Renovierung: Trump verkündet Schließung des Kennedy Centers

Renovierung: Trump verkündet Schließung des Kennedy Centers

Donald Trump in der Präsidentenloge des Kennedy Center in Washington DC., USA (Archivbild: 17.03.2025).

Stand: 02.02.2026 18:50 Uhr

US-Präsident Trump hat die zweijährige Schließung des Kennedy Centers in Washington DC bekannt gegeben. Er führt dafür den schlechten Zustand des berühmten Kulturzentrums an – Kritiker vermuten andere Gründe.

Von Jan Oppel, ARD Washington

In seinem sozialen Netzwerk Truth Social erklärte US-Präsident Donald Trump, der geplante Umbau des Kennedy Centers sei der schnellste Weg, um das Kulturzentrum auf das “höchste Niveau an Erfolg, Schönheit und Pracht zu bringen”.

Die Musik-Journalistin Anne Midgette überzeugt das nicht. “Das Orchester hat vor einem immer kleineren Publikum gespielt und eine solche Schließung ermöglicht nun einen harten Reset”, vermutet sie. “Aber ob dieser Plan aufgeht, hängt davon ab, wer tatsächlich wiederkommt, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind.”

Komponist Philip Glass sagte Sinfonie ab

Nicht nur die Zuschauer blieben zuletzt weg, sondern auch die Künstler. Etwa der weltberühmte US-Komponist Philip Glass, der die Premiere seiner Sinfonie über Abraham Lincoln absagte. Die Botschaft der Sinfonie stünde im direkten Widerspruch zu den Werten des Kennedy Centers, hieß es in einer Stellungnahme.

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte Trump mehrere Mitglieder des Kuratoriums entlassen, selbst den Vorsitz übernommen und den früheren US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, zum Präsidenten gemacht. Zudem hatte er das Kulturhaus in Trump-Kennedy Center umbenannt.

Kritiker sehen Angriff auf Kulturlandschaft

Entsprechend kritisch blicken nun viele auf die Umbaupläne: “Ich glaube, dass er das Gebäude am Ende abreißt, komplett zum Trump Center macht und uns vergessen machen will, dass es ein lebendiges Erbe JFKs (Anm. d. Redaktion: Gemeint ist John F. Kennedy, der 35. US-Präsident) ist”, sagt die demokratische Kongressabgeordnete Chellie Pingree. “Wir müssen ihn stoppen und ich werde das zusammen mit anderen Mitgliedern des Kongresses tun.”

Der Umbau des Kulturzentrums von innen und außen – für den Großneffen von John F. Kennedy, Joseph Patrick “Joe” Kennedy III, ist das nicht weniger als einen Angriff auf die US-amerikanische Kulturlandschaft: “Was diese Regierung tatsächlich auszulöschen versucht: unsere Verbundenheit, unsere Gemeinschaft und unser Bekenntnis zu den Rechten aller”, schreibt er in den sozialen Medien.

Unklar, wo Orchester unterkommt

Den US-Präsidenten halten solche Anschuldigungen nicht ab. Wo das Orchester des Kulturzentrums für die kommenden zwei Jahre des geplanten Umbaus unterkommt, ist dabei noch offen. Normalerweise spielt es etwa 150 Konzerte im Jahr im Kennedy Center. Trump betont seit Langem, dass das Bauwerk marode sei – dabei wurde es zuletzt 2019 saniert.

Die Musikjournalistin Midgette sieht ebenfalls Renovierungsbedarf, es gebe allerdings noch viele Fragen: “Gibt es eine Garantie, dass die Säle für die klassischen Konzerte optimiert werden, die dort bislang stattgefunden haben? So etwas macht man nicht einfach, in dem man vier Wände aufbaut und ein paar Stühle aufstellt.” In so eine Planung müssten sehr viele Überlegungen einfließen, sagt die Journalistin. Und es sei offen, “ob sich jemand diese Gedanken überhaupt macht.”

Ab dem 4. Juli – dem 250. Jahrestag der Unterzeichnung der US-Unabhängigkeitserklärung – soll das Kulturzentrum renoviert werden. Die Entscheidung muss noch vom Direktorium abgesegnet werden. Die Mitglieder dieses Gremiums wurden von Trump bestimmt.

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