Studie zu Diskriminierung: Frauen mit Kopftuch besonders häufig betroffen

Studie zu Diskriminierung: Frauen mit Kopftuch besonders häufig betroffen

Eine Frau mit einem Kopftuch geht durch eine Straße.

Stand: 10.03.2026 • 16:17 Uhr

Ob beim Shopping, im Restaurant oder im Job: Millionen Menschen in Deutschland erleben Alltagsdiskriminierung. Musliminnen mit Kopftuch sind laut einer neuen Studie häufiger betroffen als andere Gruppen.

Jeder achte Mensch in Deutschland hat innerhalb eines Jahres Diskriminierung erlebt. Das zeigen Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) in einer Sonderauswertung im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Laut der repräsentativen Studie sind Menschen mit ungerechtfertigter Ungleichbehandlung häufig dort konfrontiert, wo sie als Kundinnen und Kunden unterwegs sind – etwa beim Einkaufen, in der Bank, im Restaurant oder am Eingang zum Club.

Die Wiederholungsbefragung ist beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angesiedelt und gilt als eine der zuverlässigsten und umfassendsten Quelle für sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland. Jährlich beteiligen sich etwa 30.000 Menschen bundesweit. Die Forscher geben zu bedenken, dass der Untersuchungszeitraum zwischen Mai 2021 und Januar 2023 diesmal auch die Corona-Zeit mit all ihren Einschränkungen umfasst.

Rassistische Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft

Die Teilnehmer der Befragung waren unter anderem gefragt worden, ob – und wenn ja – wo sie in den zurückliegenden zwölf Monaten diskriminiert worden seien. Den Angaben zufolge berichteten 13,1 Prozent der Befragten davon, in den zurückliegenden zwölf Monaten Diskriminierung erlebt zu haben.

Die eigene ethnische Herkunft beziehungsweise rassistische Gründe wurden von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen am häufigsten (41,9 Prozent) als möglicher Hintergrund der Ungleichbehandlung genannt. Gut jeder vierte Betroffene nannte das Aussehen. Aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität fühlten sich 23,8 Prozent diskriminiert. 13,9 Prozent nannten eine Behinderung oder chronische Krankheit als Diskriminierungsmerkmal.

“Erhebliche wirtschaftliche Folgen durch Diskriminierung”

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, berichtete bei der Vorstellung der Auswertung beispielhaft von einer Frau, die sich im Supermarkt aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert fühlte. Eine Angestellte habe den Kinderwagen der Frau ohne erkennbaren Anlass durchsucht und dies mit den Worten begründet: “Sorry, aber so eine wie Sie hat erst neulich hier geklaut, da muss ich eben sichergehen.”

Eine Gesellschaft, in der sich neun Millionen Menschen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse fühlten, sei “instabil und anfällig”, sagte Ataman. Die Studie zählt als Folgen von Diskriminierung etwa geringere Lebenszufriedenheit, schlechtere Gesundheit, psychische Belastung und ein sinkendes Vertrauen in den Staat auf.

“Das Ausmaß an Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land.” Die hohen Werte für Diskriminierung am Arbeitsmarkt und beim Zugang zu Dienstleistungen und Gütern hätten auch erhebliche wirtschaftliche Folgen, so Ataman. “Dafür brauchen wir Lösungen.”

Musliminnen mit Kopftuch besonders häufig betroffen

Von den befragten Muslimen berichteten knapp29 Prozent von Diskriminierung in den vergangenen zwölf Monaten. Damit ist der Anteil deutlich höher als unter den Nicht-Muslimen (10,4 Prozent). Ein besonders hoher Anteil von Betroffenheit findet sich unter muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen. Mehr als 38 Prozent der Teilnehmerinnen der Befragung, die dieser Gruppe angehören, wurden nach eigener Einschätzung binnen eines Jahres diskriminiert.

Mit etwa 40 Prozent erlebten Betroffene Diskriminierung im Bereich “Güter und Dienstleistungen”, etwa genau so hoch ist der Anteil im Arbeitskontext. Auf der Straße erlebten 41,5 Prozent Diskriminierung, in öffentlichen Verkehrsmitteln etwa jeder fünfte. 19,5 Prozent fühlten sich ungleich behandelt im Umgang mit Ämtern, Behörden und der Polizei.

Wie reagieren Betroffene?

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland, die Diskriminierung erleben, unternimmt nichts – laut Studie 56 Prozent. Knapp 30 Prozent der Betroffenen gaben an, sie hätten den Menschen oder die Stelle darauf angesprochen. Eine offizielle Beschwerde reichten 8,1 Prozent ein.

Knapp jeder zehnte (9,8 Prozent) Betroffene suchte selbst Informationen zu rechtlichen Möglichkeiten. Rechtliche Beratung nutzten 5,7 Prozent der Menschen, die sich diskriminiert fühlten. Nur 2,6 Prozent der Menschen mit Diskriminierungserfahrung leiteten in der Folge rechtliche Schritte ein. Vor allem jüngere Menschen setzen sich laut den Angaben selten juristisch zur Wehr.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *