analyse
Es war die Hauptrede dieser Sicherheitskonferenz: Auf den ersten Blick ist US-Außenminister Rubio in München auf Europa zugegangen. Auf den zweiten Blick zeigt sich: Er bleibt strikt auf Trump-Linie und fordert Gefolgschaft.
Marco Rubio wollte einen Kontrapunkt setzen. Er schlug deutlich versöhnlichere Töne an als vor einem Jahr JD Vance. Der US-Vizepräsident hatte in München eine Schock-Rede gehalten, die Europäer brüskiert. Außenminister Rubio rief ins europäische Publikum: “Unser Schicksal ist und bleibt untrennbar mit Ihrem verbunden.”
Mit Blick auf seine eigene spanisch-kubanische Familiengeschichte sagte Rubio: “Wir werden immer Kinder Europas bleiben.” Auch wenn manche Schlagzeile das Ende der transatlantischen Partnerschaft verkünde – das Gegenteil sei der Fall, so Rubio. Europa bleibe Amerikas engster Partner.
Auch Rubio bleibt auf MAGA-Linie
Alles wieder gut also? Mitnichten. So sanft der Ton in weiten Teilen der Rede war, so hart blieb Rubio in der Sache. Die sorgfältig verpackte Kernbotschaft lautete: Unser Angebot zur weiteren engen Partnerschaft gilt nur, wenn ihr unserem Weltbild folgt. Die Kernelemente dieses Weltbilds: Der Multilateralismus, die bisherige regelbasierte Weltordnung, ist gescheitert. Nationale Interessen stehen im Vordergrund. Migration ist die größte Bedrohung unserer Zeit.
Auch Rubio sprach mit Blick auf Europa von der Gefahr der “zivilisatorischen Auslöschung”. Es ist das Weltbild der “Make America Great Again”-Bewegung, des MAGA-Teils der republikanischen Partei. Rubio mag früher als US-Senator anders gedacht und geredet haben, er ist vollständig auf Trump-Linie eingeschwenkt. Hier schloss sich der Kreis zur Schock-Rede von JD Vance. Marco Rubio hat in München keineswegs einen Rückzieher gemacht.
Republikaner betonen Trumps “Erfolge”
Die praktischen Probleme der US-Außenpolitik, die großen Krisen fehlten in Rubios Rede fast ganz – Russlands Krieg gegen die Ukraine, die Rivalität zu China, die Lage im Iran. Es ging um die eher abstrakte Botschaft, die in München vom gesamten republikanischen Teil der US-Delegation verkündet wird: Präsident Donald Trump packt die Probleme an – und hat Erfolg. Europa gibt endlich mehr Geld für Verteidigung aus. In Gaza hält ein – wenn auch fragiler – Waffenstillstand. Über ein Ende des Ukraine-Kriegs wird zumindest endlich verhandelt.
Der amerikanische NATO-Botschafter Matthew Whitaker drückte es auf einem der zahlreichen Podien in München so aus: “Wir helfen unseren europäischen Verbündeten, mehr Verantwortung zu übernehmen.” Gelobt hat Whitaker dabei vor allem Deutschland.
Sprach hier der Präsidentschaftskandidat 2028?
Aus dem Trump-kritischen Teil der US-Delegation ist auch folgende Einschätzung zu hören: Der wichtigste Adressat der Rubio-Rede sitzt nicht hier, sondern zu Hause in den USA. Es ist Donald Trump. Längst hat der Kampf um dessen Nachfolge begonnen.
Jackson Janes vom German Marshall Fund, seit Jahrzehnten Gast der Sicherheitskonferenz, räumt Marco Rubio die besten Chancen ein, Präsidentschaftskandidat der Republikaner 2028 zu werden. Rubio könne besser als Vizepräsident Vance sowohl den MAGA-Teil der Republikaner ansprechen als auch die gemäßigteren Teile der Partei. “Und Rubio spricht spanisch”, ergänzt Janes mit Blick auf den wichtigen Wähleranteil lateinamerikanischer Herkunft. Doch der Politikwissenschaftler schränkt ein: “Rubio muss noch an Glaubwürdigkeit gewinnen.” Am Ende komme es darauf an, über wen Trump seine schützende Hand halte. Nur dann habe Rubio eine Chance.
