Mit der Verhängung des Kriegsrechts hatte Südkoreas Ex-Präsident Yoon 2024 eine tiefe Staatskrise ausgelöst. Jetzt wurde er in einem ersten Prozess zu fünf Jahren Haft verurteilt. In einem weiteren droht ihm ein hohes Strafmaß.
Weil sich Südkoreas früherer Präsident Yoon Suk Yeol im vergangenen Jahr seiner Verhaftung widersetzt hatte, ist er zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Das Urteil ist das erste in mehreren Strafprozessen, die gegen ihn geführt werden. Richter Baek Dae Hyun erklärte in der im Fernsehen übertragenen Urteilsbegründung, eine schwere Strafe sei notwendig, weil Yoon keine Reue gezeigt und lediglich schwer nachvollziehbare Ausreden vorgebracht habe. Yoon hat nun sieben Tage Zeit, um Berufung einzulegen.
Im Dezember 2024 hatte der konservative Politiker überraschend das Kriegsrecht verhängt und das Land in eine Staatskrise gestürzt. Hintergrund war ein Haushaltsstreit mit den Oppositionsparteien, die Yoons Gesetzesvorhaben weitgehend blockiert hatten. Yoon hatte die radikale Maßnahme mit dem Schutz der freiheitlichen Ordnung Südkoreas begründet. Zudem warf er der linken Opposition vor, von Kommunisten mit Verbindungen in China und Nordkorea unterwandert zu sein. Für seine Anschuldigungen legte Yoon keine Beweise vor.
Offizielle Amtsenthebung 2025
Kurz nach Verhängung des Kriegsrechts hatte der damals 64-jährige Yoon dann Soldaten zum Parlament in Seoul geschickt, um das Gebäude vollständig abzuriegeln. Laut Aussagen mehrerer hochrangiger Militärs und Polizeibeamter hatte Yoon den Soldaten zudem befohlen, gezielt Abgeordnete zu verhaften. Yoon selbst bestreitet den Vorwurf.
Trotz der Militärpräsenz war es den Parlamentariern aber gelungen, sich während jener Ausnahmesituation in der Nationalversammlung einzufinden und in einer hastig einberufenen Abstimmung das wenige Stunden zuvor verhängte Kriegsrecht wieder aufzuheben. Yoon wurde daraufhin zuerst suspendiert und im April 2025 dann seines Amtes enthoben.
Internationale Investoren zeigten sich damals besorgt um die Stabilität des ostasiatischen Staates und hielten Investitionen zurück. Weltweit litt das Ansehen des Landes, das im Westen zuvor stets als politisches und wirtschaftliches Vorbild in der Region gegolten hatte. Seit dem Sommer wird Südkorea von Präsident Lee Jae Myung regiert, einem links-zentristischen Politiker und langjährigen politischen Rivalen Yoons.
Todesstrafe in weiterem Prozess gefordert
In einem separaten Prozess hat die Staatsanwaltschaft jüngst wegen des Verdachts des Aufruhrs die Todesstrafe für Yoon gefordert. Ein Urteilsspruch dazu ist für den 19. Februar angesetzt. Auch wenn in Südkorea weiterhin die Todesstrafe verhängt wird, wurde diese seit fast 30 Jahren nicht mehr vollstreckt.
