Syrische Armee rückt weiter in Kurdengebieten vor

Syrische Armee rückt weiter in Kurdengebieten vor

Ein Mann macht ein Selfie vor Fahrzeugen der syrischen Armee in Tabka.

Stand: 18.01.2026 13:06 Uhr

Die syrische Armee stößt weiter in bislang von Kurden kontrollierte Gebiete vor und setzt dabei auch auf arabische Milizen. Übergangspräsident al-Scharaa will offenbar schnelle Landgewinne.

Anna Osius

Nach Vermittlungsgesprächen unter Beteiligung der USA hatten sich die Kurden und die syrische Übergangsregierung zunächst auf einen kurdischen Teilabzug aus einigen Ortschaften östlich von Aleppo geeinigt. Bei der Übernahme dieser Orte durch die syrische Armee kam es jedoch zu neuer Gewalt. Regierungstruppen und kurdische Kräfte leisten sich Berichten zufolge Gefechte. Die syrische Armee verzeichnet offenbar Geländegewinne.

“Die Lage ist sehr gefährlich”

“Die Streitkräfte sind vorgerückt und konnten dutzende von Kilometern östlich des Flusses Euphrat ‘befreien'”, sagte der syrische Militärbeobachter Hisham al-Mostafa. “Das unterstreicht den Willen des syrischen Staates, seine Herrschaft über alle syrischen Gebiete auszudehnen.”

Mittlerweile rückt die syrische Armee auf die Stadt Deir al-Sur im Osten Syriens vor. Sie hat nun auch die dort ansässigen arabischen Stämme aktiviert. Die Kurden regieren in der Region teilweise als Minderheit. Die kurdischen Kräfte wiederum riefen Medienberichten zufolge die Bevölkerung zur generellen Mobilisierung auf.

Wie weit es sich um die befürchtete Eskalation hin zu einem Krieg handelt oder ob es nur einige Scharmützel vor der nächsten Verhandlungsrunde sind, ist noch unklar. Es scheint den Scharaa-Truppen um schnelle Landgewinne zu gehen.

“Es gibt einen Angriff der syrischen Armee, unterstützt durch die Truppen der sogenannten arabischen Stämme”, sagte der kurdische Journalist Akteem Assaad bei Al-Jazeera. “Die Ängste sind groß, die Lage ist sehr gefährlich. Es scheint, dass Damaskus diesen Tag nutzen will, um schnelle Siege zu erzielen, bevor irgendein Abkommen unterzeichnet wird.”

Karte: Syrien mit dem Fluss Euphrat. Schraffur: von Kurden kontrollierte Gebiete laut ISW, Stand 17.1.2026

Kampf um Land und Öl

Übergangspräsident al-Scharaa möchte mehr als die bisherigen zwei Drittel der Landesfläche unter seine Kontrolle bringen. Im Nordosten liegen etwa wichtige Ölfelder. Die Kurden kontrollieren dieses Gebiet seit Jahren und fordern Autonomie oder ein föderales System im neuen Syrien, das die Rechte der Minderheiten berücksichtigt.

Ein im März vergangenen Jahres geschlossenes Abkommen zwischen den Kurden und der al-Scharaa-Regierung wurde bislang nicht umgesetzt.

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