Reza Pahlavi ist der Sohn des letzten iranischen Schahs. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz gab er sich als Lobbyist für die Opposition – und schloss eine politische Führungsrolle nicht aus.
Christiane Amanpour hat eine besondere Beziehung zum Iran. Ihr Vater war Iraner, sie verbrachte einen großen Teil der Kindheit in Teheran. Die Familie gehörte dort zu den privilegierten Kreisen, es war die Zeit der Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi.
Deshalb wurde es still am Freitagabend bei der Münchner Sicherheitskonferenz, als die CNN-Journalistin Christiane Amanpour eine ihrer knappen und für die Gesprächspartner meist unausweichlichen Fragen stellte: “Wollen Sie König werden?” Die Frage ging an den Sohn des Schah, Thronfolger Reza Pahlavi.
Kein klares Dementi
Auf die einfache Frage gab Reza Pahlavi eine wortreiche Antwort. Er habe selbst keine Ambitionen, erklärte der 65-Jährige, wolle aber einen Beitrag leisten, um den Übergang zu einem demokratischen System möglich zu machen. “Wenn die Demonstranten in den Straßen des Iran meinen Namen rufen”, so gab er zu bedenken, “soll ich mich dann verweigern?”
Ein klares Dementi war das nicht. Jetzt schon nach seiner Rolle in einem neuen, demokratischen Iran zu fragen, “damit würden wir die Kutsche vor das Pferd spannen”.
Fast ein halbes Jahrhundert nicht im Land gewesen
Reza Pahlavi erzählt, wo er den Tag verbrachte, als sein Vater vom Pfauenthron gestürzt wurde. “In Texas, in einem Militärtraining”, sagt er. Als 17-Jähriger machte er dort eine Ausbildung als Kampfpilot, nach einem Jahr sollte er zurückkehren in den Iran. “Aber daraus sind jetzt 47 Jahre geworden.”
Kann ein Mann, der fast ein halbes Jahrhundert nicht im Iran war und dessen Vater zu den meist gehassten Männern des Landes gehörte – zumindest so lange, bis er von den Mullahs abgelöst wurde – die Opposition repräsentieren?
Vor drei Jahren war Reza Pahlavi zum ersten mal in München bei der Sicherheitskonferenz, auf dem Panel saß er neben Frauenrechtlerinnen und sozialistischen Oppositionellen, lauter Vertreter der Exil-Opposition. Die extreme Zersplitterung der Gegner des Mullah-Regimes war ein Thema und es ging auch schon um die Frage, ob die zerstrittenen Gruppen sich jemals auf einen Vertreter würden einigen können.
“Meine Rolle ist ausschließlich eine helfende”, sagte Pahlavi damals im Gespräch mit der ARD. Eine Rückkehr in das Land seines Vaters schloss er aus. “Ich lebe in Washington, habe eine Frau und drei Töchter.”
Ein Lobbyist für die iranische Opposition
Irgendwann danach kam der Wendepunkt. Die Bewegung Frau-Leben-Frieden nennt Reza Pahlavi einen “Game-Changer”. Vorher fiel sein Name nur in den straff organisierten Monarchisten-Kreisen der Exil-Iraner. Aber allmählich konnten auch andere Oppositionelle sich mit der Idee anfreunden, dass es ohne starke Identifikationsfigur nicht geht.
Bei der Sicherheitskonferenz in München übernimmt Pahlavi die Rolle eines Lobbyisten für die iranische Opposition. “Sie haben die Verletzen noch im Krankenhaus verfolgt, sie haben Frauen im Gefängnis vergewaltigt und unfassbar viele Unschuldige getötet.” So viele, dass der Schah-Sohn von einem Genozid an der eigenen Bevölkerung spricht.
Wieder eine kurze, klare Frage von Christiane Amanpour: “Was halten Sie von Trumps Iran-Politik?” Der US-amerikanische Präsident hatte die Protestierenden ermutigt, weiter aufständig zu sein, Hilfe sei unterwegs. Dabei blieb es. Trotzdem vermeidet Reza Pahlavi Kritik an Trump. Nötig sei jetzt eine “humanitäre Intervention” mit weiteren Sanktionen, außerdem sollten alle iranischen Diplomaten von den westlichen Regierungen ausgewiesen werden, die westlichen Regierungen sollten helfen mit einem sicheren Internet.
Pahlavi: Religion soll keine Rolle in der Politik spielen
In einem Punkt wird der Schah-Sohn am Ende noch einmal deutlich. In der Zeit nach den Mullahs solle die Religion keine Rolle mehr in der Politik spielen. “Religion hat nichts zu suchen im weltlichen Recht”, sagt Pahlavi. Fast beschwörend wiederholt er den Satz, das Recht müsse unabhängig von jeder geistlichen Einflussnahme sein. Das ist aus seiner Sicht das Ziel, das die unterschiedlichen Oppositionsgruppen gemeinsam anstreben sollten: “die säkulare Demokratie als Alternative zu der diktatorischen Herrschaft”.
Nicht nur von Washington erwartet der Schah-Sohn Unterstützung, auch von den Europäern, sie müssten entscheiden, “ob sie auf der richtigen Seite der Geschichte stehen wollen”.
Am Samstag wollen 100.000 Iraner aus ganz Europa in München demonstrieren – die Zahl nennen die Veranstalter.

