In der Nacht von Sonntag auf Montag deutscher Zeit findet das größte Sportereignis der USA statt: der Super Bowl. Dieses Jahr geht es allerdings nicht nur um Football – es wird wohl auch so politisch wie noch nie.
Die Fans in San Francisco freuen sich einfach nur auf den Super Bowl – sie sind excited, also aufgeregt. Das Wort ist am häufigsten zu hören, wenn es um das Finale in der US-amerikanischen Football-Profiliga NFL geht. Er habe Tränen in den Augen gehabt, als klar war, er geht zum Super Bowl, sagt Shane aus dem Bundesstaat Washington.
Die ganzen Diskussionen drum herum finden die meisten einfach nur nervig. Politik soll raus bleiben aus dem Super Bowl. Super Bowl soll einfach nur Super Bowl sein, sagen sie. Und Susan aus Seattle erklärt, Politik sei ein schmutziges Geschäft, die Leute seien einfach müde, beim Super Bowl wollten sie nicht auch damit konfrontiert werden.
ICE-Einsätze beim Super Bowl?
Während in den vergangenen zwei Jahren Taylor Swift und ihre Beziehung zu Travis Kelce die Berichterstattung außerhalb des Spielfelds geprägt hat, ist es in diesem Jahr die Halbzeitshow mit Bad Bunny und ICE. Die Frage: Wird die Einwanderungspolizei rund um den Super Bowl Razzien gegen illegale Einwanderer durchführen?
Am Dienstag stellte die Chef-Sicherheitsbeauftragte der NFL, Cathie Lanier, klar, es seien keine Einsätze zur Durchführung der Einwanderungsgesetze beim Super Bowl oder Veranstaltungen rund um den Super Bowl geplant.
Auch Peter Ortiz, Stadtrat im etwa eine Stunde von San Francisco entfernten San Jose, sagte dem Sender NBC auf einer Anti-ICE-Kundgebung, er habe mit dem Heimatschutzministerium und der NFL gesprochen. Sie hätten ihm mitgeteilt, es seien derzeit keine Kontrollen von ICE oder dem Grenzschutz während des Super Bowls geplant. Aber Ortiz fügte hinzu, er ermutige alle, die Teil von Familien mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus sind, auf ihre Umgebung zu achten.
“Wir werden überall sein”
Zu groß ist die Sorge, dass es doch ICE-Razzien geben wird. Zu präsent sind die Bilder von ICE-Einsätzen in Minneapolis oder anderen demokratisch regierten Städten auch in Kalifornien.
Anfang Oktober erklärte Corey Lewandowski, Berater der Heimatschutzministerin in einem Podcast: Es gebe keinen Ort, an dem man Menschen, die sich illegal in diesem Land aufhielten, einen sicheren Zufluchtsort bieten könne – nicht beim Super Bowl und auch nirgends sonst. “Wir werden sie finden. Wir werden sie festnehmen. Wir werden sie in eine Haftanstalt bringen. Und wir werden sie abschieben”, so Lewandowski.
Heimatschutzministerin Kristi Noem selbst erklärte Anfang Oktober im selben Podcast: “Wir werden überall sein und das Gesetz durchsetzen. Zum Super Bowl sollten nur gesetzestreue Amerikaner kommen, die dieses Land lieben.”
Trump bleibt fern – auch wegen Bad Bunny
Das war vor vier Monaten, also bevor in Minneapolis Bundesagenten von ICE und der Grenzschutzpolizei zwei Menschen bei Einsätzen erschossen haben. Gut möglich, dass die Regierung von Donald Trump vor diesem Hintergrund auf medienwirksame Bilder von Festnahmen beim Super Bowl verzichten wird. Aber die Sorge bleibt.
Der Präsident kommt diesmal übrigens nicht zum Super Bowl. Zu weit von Washington, D.C .entfernt, hat Trump erklärt. Aber er ist auch sauer auf die NFL. Genauer gesagt ist er verärgert über die Halbzeit-Show mit Bad Bunny – einem erklärten Trump-Gegner. Erst am vergangenen Wochenende gab der Latino-Superstar aus Puerto Rico bei der Grammy-Verleihung wieder ein klares Statement ab.
Bevor er Gott danke, wolle er sagen: “ICE out” (deutsch: “ICE raus!”). Bad Bunny gibt auf seiner Welt-Tournee kein Konzert in den USA, mit Ausnahme von Puerto Rico, was ja auch zu den USA gehört – aus Angst, seine Fans könnten in die Hände von ICE geraten.
Konservative Kreise kritisieren NFL
Als die NFL im vergangenen September den Star der Halbzeitshow verkündete, sorgte das in konservativen Kreisen für Entrüstung. Donald Trump kommentierte auf Newsmax, er habe noch nie von Bad Bunny gehört, wisse gar nicht, wer das sei. Dass die NFL sich für ihn entschieden habe, sei absolut lächerlich.
Newsmax-Moderator Greg Kelly echauffierte sich, die NFL habe sich für jemanden entschieden, der ICE hasse, Donald Trump nicht möge und der alles, was ihm gegen den Strich gehe, als Rassismus abtue. Heimatschutzministerin Kristi Noem nannte die NFL wegen ihrer Entscheidung für Bad Bunny “so schwach”.
Turning Point USA plant “alternative Halbzeitshow”
NFL-Chef Roger Goddell erklärte in dieser Woche erneut, Bad Bunny, der für sein aktuelles Album gerade bei den Grammys ausgezeichnet wurde, sei einer der größten Künstler der Welt. Das sei ein Grund, warum sie sich für ihn entschieden hätten.
Die Halbzeit-Show beim Super Bowl gilt als die größte Bühne der Welt. Dass dort in diesem Jahr ein Künstler auftritt, der nicht auf Englisch, sondern auf Spanisch singen wird, ist für manche ein regelrechter Affront. Die konservative Jugend-Organisation Turning Point USA hat sogar eine “alternative Halbzeitshow” geplant, unter anderem mit Trump-Freund Kid Rock.

