RKI-Zahlen: Wie stark ist die Grippewelle?

RKI-Zahlen: Wie stark ist die Grippewelle?

Ein Fieberthermometer zeigt eine Körpertemperatur von 40,0 Grad nach der Messung bei einem Kind an.


faq

Stand: 15.01.2026 19:24 Uhr

Der Bericht des Robert Koch-Instituts zeigt: Die Zahl der Grippekranken steigt, viele Menschen sind infiziert. Auch ein neuer Virus-Typ sorgt für Infektionen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Anzahl der Menschen, die an einer Grippe erkrankt sind, ist in den vergangenen Wochen gestiegen. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI), die die Situation in der zweiten Kalenderwoche vom 5. bis 11. Januar darstellen.

Die Fachleute werteten Meldungen aus Bevölkerung, Arztpraxen und Krankenhäusern aus. Außerdem wurden eingesendete Virusproben analysiert und das Abwasser von 46 Klärwerken auf Virenrückstände untersucht.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Die Anzahl der meldepflichtigen Influenza-Fälle, die beim RKI eingegangen sind, ist in der vergangenen Woche auf mehr als 20.000 gestiegen; in der Vorwoche waren es noch knapp 15.000 gewesen.

Insgesamt wurden dem RKI in dieser Grippe-Saison bereits mehr als 80.000 Fälle gemeldet. Es gab 225 Todesfälle. Diese betrafen vor allem bei Menschen über 60 Jahren.

Natürlich kursieren aktuell nicht nur Grippeviren – es ist generell Erkältungszeit. Menschen stecken sich zum Beispiel auch mit Corona-, Rhino- oder RS-Viren an. Die Anzahl aller Atemwegsinfekte zusammen ist in der zweiten Januarwoche gesunken und liegt laut RKI auf einem niedrigen Niveau. Es schätzt, dass insgesamt in der vergangenen Woche etwa 3,9 Millionen Menschen an einem akuten Atemwegsinfekt erkrankt sind, allerdings nicht alle davon so schwer, dass sie medizinische Hilfe gebraucht hätten.

Die Symptome der Infektionen sind häufig ähnlich – eine “echte Grippe”, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird, beginnt oft plötzlich zum Beispiel mit Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Husten. Allerdings sind auch mildere Verläufe möglich.

Welche Virus-Typen sind unterwegs?

Die Grippe wird von mehreren Virus-Typen ausgelöst, die sogenannten Influenza A- und B-Viren. Influenza A teilt sich wiederum in mehrere Varianten auf, diese werden H1N1 und H3N2 genannt. Aktuell ist H3N2 die Virusvariante, die am weitesten verbreitet ist. Das zeigen die Auswertungen des RKIs.

Grippeviren verändern sich ständig. So auch im vergangenen Jahr: Aktuell kursiert eine neue Unterart des Virus H3N2: Sie wird Subklade, also Untertyp K genannt.

Ist die Grippewelle dieses Jahr stärker?

Der Verlauf der aktuellen Grippesaison ist vergleichbar mit den Wellen der vergangenen Jahre. Was das für die kommenden Wochen und Monate bedeute, könne man aber noch nicht sagen, sagt Susanne Glasmacher, Biologin und Sprecherin des Robert Koch-Instituts. “Man kann den Verlauf der Grippewelle nicht vorhersagen.”

Auffällig ist aber: In diesem Jahr hat die Grippewelle etwas früher begonnen als normalerweise. Ein Grund dafür könnte die Subklade K sein, die sich relativ stark von bisherigen H3N2-Viren unterscheidet. “Das wäre plausibel”, so Glasmacher. “Die Klade hat vergleichsweise viele Mutationen. Es wäre möglich, dass sie sich entsprechend früher und leichter durchsetzen konnte.” Inzwischen dominiere die Klade K, daher wäre es plausibel, dass auch der frühere Beginn mit ihr zusammenhänge, so Glasmacher.

Ist die neue Subklade K gefährlicher?

Im vergangenen Herbst hatten Fachleute gewarnt, dass die diesjährige Grippewelle aufgrund der neuen Subklade K stärker ausfallen könnte. Dass solche neuen Typen der Influenza-Viren entstehen, ist erstmal ein normales Ereignis, sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. Grippeviren sind bekannt dafür, sich häufig zu verändern. “Üblicherweise ist es aber so, dass diese veränderten Viren nicht krankmachender sind.” Jedoch seien sie oft ansteckender, da sie der Immunabwehr leichter entwischen können.

Das heißt: Das Immunsystem von vielen Menschen ist zwar gewappnet gegen Influenza-Viren, mit denen es bereits in früheren Jahren Kontakt hatte. Da sich das Virus aber so stark verändert hat, erkennt es das Immunsystem nicht mehr so gut und muss eine neue Abwehr aufbauen. Das Ergebnis: Mehr Menschen werden krank. Das betrifft alle Altersgruppen.

Warum bekommen Kinder eine Grippe?

“Generell ist es so bei Influenzaviren, dass Kinder diejenigen sind, die am häufigsten betroffen sind”, erklärt Susanne Glasmacher vom RKI. “Bei ihnen ist die Immunität gegen Influenzaviren aller Art noch nicht so gut ausgebildet wie bei Älteren.” Jedoch zeigten die Daten klar: Es sind die älteren Menschen, also Altersgruppen über 60 Jahren, die am häufigsten so stark an einer Influenza-Grippe erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen oder versterben.

Bei diesen Menschen und Personen mit Vorerkrankungen sei es deshalb besonders wichtig, dass sie sich gegen die Influenza-Grippe impfen lassen, so Glasmacher.

Wie wirksam ist die Impfung?

Da sich die Grippeviren so schnell verändern, müssen auch die Impfstoffe jedes Jahr angepasst werden. Bereits im Februar entscheidet die Weltgesundheitsorganisation, gegen welche Untertypen des Influenza-Virus in der kommenden Saison auf der Nordhalbkugel geimpft wird.

Ob der Impfstoff effektiv gegen das aktuell kursierende Virus schützt, könne man immer erst im Nachhinein mit Sicherheit sagen, erklärt Glasmacher vom RKI, wenn die gemeldeten Grippe-Erkrankungen ausgewertet wurden. “Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es nur vorläufige Labor-Ergebnisse.” Dabei reagierten alle Influenza A-Viren, zu denen auch die Subklade K gehört, mit dem Impfstoff.

“Das Nationale Referenzzentrum für Influenza interpretiert diese Daten so, dass bei dieser Subklade K der Schutz vor Infektionen nach einer Grippeschutzimpfung etwas verkürzt sein könnte”, so RKI-Sprecherin Glasmacher. Das gelte vor allem für jüngere Menschen, die noch nicht so viele Kontakt mit Influenza-Viren hatten.

Was soll mit der Impfung erreicht werden?

Insgesamt werde aber erwartet, dass der Grippeimpfstoff weiterhin Schutz vor schweren Erkrankungen bietet. Darauf deuten aktuelle Schätzungen aus Großbritannien und des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten hin. Sie schätzen die Effektivität der aktuellen Impfstoffe auf 52 bis 57 Prozent. “Das liegt im üblichen Bereich der Wirksamkeit der Grippeimpfung”, sagt Klaus Überla, Direktor des virologischen Instituts der Uniklinik Erlangen im Bayerischen Rundfunk. “Es ist wichtig, von der Grippe-Impfung nicht zu viel zu erwarten. Sie verhindert die Hälfte der Grippeerkrankungen, sie ist aber kein Rundum-Sorglos-Paket.”

Der Schutz vor einer Infektion stehe beim Grippeimpfstoff nicht unbedingt im Vordergrund, erklärt auch Glasmacher vom RKI. “Man will vor allem die schweren Verläufe vermeiden – also Einweisungen ins Krankenhaus, bis hin zum Tod.”

Lohnt es sich noch, sich impfen zu lassen?

Der optimale Zeitpunkt, sich gegen eine Influenza-Grippe impfen zu lassen ist laut Robert Koch-Institut von Oktober bis Mitte Dezember, also vor der Grippewelle. Aber: “Die Influenza-Saison reicht in vielen Jahren bis in den April hinein”, sagt der Virologe Überla. Und: “Wir haben in dieser Saison bisher nur das Influenza A-Virus gehabt und es bleibt abzuwarten, ob wir nicht noch Besuch von der Influenza B bekommen.” Der Impfstoff schütze gegen beide Virustypen, es lohne sich also vor allem für Risikogruppen noch, sich impfen zu lassen.

Welche zusätzliche Empfehlungen gibt es?

Seit diesem Jahr empfiehlt die STIKO auch Personen, die häufigen, regelmäßigen Kontakt mit Wildvögeln, Geflügel, Schweinen oder Robben haben, sich gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Grund dafür ist die starke Ausbreitung der Vogelgrippe.

Auch Kinder mit Vorerkrankungen sollten laut STIKO gegen Influenza geimpft werden. Einige Fachleute fordern sogar, diese Empfehlung für alle Kinder zu erweitern, da auch gesunde Kinder häufig an einer Influenza-Grippe erkranken.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *