Tausende Dänen protestieren gegen Trumps Grönland-Pläne

Tausende Dänen protestieren gegen Trumps Grönland-Pläne

Solidaritätsdemonstration für Grönland in Kopenhagen

Stand: 17.01.2026 17:19 Uhr

In Kopenhagen haben Tausende Menschen gegen Trumps Übernahmepläne für Grönland demonstriert. Auch eine Gruppe von US-Parlamentariern ist vor Ort. Auf der Insel nahmen indes europäische Soldaten ihre Erkundungsmission auf.

Tausende Dänen haben in Kopenhagen gegen die von US-Präsident Donald Trump erhobenen Besitzansprüche auf Grönland protestiert. Sie versammelten sich vor dem Rathaus der dänischen Hauptstadt, schwenkten dänische und grönländische Fahnen und riefen “Kalaallit Nunaat!” – den Namen Grönlands in der Muttersprache.

Auch in anderen dänischen Städten sowie in der grönländischen Hauptstadt Nuuk finden Proteste statt. Sie stehen unter den Mottos “Grönland gehört den Grönländern” und “Hände weg von Grönland”. Ziel sei es, “eine klare und gemeinsame Botschaft des Respekts für Grönlands Demokratie und grundlegende Menschenrechte zu senden”, heißt es auf der Internetseite von Uagut, einem Verband von Grönländern in Dänemark.

“Grönland und die Grönländer sind unfreiwillig zur Front im Kampf für Demokratie und Menschenrechte geworden”, sagte Julie Rademacher, die Vorsitzende von Uagut. Die Proteste wurden von grönländischen Gruppen in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation ActionAid Denmark organisiert.

In Nuuk sehen sich die Demonstranten den Machtanspruch der USA als Provokation. Den Menschen vor Ort gehe es weniger um die Angst vor einer Einnahme durch die USA, sondern um das Gefühl absoluter Hilflosigkeit, berichtet ARD-Korrespondentin Jana Sinram aus der grönländischen Hauptstadt.

Trump droht weiter

Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder einen US-Besitzanspruch auf Grönland erhoben und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen der USA in der Arktis begründet. Die Rede war einerseits von einem Kauf der Insel, aber auch militärische Gewalt schloss die Trump-Regierung wiederholt nicht aus. Der US-Präsident droht nun auch mit Zöllen gegen Staaten, “die bei Grönland nicht mitziehen”.

Laut einer im Januar 2025 veröffentlichten Umfrage lehnten 85 Prozent der Grönländer die Zugehörigkeit zu den USA ab. Nur sechs Prozent befürworteten sie. In den USA selbst stoßen Trumps Pläne ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Einer Umfrage zufolge befürworten nur 17 Prozent der US-Bürger die Bemühungen Trumps. Eine große Mehrheit sowohl der Demokraten als auch der Republikaner lehnt demnach den Einsatz militärischer Gewalt zur Annexion der Insel ab.

Mehrere US-Kongressabgeordnete bekundeten ihre Ablehnung der Trump-Pläne für Grönland

US-Abgeordnete auf Solidaritätsbesuch

Die Demonstrationen fielen mit einem Besuch einer überparteilichen Delegation des US-Kongresses in Kopenhagen zusammen, die ebenfalls ihre Ablehnung gegen Trumps Pläne zum Ausdruck brachte. Die Delegation kam mit hochrangigen dänischen und grönländischen Politikern und Wirtschaftsvertretern zusammen.

Angeführt wurde sie vom Senator Chris Coons von den oppositionellen Demokraten. Er betonte, dass keine Sicherheitsbedrohung für Grönland bestehe, die die Haltung der Trump-Regierung rechtfertigen würde. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, das wie die USA NATO-Mitglied ist.

Bundeswehrsoldaten nehmen Erkundung auf

In Grönland waren gestern Abend Soldaten und weitere Militärangehörige aus Deutschland und anderen europäischen NATO-Staaten eingetroffen. Das Bundeswehr-Team und seine Verbündeten nahmen heute eine Erkundungsmission vor Ort auf. Sie sollen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums Bedingungen für gemeinsame Militärübungen prüfen – mit dem Ziel, für mehr Sicherheit zu sorgen. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Teams.

Die militärische Übung könnte nach Ansicht des Chefs des Arktischen Kommandos der dänischen Streitkräfte, Søren Andersen, noch mehrere Monate andauern: “Das, was wir gerade machen, ist, eine länger andauernde Übung zu planen, kontinuierlich das ganze Jahr 2026 hindurch und vielleicht auch ins Jahr 2027 hinein”, sagte Andersen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

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