Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin muss sich unter anderem wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten. Doch das Königshaus hat noch mehr Probleme: Auch der Epstein-Skandal belastet Mette-Marit.
Der Prozess in Oslo begann pünktlich gegen 9:30 Uhr – und anders als erwartet erschien Marius Borg Høiby doch schon am ersten Tag vor Gericht. In einem grünen Pullover verfolgte der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit die Verlesung der insgesamt 38 Anklagepunkte.
Sie tue ihr bestes, um ihren Mandaten auf den Mammut-Prozess vorzubereiten, hatte seine Anwältin Ellen Holager Andenæs am Morgen dem Sender NRK gesagt.
Die Liste der Vorwürfe gegen den 29-Jährigen in dem Strafprozess ist lang: Vergewaltigung in vier Fällen, häusliche Gewalt, Sachbeschädigung, Drogen- und Verkehrsdelikte. Mehrere Frauen soll er sexuell missbraucht und sie dabei ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung gefilmt haben. Die Schuld zu den schwersten Vorwürfen wies Marius Borg Høiby zurück.
Kurz vor Prozessbeginn war er unter anderem wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen ein Kontaktverbot erneut festgenommen worden. Bis zum 2. März muss er in Untersuchungshaft bleiben.
Großes internationales Interesse
Das internationale Medieninteresse an dem Verfahren ist riesig, sagt der norwegische Kriminaljournalist Dennis Ravndal: “Es kommt nicht oft vor, dass man ein paar Stunden lang mit anderen Pressevertretern in einer Schlange steht, um ins Osloer Bezirksgericht zu gelangen. Es ist klar, dass dies ein historischer Fall ist. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der norwegischen Königsfamilie vor Gericht steht. Das ist noch nie passiert.”
Marius Borg Høiby war zwar nie offiziell Teil des norwegischen Königshauses. Trotzdem wirkt sich das Verfahren gegen den Sohn der künftigen Königin aus einer früheren Beziehung auf das Ansehen der Monarchie aus.
Königshaus distanziert sich
Kronprinzessin Mette-Marit und ihr Mann, Kronprinz Haakon, hatten schon vor dem Verfahren klargemacht, dass sie nicht selbst an dem Prozess teilnehmen, erklärt die norwegische Königshausexpertin Kristi Marie Skrede: “Die Königsfamilie hat immer betont, dass das Verfahren nun in den Händen der Justiz liegt. Es sei am Gericht, ein Urteil zu fällen. Sie hoffen auf einen fairen Prozess – für Marius, aber auch für die im Fall betroffenen Frauen.”
Seit dem Wochenende ist die Krise des Königshauses noch größer geworden, denn neue Dokumente zum Fall Jeffrey Epstein in den USA zeigen: Mette-Marit hatte wohl jahrelang engen E-Mail-Kontakt zu dem verstorbenen Sexualstraftäter.
Königsfamilie unter Druck
Ein Riesen-Problem für die Königsfamilie, sagt Expertin Kristi Marie Skrede: “Mein Eindruck war immer, dass die Kronprinzessin beim norwegischen Volk großes Ansehen genießt.” Viele Norweger hätten großes Mitgefühl mit ihr, wegen ihrer Lungenkrankheit und dem, was rund um ihren Sohn geschehe. “Aber das, was jetzt gerade mit dem Epstein-Fall passiert, ist so neu, dass wir nicht wissen, wie es sich auf das Vertrauen der Menschen auswirken wird.”
Der Epstein-Skandal betrifft nicht nur die norwegische Kronprinzessin, sondern auch weitere bekannte Persönlichkeiten, darunter den früheren norwegischen Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland und die Topdiplomatin Mona Juul. Mette-Marit hatte am Wochenende erklären lassen, sie bedauere, “Epsteins Hintergrund nicht besser geprüft” zu haben.
Der Prozess gegen ihren Sohn dauert bis Mitte März. Marius Borg Høiby drohen laut norwegischen Medien bis zu 16 Jahre Haft.

