Hinweise gab es schon, nun bestätigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: Die Erde hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller erwärmt als in den Jahrzehnten davor.
Die menschengemachte Klimakrise schreitet mit großen Schritten voran: Laut einer neuen Studie vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist die globale Temperatur in den vergangenen zehn Jahren um rund 0,35 Grad Celsius angestiegen. Zwischen 1970 und 2015 waren es im Schnitt pro Jahrzehnt rund 0,2 Grad Celsius. Der Anstieg hat sich demnach fast verdoppelt.
“Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen”, so der US-Statistikexperte Grant Foster in einer Mitteilung des PIK, der zusammen mit dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf die Studie in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht hat.
Bestimmt natürliche Einflüsse herausgerechnet
Rahmstorf und Foster haben für ihre Studie fünf verschiedene globale Temperaturdatensätze benutzt und sie bereinigt. Das heißt, sie haben herausgerechnet, was natürliche Einflüsse wie das Wetterphänomen El Niño, Vulkanausbrüche und die Schwankungen der Sonnenaktivität zur Temperatur beigetragen haben. So trete “das langfristige Erwärmungssignal klarer hervor”, sagt Foster.
Im Jahr 2024 hatte die globale Temperatur erstmals die 1,5-Grad-Grenze überschritten. Im Rahmen des Pariser Abkommens wurde eine Begrenzung der Erderwärmung von 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900) festgelegt. Das Jahr 2024 bleibt laut Studie auch nach Herausrechnen der natürlichen Einflüsse das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, also seit 1850.
Überschreitung des 1,5-Grad-Grenze-Ziels
Die Warnung der Forscher ist deutlich: “Setzt sich die Erwärmungsrate der vergangenen zehn Jahre fort, würde das zu einem langfristigen Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze des Pariser Abkommens vor dem Jahr 2030 führen”, so Rahmstorf.
Beide Wissenschaftler geben eine düstere Prognose ab: “Im aktuellen politischen Klima ist es jedoch durchaus möglich, dass sich die Erwärmung in ihrem raschen Tempo fortsetzt oder sogar noch weiter beschleunigt.”
Klimakrise schreitet fort
Jedes Zehntel Grad verschlimmere die Auswirkungen der menschengemachten Klimakrise. Mehr Extremwetter wie schwere Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren bedrohen die Lebensgrundlagen der Menschen auf der ganzen Welt. Unter anderem drohen wichtige Elemente im Klimasystem endgültig zu kippen, so die Forschenden.
Gründe für die Erderwärmung
Was neben dem Verbrennen fossiler Energiequellen wie Gas, Erdöl und Kohle mit zu dem dramatischen Anstieg der globalen Temperatur in den vergangenen zehn Jahren beigetragen haben könnte, zeigt die Studie nicht. Die beiden Autoren vom PIK haben sich auf eine reine Analyse der Daten konzentriert.
In ihrer Studie erwähnen die Forscher, dass eine verbesserte Luftqualität als ein möglicher Grund für den rasanten Temperaturanstieg in der Wissenschaft diskutiert wird. Das klingt erst einmal paradox. Doch winzige Schmutzpartikel in der Atmosphäre kühlen indirekt das Klima – verbessert sich die Luftqualität, steigt die Temperatur. Zuletzt hatten unter anderem Experten der Uni Leipzig dazu konkretere Daten vorgelegt. Aber die beiden Forscher vom Potsdam-Institut weisen darauf hin, dass es noch große Unsicherheiten gibt, wie stark dieser Effekt zum deutlichen Anstieg der globalen Temperatur beiträgt.
Um die rasante Erwärmung der Erde aufzuhalten, fordern die Klimawissenschaftler vom Potsdam-Institut generell, so schnell wie möglich aus fossilen Energien auszusteigen – die Abkehr von Erdöl, Gas und Kohle also zu beschleunigen.
