Etwa die Hälfte der Stellen sollen bei der Gütertochter der Deutschen Bahn wegfallen, geht aus einem Plan des Vorstandschefs hervor. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen – muss bis Ende des Jahres aber profitabel werden.
Bei DB Cargo, der Gütersparte der Deutschen Bahn, sollen 6.200 Stellen gestrichen werden – bei rund 14.000 aktuellen Vollzeitstellen beträfe das fast die Hälfte. Vorstandschef Bernhard Osburg will damit Sparauflagen gegen das Unternehmen umsetzen. Es sollen fast alle Bereiche betroffen sein – etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.
Der Stellenabbau soll dabei helfen, die seit Jahren kriselnde Tochter der DB wieder in die Spur zu bringen. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo profitabel werden – die Bahn darf Verluste der Tochtergesellschaft nicht ausgleichen, entschied ein EU-Verfahren. Scheitert der Umbau, soll DB Cargo zerschlagen werden. Noch schreibt das Unternehmen hohe Verluste.
Vorgängerin scheiterte an Umstrukturierung
Osburgs Vorgängerin scheiterte an der Umsetzung der Sparmaßnahmen. Sigrid Nikutta musste im Oktober gehen, nachdem ihr Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war.
Wie dringend ein Kurswechsel ist, zeigen Betriebszahlen der DB Cargo: Im ersten Halbjahr 2025 wurden zehn Prozent weniger Güter transportiert, Der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der operative Verlust verbesserte sich – ist mit 96 Millionen Euro aber noch immer hoch. im März werden die Jahreszahlen für 2025 erwartet.
Osburg betont nun, eine Strategie mit mittelfristiger Ausrichtung bis zum Jahr 2030 vorgelegt zu haben. Ein Gutachten dazu soll Ende Februar vorgelegt werden. Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt werden und das Konzept dann nach und nach in die Umsetzung gehen, so der Vorstandschef.
Neuausrichtung gen Europa
Der Stellenabbau ist eine von vier zentralen Maßnahmen des Plans. Zusammen mit einer schlankeren Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark soll so rund eine Milliarde Euro eingespart werden können, so Osburg.
Zudem plant der Vorstandschef, den Fokus mehr auf das europäische Ausland zu legen: “Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus.”
Nötig ist das, weil die Nachfrage seitens der Hauptkunden in Deutschland – aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl – immer geringer wird. Im Güterbereich machen Konkurrenten der Bahn bereits rund 60 Prozent des Geschäfts in Deutschland aus.
Weniger Standorte, mehr Verantwortungsgefühl
Zudem will Osburg beim sogenannten Einzelwagenverkehr sparen. Bei dieser Verkehrsart werden Einzelwaggons, die bei Kunden an- und abgeliefert werden, auf großen Rangierbahnhöfen zu längeren Zügen zusammengestellt. Das soll zukünftig vor allem an den Standorten in Köln, Seelze, Mannheim und Nürnberg passieren.
Als Teil der Maßnahme sollen außerdem einige Instandhaltungswerke geschlossen werden. Dennoch betont Osburg, dass diese Sparte weiterhin nicht profitabel sein werde und weiterhin auf eine Förderung des Bundes angewiesen sei.
