In Mexiko verwüsten Anhänger des getöteten Drogenbosses “El Mencho” Städte und töten Dutzende Menschen. Schafft es die Regierung, der Gewalt Einhalt zu gebieten? Und wie sicher ist die Fußball-WM im Sommer?
Kurz nachdem am Sonntag der mächtigste Drogenboss Mexikos “El Mencho” vom mexikanischen Militär getötet wurde, eskalierte in vielen Teilen des Landes die Gewalt.
Bevölkerung in Angst
Paula aus Guadalajara schickt der ARD Videos: Bewaffnete Gruppen zünden einen Kiosk an, schießen um sich, die Bevölkerung hat Angst. Sie selbst wollte – wie jeden Sonntag – mit ihrem Suchtrupp im Umland von Guadalajara nach Vermissten suchen, die Opfer des Organisierten Verbrechens geworden sind.
“Wir sind nicht weit gekommen, alle Straßen waren gesperrt. Aber nach Hause kam ich auch nicht mehr. Nichts ging mehr, die Läden geschlossen, keine Busse fuhren mehr”, sagt sie.
Sheinbaum versucht zu beruhigen
Das Kartell schlägt zurück: Straßenblockaden, Schießereien, Plünderungen – Angst und Schrecken bei der Bevölkerung und Touristen. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief am Montag zur Ruhe auf: Die Regierung habe die Lage unter Kontrolle, sagte sie bei einer Pressekonferenz.
“Seien Sie ruhig und gelassen. Alle Behörden der Republik haben sich koordiniert, alle Kräfte der Bundesregierung, Sicherheitskräfte und Staatsanwaltschaft stehen für jede Situation bereit. Das Wichtigste ist, dass wir wieder Frieden und Ruhe herstellen.”
Blutige Machtkämpfe um Nachfolge von “El Mencho”
Die Operation kam überraschend: In vier Monaten beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Ein Austragungsort dabei ist Guadalajara, Hauptstadt des Bundesstaats Jalisco, Namensträger des Kartells von “El Mencho”. Experten gingen davon aus, dass solch ein Schlag gegen den organisierten Drogenhandel erst nach der WM stattfinden würde – wegen der blutigen Machtkämpfe, die üblicherweise auf die Enthauptung eines Kartells folgen.
Dass Mexiko Mannschaften, Touristen und Fans schützen kann, daran hat der Sicherheitsexperte David Saucedo seine Zweifel. “Wenn die Regierung der USA und Mexikos weiterhin Druck auf das Kartell Jalisco Nueva Generación ausüben, wird es die Fußballweltmeisterschaft stören und Ereignisse provozieren, die die mexikanische Regierung dazu zwingen, keine Angriffe mehr gegen das Kartell zu starten.”
16.000 Menschen vermisst
Rund um das austragende Akron-Stadion in Guadalajara haben Suchtrupps wie der von Paula in den vergangenen Monaten Hunderte Müllsäcke mit menschlichen Leichen entdeckt. Allein im Bundesstaat Jalisco werden 16.000 Menschen vermisst. Das dortige Kartell ist im ganzen Land präsent.
Der Gewaltforscher David Coronado zweifelt, ob der Staat die Lage in den Griff bekommt. “Der mexikanische Staat hatte nie wirklich die Kontrolle und ich glaube, dass er sie jetzt noch weniger haben wird. Das wurde bei den koordinierten Aktionen der Anhänger Menchos am Sonntag deutlich.”
Weitere Gewalt droht
Noch ist es zu früh, abzusehen, ob die Tötung “El Menchos” vor der WM zu mehr Ruhe führt, wie von der Regierung Mexikos versprochen. Doch, so sind sich Saucedo und Coronado sicher: Die Kartelle sind bestens vernetzt, koordinieren ihre Angriffe mit höchster Professionalität und sind eng verwoben mit der Lokalpolitik.
Frieden gibt es mit einem Kartellboss weniger langfristig nicht. Im Gegenteil, die Fragmentierung könne unmittelbar mehr Gewalt mit sich bringen.

