Russland und der Iran-Krieg: Putin im Abseits

Russland und der Iran-Krieg: Putin im Abseits

Wladimir Putin und Masoud Pezeshkian (Archivbild: 17.01.2025)

Stand: 02.03.2026 • 17:09 Uhr

Syrien, Venezuela und jetzt Iran: Russlands Verbündete scheinen nach und nach zu fallen. Aus Moskau kommen Beileidsbekundungen, als Schutzpatron einer multipolaren Weltordnung erweist sich Russland nicht.

Von Silke Diettrich, ARD Moskau, zurzeit Köln

Vor dem Eingang zur iranischen Botschaft in Moskau legen Menschen Sträuße aus Nelken, rote Rosen und Stofftiere ab. Wladimir Putin spricht nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei sein Beileid aus und nennt den Angriff auf ihn einen “zynischen Mord”. In einem Schreiben des russischen Außenministeriums steht, dass die Russische Föderation die “Jagd” auf Staatschefs souveräner Staaten verurteile.

Kritik und warme Worte: Russland schaut der Eskalation im Nahen Osten, wie zuvor schon der in Venezuela, ohnmächtig zu. Und zugleich auch mit Besorgnis: Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte heute noch einmal die Enttäuschung darüber, dass “die Situation trotz der eingehenden Informationen über einen wesentlichen Fortschritt bei diesen Verhandlungen dennoch zu einer direkten Aggression eskaliert ist”.

Propagandisten wettern gegen die USA

Offiziell hält sich der Kreml mit harscher Kritik an den USA zurück. Die Propagandisten in Russland werden deutlicher. Der ultranationalistische Ideologe Alexander Dugin beklagt auf Telegram, dass Putins Verbündete “einer nach dem anderen systematisch vernichtet” würden. Und warnt davor, “was Verhandlungen mit einem solchen Feind” – also mit den USA – bedeuteten: den Fall von Machthabern.

Einer der bekanntesten Propagandisten im Land, Wladimir Solowjow, warnt in seiner Talkshow mit Blick auf die Ukraine: “Russland wird in diesem Krieg entweder siegen – oder es wird Russland nicht mehr geben.” Der russische Krieg in der Ukraine sei ein Krieg gegen die NATO, also gegen “ihre Herren, die Amerikaner”. Das habe sich nun vollständig in ihrer Aggression gegen Iran gezeigt.

Beistandspakt mit Grenzen

Noch Mitte Februar hatten Iran und Russland ein gemeinsames Marinemanöver vor der Küste der Islamischen Republik abgehalten. Vor rund einem Jahr hatten die beiden Länder ein strategisches Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Darin vereinbart: eine enge Zusammenarbeit beim Militär, im Handel, in der Forschung. Beide Staaten sind stark von westlichen Sanktionen betroffen und wollten sich gegenseitig dabei unterstützen.

Allerdings handelte es sich bei dem Abkommen nicht um einen klassischen Beistandspakt: Beide Länder einigten sich darauf, bei einem Angriff durch Dritte keine direkte Unterstützung zu leisten.

Vor wenigen Tagen allerdings berichtete die Financial Times von einem geheimen Waffendeal zwischen Russland und Iran. Dabei soll Russland Tausende schultergestützte Raketen an Iran verkaufen, Waffen im Wert von rund 500 Millionen Euro. Und zu Beginn des russischen Angriffskriegs soll Iran Drohnen an Russland geliefert haben. Mittlerweile soll Russland selbst in der Lage sein, auf Basis der iranischen Militärtechnologie bewaffnete Drohnen in großen Mengen zu produzieren.

Steigender Ölpreis – gut für den Haushalt

Nach dem US-amerikanischen und israelischen Angriff hat Iran die Straße von Hormus geschlossen, eine wichtige Seehandelsroute für Öl. Öltanker sind Ziele von Angriffen.

Das hat zu einem Anstieg der Ölpreise gesorgt. Ein hoher Ölpreis ist aber für den russischen Staatshaushalt – und damit für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine – von entscheidender Bedeutung. Der Anteil der Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor war zuletzt immer weiter gesunken.

Russland könnte “theoretisch” nun die Öllieferungen nach China erhöhen, schreibt die russische Tageszeitung Kommersant. Sie gibt aber zu bedenken, dass China und die USA nach dem “Zollkrieg” ein Handelsabkommen geschlossen hätten, in dem sich China verpflichtet habe, Öllieferungen aus Russland zu begrenzen.

Der Optimismus über den gestiegenen Ölpreis hält sich bei russischen Experten insgesamt in Grenzen, da man die langfristigen Entwicklungen derzeit noch nicht absehen könne.

Was die geopolitische Gesamtlage Russlands betrifft, fasst es der russische Amerikanist Andrej Kortunow in Moskau wie folgt zusammen: “Wenn dein Partner geschlagen wird, ist es natürlich schlecht, insbesondere, wenn du nichts dagegen tun kannst.”

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