Tierärzte fordern Ende der Anbindehaltung von Rindern

Tierärzte fordern Ende der Anbindehaltung von Rindern

Kühe fressen auf einem Bauernhof in einem Stall für Anbindehaltung frisches Heu.

Stand: 12.01.2026 09:25 Uhr

Nicht artgerecht und eine Belastung für Körper und Psyche: In einem offenen Brief an Agrarminister Rainer drängen Hunderte Tierärzte auf ein Verbot der Anbindehaltung von Rindern. Es sei ihre Pflicht, “Leiden zu verhindern”.

Vor der Grünen Woche in Berlin haben Tierärzte ein rasches und verbindliches Ende der Anbindehaltung von Rindern gefordert. Diese Haltungsform schränke die artgemäße Bewegungsfreiheit der Tiere erheblich ein, sie führe zu physischen und psychischen Belastungen, heißt es in einem offenen Brief von 350 Tierärztinnen und Tierärzten an Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Sie kritisieren, die Bundesregierung blockiere ein Anbindeverbot auf Bundesebene.

In Deutschland würden rund eine Million Rinder in Anbindehaltung gehalten, vor allem in Süddeutschland, wie es in dem Brief heißt. Dabei werden die Tiere zum Beispiel mit Ketten an ihrem Platz im Stall festgebunden. Sie können sich dann lediglich hinlegen oder aufstehen und sonst nicht frei bewegen. Manche Rinder werden so für einige Monate im Jahr gehalten – andere müssen ihr ganzes Leben so verbringen.

“Unsere Pflicht, Leiden zu verhindern”

Als Tierärzte sei es “unsere Pflicht, Leiden zu verhindern”, begründen sie ihren Appell. “Maßnahmen, die den Tieren unnötiges Leid zufügen, verstoßen nicht nur gegen das Tierschutzrecht, sondern widersprechen auch grundlegenden Prinzipien der Tiermedizin.”

Die Tierärzte fordern einen klaren gesetzlichen Rahmen mit realistischen Übergangsfristen und gezielten Förderprogrammen für tiergerechtere Haltungsformen, um die Anbindehaltung zu beenden. “Die Anbindehaltung darf nicht länger Teil der Nutztierhaltung in Deutschland sein.” Rainer müsse dies wichtige Anliegen im Sinne einer zukunftsfähigen Landwirtschaft voranbringen.

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Ende der Anbindehaltung. Zuletzt hatten mehr als 55.000 Menschen eine entsprechende Online-Petition an Minister Rainer unterzeichnet. “Kühe, die ihr ganzes Leben in Ketten gehalten werden und sich kaum bewegen können – damit muss Schluss sein”, sagte Annemarie Botzki von Foodwatch.

Özdemir wollte Anbindehaltung teils verbieten

Die Ampel-Regierung und Rainers Vorgänger Cem Özdemir (Grüne) hatten sich im Mai 2024 auf einen Gesetzentwurf mit strengeren Vorgaben beim Tierschutz geeinigt. Die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern sollte nach einer Übergangszeit von zehn Jahren gänzlich verboten sein. Für kleinere Betriebe sollte die saisonale Anbindehaltung aber möglich bleiben.

Der Tierschutzbund hatte die geplante Regelung damals als “weitgehend bedeutungslos” kritisiert. Wegen des Bruchs der Ampelkoalition wurde der Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes nicht mehr umgesetzt.

Mit Informationen von Jan Frédéric Willems, ARD-Hauptstadtstudio

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