussten etwas tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben.”
David Ellisons Vater, Milliardär und Oracle Gründer Larry Ellison, unterstützt die Übernahme – aber Paramount muss sich dafür enorm verschulden. Das sei ein potenzielles Dilemma, so Joyce: “Wenn sie deshalb viele Leute entlassen, um Kosten zu sparen, dann könnte das Einfluss darauf haben, wieviel Filme sie produzieren – aber sie brauchen gleichzeitig die Erlöse aus den Filmen. Das wird eine angespannte Bilanz.”
Man wolle mindestens 30 Kinofilme im Jahr veröffentlichen, schreibt Paramount in der Pressemitteilung zu den Übernahmevereinbarungen – ein ambitioniertes Ziel. Den Chef von Cinema United, Michael O’Leary scheint das aber nicht zu überzeugen. Er hatte gegen den geplanten Netflix-Deal gewettert, weil er fürchtete, dass weniger Kinofilme produziert würden – aber auch die Fusion mit Paramount gefällt dem Vertreter der Kinos nicht besonders. Sein Statement: “Studio-Zusammenschlüsse haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass weniger Filme gemacht werden, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das hier anders sein wird.”
Enormer politischer Einfluss für die Ellisons
Mit einer Fusion von Paramount und Warner hätten die Trump-nahen Ellisons zudem einen enormen Einfluss auf traditionelle und moderne Medien – von berühmten Hollywood-Studios über renommierte Fernsehsender und neue Streaming-Dienste bis zu TikTok. Denn Larry Ellison ist auch Teil der Investorengruppe, die in den USA den größten Teil der App vom chinesischen Konzern ByteDance übernommen hat – mit 15 Prozent der Anteile.
Die geplante Übernahme braucht noch die Zustimmung der US-Medienaufsicht. Das kann Monate oder auch länger als ein Jahr dauern. Paramount hat allerdings vereinbart, dass die Aktionäre von Warner Zuschläge bekommen, wenn es bis zum 30. September nicht klappt. Die Ellisons haben ein gutes Verhältnis zu Präsident Trump – das könnte dabei hilfreich sein, glauben Beobachterinnen und Beobachter. Trump ist kein Fan von CNN und hatte schon im vergangenen Jahr gesagt, der Sender solle verkauft werden. Diesen Wunsch würde der Paramount-Deal erfüllen – anders als die vorangegangene Vereinbarung mit Netflix.
Auch die europäischen Wettbewerbsbehörden könnten sich mit der Übernahme beschäftigen, da die Firmen auch in Europa aktiv sind. Und Kalifornien plant ebenfalls mitzureden: Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat bereits eine genaue Prüfung der Übernahme angekündigt. Denn die Filmindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig im Bundesstaat, zu starke Konzentration könnte den Wettbewerb beeinträchtigen und zu Jobverlusten führen.

