Schwächelnde Wirtschaft: Wie Arbeit produktiver werden soll

Schwächelnde Wirtschaft: Wie Arbeit produktiver werden soll

Ein Busfahrer steuert einen Bus.

Stand: 08.02.2026 16:00 Uhr

Die Produktivität ist der Goldstandard der Arbeitswelt. Steigt sie, können auch Gewinne, Löhne und Steuereinnahmen steigen. Politiker fordern deshalb mehr Produktivität. Wie soll das gelingen?

Von Maximilian Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat drei große Wünsche: “Produktivität. Produktivität. Produktivität” – so beschreibt sie ihr eigenes Arbeitsprogramm für die nächsten Monate.

Tatsächlich stagniert die Produktivität in Deutschland seit der Corona-Pandemie. Im Moment ist sie sogar niedriger als 2021.

Was ist Produktivität?

Die Produktivität ist ein Messwert, mit dem man bestimmen kann, wie groß die Leistung ist, die Menschen in einem Land pro Arbeitsstunde durchschnittlich erbringen. Dabei spielt es keine Rolle, was für Leistungen sie erbringen, also ob sie in dieser Arbeitsstunde Autos bauen, Bus fahren, im Büro Anträge bearbeiten, Menschen pflegen oder an Universitäten forschen. Schaffen wir mehr pro Stunde, steigt die Produktivität.

Und das schafft Wohlstand, sagt Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Durch hohe Produktivität würden Gewinne steigen, die Löhne können angehoben werden, dadurch würde auch der Staat mehr Geld über Steuern bekommen.

Lange war Deutschland dank seiner hoch entwickelten Industrie weltweit vorne in Sachen Produktivität. Durch “deutsche Wertarbeit” wurde in Deutschland in einer Stunde nicht nur viel, sondern auch hochwertig produziert.

Doch in den vergangenen fünf Jahren haben Länder wie die USA oder China Ihre Produktivität durch den Einsatz von KI und anderer Innovationen viel mehr steigern können als Deutschland.

Wie möchte die Politik die Produktivität steigern?

In der Union schauen viele auf die Uhr und wollen die Arbeitszeit erhöhen. CSU-Chef Markus Söder sagte im Bericht aus Berlin, dass eine Stunde Mehrarbeit pro Woche nicht zu viel verlangt sei.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hätte gerne weniger Krankentage und forderte zuletzt: “Mit Work-Life-Balance und Viertagewoche lässt sich der Wohlstand unseres Landes so nicht erhalten. Wir müssen mehr arbeiten.”

Auch der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion Marc Biadacz möchte eine weitere Reform des Arbeitsrechts, um mehr Arbeit in Stoßzeiten zu ermöglichen. Und er wünscht sich weniger Vorgaben von Seiten des Staates. Unternehmen und Mitarbeiter sollen selbst über die Arbeitszeit entscheiden können. Der Staat solle stattdessen in Bildung investieren, die sei der Schlüssel zum Erfolg.

Die Zeit ist nicht das Entscheidende

Das Problem: Eine Stunde mehr Arbeitszeit heißt nicht automatisch eine Stunde mehr Produktivität. Wenn eine Busfahrerin eine Stunde länger Bus fährt, ist sie automatisch produktiver. Eine Werbetexterin hingegen hat nicht automatisch mehr kreative Ideen, wenn sie eine Stunde länger im Büro sitzt.

“Zeit ist am Ende begrenzt”, sagt Enzo Weber. Deutschland sei nicht durch mehr arbeiten reich geworden, sondern durch Hochtechnologie und Innovationen. Da müsse man jetzt wieder ansetzen. Produktivität ließe sich durch neue Technologien, durch bessere Motivation und die Verbesserung der Arbeit selbst steigern. Bessere Qualifizierung, also bessere Schulbildung, Studium und Ausbildung würden die Produktivität steigern.

Außerdem müsse man KI einsetzen, um bestimmte Tätigkeiten zu übernehmen, sagt Weber. Deutschland droht hier abgehängt zu werden. Und an dieser Stelle spielt die Zeit dann doch eine entscheidende Rolle. Denn nur durch schnelle Reformen lassen sich Produktivität und Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln.

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