Teure Winterspiele, teurer Wintersport | tagesschau.de

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Skispringerinnen im Sprungzentrum von Predazzo

Stand: 09.02.2026 04:23 Uhr

Ski-Touristen, die während Olympia in den italienischen Alpen urlauben wollen, müssen tief in die Tasche greifen: Für Übernachtungen werden saftige Preise verlangt. Und auch alles andere ist teuer.

Lisa Weiß

Die Stimmung ist gut an der Schanze in Predazzo, hier kämpfen die Skispringer um Olympisches Gold, bejubelt vom Publikum. Wenn gerade kein Wettkampf stattfindet, locken die Skipisten. Der kleine Ort im Val di Fiemme ist ein Wintersportmekka, zieht nicht nur bei Olympia viele Touristen an.

Zum Beispiel Luana Sementilli und ihre Familie. Sie haben eine Woche Skiurlaub im Val di Fiemme gebucht. Zwei Erwachsene, zwei Kinder, bald kommt noch ein drittes dazu, Luana ist gerade schwanger und fährt kein Ski. Aber auch so ist der Urlaub teuer genug. 1.500 Euro habe die Familie für sechs Nächte mit Halbpension im Hotel ausgegeben, sagt Luana Sementilli. “Mittagessen auf der Hütte kostet jedes mal ungefähr 80 Euro für uns. Dann 240 Euro pro Kind für den Skikurs. Die Skiausrüstung zu leihen, kostet ungefähr 100 Euro pro Person, also 100 Euro pro Kind und 100 Euro für ihren Vater.”

Dazu kommen die Kosten für die Anfahrt, die Familie kommt aus Frosinone in der Nähe von Rom, und die Skipässe. Ein Tagesskipass kostet hier im Skigebiet 71 Euro in der Hauptsaison, in der Nebensaison immerhin noch 64 Euro.

“Skifahren ist ein Eliten-Sport geworden”

Viel Geld für sechs Tage Skivergnügen – alles, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, einen besonderen Sport zu lernen, sagt Vater Marco Maiorino: “Das sind 3000 Euro mehr oder weniger. Das können sich natürlich nicht alle leisten. Skifahren ist ein Eliten-Sport geworden.”

Italienische Verbraucherschützer haben ausgerechnet, dass den letzten vier Jahren allein die Preise für Skipässe um 40 Prozent gestiegen sind. Unbegründet, findet Gabriele Melluso, der Präsident des Verbraucherschutzverbands Assoutenti. Der letzte starke Anstieg im vergangenen Jahr habe zu einer Preissteigerung von mehr als 10 Prozent geführt. Doch der sei eindeutig nicht auf Preiserhöhungen im Zusammenhang mit den hohen Energiekosten oder mit der Inflation zurückzuführen. “Die Inflation in Italien ist seit zwei Jahren stabil und die Energiekrise schon seit Langem überwunden. Daher glauben wir, dass es sich um Spekulation handelt”, so Melluso.

Liftbetreiber wehren sich gegen Vorwürfe

Liegt es also an den Liftbetreibern, dass Skifahren so teuer geworden ist? Im kleinen Skigebiet Alpe Lusia im Val di Fiemme sieht man, wie sehr sich der Skibetrieb verändert hat. Aus einer Anlage, die früher ein paar einfache Schlepplifte hatte, ist ein hochtechnologisches Unternehmen geworden. Neueste Gondelbahnen transportieren in kurzer Zeit viele Menschen auf die Gipfel, Schneekanonen sorgen für zuverlässige Beschneiung.

Andrea Pisoni von der Betreibergesellschaft wehrt sich gegen den Vorwurf, mit den Skipass-Preisen zu spekulieren. Es gebe Frühbucherrabatte oder Familienpakete. Und Olympia vor der Haustür ändere daran nichts. “Wir haben die Preise für dieses große Event nicht erhöht”, sagt Pisoni. “Wir merken aber, dass Hotels und Ferienwohnungen im Trentino und insbesondere im Val di Fiemme die Preise erhöht haben und deshalb etwas weniger Leute kommen.”

Preise etwa 20 Prozent höher als an Silvester

Stimmt das? Nachgefragt bei Stefano Craffonara, er betreibt zusammen mit seinem Bruder ein Hotel und mehrere kleinere Unterkünfte im Val di Fiemme: “Klar, während der Olympia-Zeit ist Hochsaison und die Preise entsprechend. Das ist auch richtig so, weil das ein sehr wichtiges Event ist. Aber wirklich auch nur während dieser Zeit. Man bezahlt gerade bei uns etwa 20 Prozent mehr als an Silvester.” Neujahr ist im Val di Fiemme Hauptsaison.

Aber nicht nur die Hoteliers, auch ganz normale Wohnungsbesitzer versuchen, aus Olympia Kapital zu schlagen. Schon im September hätte sie Schwierigkeiten gehabt, eine Mietwohnung in Predazzo für das ganze Schuljahr zu finden, erzählt zum Beispiel eine Lehrerin. Die meisten hofften, ihre Wohnung während Olympia teuer an Touristen zu vermieten – nicht ganz im Sinne des Olympischen Geists.

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