Sorgen im Irak vor einer Ausweitung des Iran-Krieges

Sorgen im Irak vor einer Ausweitung des Iran-Krieges

Schiitische Milizionäre im Irak demonstrieren nach dem Beginn des Iran-Krieges.

Stand: 10.03.2026 • 06:00 Uhr

Der Irak ist mit Iran eng verbunden – durch Religion und eine lange gemeinsame Grenze. Zwar versucht die Regierung, ihr Land aus dem Krieg herauszuhalten. Doch pro-iranische Milizen könnten für eine weitere Eskalation sorgen.

Moritz Behrendt

Umm Muhammad stellt kurz ihre drei Einkaufstüten auf den Boden, die Besorgungen für das große Familienmahl am Abend – jetzt im Ramadan. Sie stöhnt über die hohen Preise für Lebensmittel und auch für Öllampen: “Bis vor Kurzem brauchte die niemand, jetzt sollen sie 15.000 kosten, doppelt sie viel wie sonst. Das ist zu viel”, sagt die Medizinlaborantin. 15.000 Irakische Dinar entsprechen ungefähr 10 Euro.

Öllampen in Bagdad: Was wie ein Bild aus Tausendundeiner Nacht klingt, ist durch den Krieg bittere Realität geworden. Vor wenigen Tagen hat es im Irak einen landesweiten Stromausfall gegeben – 16 Stunden lang, ein vollständiger Blackout. Danach hätten die Leute nach Öllampen und kleinen Öfen gefragt, erzählt Mohammad Jawad, der an seinem Stand die Öllampen mit dem geschwungenen Glashals anbietet.

Pro-iranische Milizen könnten eingreifen

Der Irak spürt schon jetzt die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs. Der Luftraum ist geschlossen, die Öl-Produktion wurde massiv gedrosselt, der Export über die Straße von Hormus ist nicht mehr möglich. Im Land ist aber auch die Sorge groß, militärisch stärker in den Krieg hineingezogen zu werden.

Die Regierung in Bagdad sagt zwar: Das ist nicht unser Krieg – aber mit dem Nachbarland Iran ist der Irak nicht nur durch rund 1.500 Kilometer Grenze verbunden. Im Land sind auch zahlreiche schiitische Milizen aktiv, unterstützt und bewaffnet von der iranischen Revolutionsgarde.

Diese haben bereits Drohnen und Raketen auf US-Einrichtungen in der irakischen Hauptstadt abgefeuert. Elizabeth Dent vom US-Thinktank Washington Institute hält es für durchaus wahrscheinlich, dass diese Milizen bald noch eine größere Rolle in dem Konflikt spielen werden: “Es ist gut möglich, dass diese schiitischen Milizen auf einen Befehl von den Revolutionsgarden warten.”

Kaum friedliche Zeiten in vergangenen Jahrzehnten

Das würde den Irak noch tiefer in den Konflikt ziehen. Auf dem Markt im Zentrum Bagdads sehen viele mit Sorge auf die Entwicklungen – aber auch mit resignativer Routine.

Verkäufer Taiseer Nazem kann sich mit seinen 35 Jahren kaum an friedliche Zeiten in seinem Land erinnern. Der Iran-Irak-Krieg fand zwar vor seiner Geburt statt, aber dann kam der erste Golfkrieg, ab 2003 der Einmarsch der US-Amerikaner mit ihren Verbündeten.

Bürgerkrieg, Chaos, Terrorismus

Damals wurde Langzeitdiktator Saddam Hussein gestürzt. Es folgten Jahre des Bürgerkriegs, des Chaos und der Aufstieg der Terrororganisation “Islamischer Staat”. “Für uns Iraker gab es nie mehr als zwei, drei Jahre Ruhe. Wir haben viel gelitten.”

Der eigenen Regierung trauen die Menschen nicht zu, das Land aus dem Krieg herauszuhalten. Das liege in den Händen anderer. Manche verweisen auf die USA und Israel, andere auf das Regime in Teheran.

Schiitische Mehrheit

Mehr als 60 Prozent der rund 47 Millionen Iraker sind Schiiten – eine weitere Verbindung in Iran. Allerdings folgt die Mehrheit der irakischen Schiiten nicht Geistlichen aus Iran, sondern einer anderen Autorität: Großayatollah Ali Sistani – 95 Jahre alt und vermutlich der angesehenste schiitische Gelehrte der Welt.

Er äußert sich nur selten zur Politik und auch sonst unterscheide er sich sehr vom getöteten Ali Chamenei, sagt Elizabeth Dent. “Er vertritt nicht die Auffassung, dass schiitische Geistliche den Staat so beherrschen sollten, wie das bei Chamenei in Iran der Fall war.” Nach der Tötung des Ajatollahs in Iran äußerte sich Sistani zurückhaltend. Dent geht davon aus, dass es sein Ziel ist, dass der Irak stabil bleibt und nicht in den Krieg hineingezogen wird.

Wirtschaftliche Erholung zunichte gemacht

Bislang hat es in Bagdad nur vereinzelte Angriffe gegeben – von pro-iranischen Milizen auf US-Einrichtungen und vermutlich von den USA auf Angehörige dieser Milizen. Einige von ihnen wurden getötet. Das Ausmaß der Gewalt schockiert noch niemanden, in einem Land, das seit 45 Jahren so viel Krieg und Chaos erlebt hat.

In den letzten Jahren gab es kleine Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung – die dürfte der aktuelle Krieg in der Region zunichte machen.

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